German Website English Website
Home Wing Chun Training Galerie Produkte Fragen u. Antworten
   
     
 
   

1. Einleitende Worte

     
     

Grundsätzlich gilt, dass man keinesfalls in einem einzigen Artikel auch nur ansatzweise erklären kann, was genau Wing Chun ist, wie es funktioniert, was man trainiert, wie es entstanden ist und und und ...

Denn je nachdem, wo man trainiert, wer der eigene Lehrer ist, welchen Lehrer dieser Lehrer wiederum hat bzw. hatte, wird man stets unterschiedliche Meinungen zu Wing Chun hören, die teilweise im starken Kontrast zueinander stehen.

Es gibt zwar zahlreiche Bücher, die Wing Chun behandeln, doch selbst diese stellen lediglich Erklärungsversuche dar und sind doch nur winzige Bausteine des großen, alle Wing Chun Stile weltweit überspannenden Bogens.

Theorie ist selbstverständlich wichtig, da im Wing Chun Praxis und Theorie "Hand in Hand" gehen. Daher ist es geradezu unverzichtbar, sich mit der hinter Wing Chun stehenden Theorie zur geschichtlichen Entwicklung, zur Philosophie (Buddhismus, Daoismus, Konfuzianismus), hierarchischen Strukturen, Prinzipien, Trainingsinhalten, etc. auseinander zu setzen, um Wing Chun überhaupt ansatzweise erfassen zu können.

Doch wer wirklich im Kern begreifen will, was Wing Chun ist, muss neben der theoretischen Untermauerung als erstes Wing Chun kontinuierlich, hart und ausdauernd trainieren!

Denn nur im Training kann man das, was man in Theorie und Praxis über Wing Chun lernen und erfahren kann, miteinander verknüpfen und somit das große "Gesamtbild Wing Chun" verstehen!

Dieser Artikel ist daher meines Erachtens lediglich als ein "Versuch" einzuordnen, um zu erklären, was Wing Chun ist - und er kratzt dabei doch nur an der Oberfläche.

Wie man sich denken kann, soll die Webseite in ihrer Gesamtheit (mit all ihren Artikeln auf den einzelnen Unterseiten) vermitteln, was Wing Chun ist, wie Wing Chun funktioniert, auf welchem philosophischen Fundament Wing Chun steht und wie Wing Chun im Vergleich zu anderen Kampfkünsten und Kampfsportarten einzuschätzen ist.

Häufig trifft man etliche Leute, die zwar Wing Chun trainieren, aber eigentlich von dem System überhaupt keine Ahnung haben. Sie kennen lediglich ein paar Technikbausteine, haben aber kein fundiertes Wissen über die Hintergründe des Systems.

Es ist daher durchaus sinnvoll, sich die Zeit und Geduld zu nehmen und alle Artikel dieser Webseite durchzulesen (was natürlich einige Zeit in Anspruch nehmen wird), da sie miteinander verwoben sind und extra so geschrieben wurden, dass sie nur "miteinander" Wing Chun als Ganzes beschreiben.

Man sollte also auf diese drei Seiten gehen und von oben nach unten alles durchlesen:

Nach der Lektüre aller Artikel hilft für das tiefere Verständnis dann nur noch eines:

TRAINING, TRAINING UND NOCHMALS TRAINING!

(nach oben)

  Einleitende Worte  
           
    2. Was ist Wing Chun und was bedeutet der Name Wing Chun?      
     

Wing Chun ist laut allgemeinem Verständnis eine "Kampfkunst" und wird als Ausprägung bzw. Stilart des Kung Fu (siehe "Was ist KungFu?") eingeordnet.

In einer möglichen Übersetzungsvariante bedeutet Wing Chun soviel wie "immerwährender Frühling" bzw. "schöner Frühling“ und wird wie "Wing Dschun" (ohne "g" am Ende) ausgesprochen.

Ursprünglich soll Wing Chun im Süden Chinas entstanden und von einer Frau ca. im 17. Jahrhundert entwickelt worden sein.
Ob diese Annahme tatsächlich der Wahrheit entspricht oder eher als Legende bzw. Märchen betrachtet werden sollte, ist unklar - tatsächlich ranken sich um die Entstehungsgeschichte aber zahlreiche Legenden.

Dazu kann man hier die "Geschichte des Wing Chun Systems" und in diesem Artikel hier die "alternativen Entstehungsgeschichten des Wing Chun Systems" nachlesen.

Durch den "Verzicht auf überflüssige, showartige Bewegungen" und Reduktion auf "das Nötigste bzw. das Wesentliche" ist Wing Chun eine äußerst effektive und konsequente Selbstverteidigung.

Häufig wird behauptet, Wing Chun sei somit vielen herkömmlichen Kampfsportarten überlegen.

Diese Aussage halte ich persönlich zwar für überzogen, da jedes System nur so gut wie derjenige ist, der es ausführt. Dennoch ist Wing Chun in den richtigen Händen sicherlich eine extrem gute Waffe!

(nach oben)

  Was ist und was bedeutet Wing Chun?  
           
 
 

3. Techniken

     
     

Wing Chun hat viele Kampfkunst-Wurzeln, wobei zwei davon im Shaolin Kung Fu und im Tai Chi Chuan zu finden sind.

Im Gegensatz zu Shaolin Kung Fu und Tai Chi Chuan wurden die Techniken des Wing Chun bezüglich ihrer Wirkung maximiert. Man verzichtet dabei auf schnörkelartige, weit ausschweifende Bewegungen oder "filmreifes Gefuchtel".

Diese auf Effizienz hin optimierten Bewegungen werden in den häufigsten Fällen gerade ausgeführt bzw. verlaufen entlang einer Geraden, die bekanntlich die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist. Ein Angriff wird quasi auf dem kürzesten Weg zum Ziel gebracht.

Wing Chun Bewegungen sind meist "kurz und schockartig", wobei in der Regel keine starre Muskelkraft zum Einsatz kommt. Stattdessen wird die Elastizität des eigenen Bewegungsapparates ausgenutzt (man spricht im Wing Chun dabei auch von der „Federkraft“).

Diese Elastizität wird in der Praxis durch eine Kombination aus Schritttechniken und ausgefeilter Körpermechanik (z.B. schnelle Streckbewegungen) mit einem relativ geringen Anteil eigener Muskelkraft erreicht.

  Techniken im Wing Chun  
     


Rohe Kraft ist nicht alles - Wing Chun Techniken basieren auf ausgefeilter Körpermechanik und Technikkombinationen!

     
     

Typisch für Wing Chun Techniken ist, dass diese erst in Kombination miteinander ihre volle Wirkung entfalten.
Dabei ist letztlich unerheblich, ob Fauststöße, Handkantenschläge oder Trittvarianten zum Einsatz kommen - entscheidend ist deren nahtlose Aneinanderreihung (wie Perlen auf einer Kette). Erst durch diese Art von "Kettentechniken", die taktisch und strategisch optimiert ausgeführt bzw. am Gegner platziert werden, ist es selbst kräftemäßig unterlegenen Kämpfern (z.B. Frauen) möglich, einen stärkeren Gegner abzuwehren und sich somit effektiv zu verteidigen.
Unterstützt wird diese Art des Kämpfens dadurch, dass im Kampfesverlauf die Kraft des Gegners "geborgt" und schließlich gegen ihn selbst zum Einsatz gebracht wird.

Ein weiteres Merkmal des Wing Chun ist die "Gleichzeitigkeit von Angriff und Abwehr". Ein Angriff wird gleichzeitig als Verteidigung eingesetzt. Ein Schlag eines Gegners wird somit beispielsweise durch einen konternden Gegenangriff abgewehrt.

Weiterhin ist Wing Chun durch seine ausgefeilte Trittarbeit charakterisiert, die nur sehr wenige Grundtritte umfasst. Es werden im Allgemeinen nur niedrige Ziele bis etwa zur Höhe der gegnerischen Hüfte angegriffen.

Ziele dieser Tritte sind insbesondere Kniegelenk, Oberschenkelansatz oder Unterleib des Gegners, wobei Immobilisierung des Gegners in Form von "Gelenkzerstörung" als auch "Brechung der Körperachse“ angestrebt wird.

(nach oben)

     
           
    4. Prinzipien (Kuen Kuits)      
     

Im Gegensatz zu vielen anderen traditionellen Kampfkünsten bzw. Kampfsportarten folgen Wing Chun Techniken, Bewegungen und auch Verhaltensweisen klar vorgegebenen Prinzipien.

Diese Prinzipien – im Kantonesischen „Kuen Kuits“ genannt – können als „Worte der Weisheit“, Merksätze, Eselsbrücken, Tipps, Weisungen oder auch als Orientierungshilfen für den Wing Chun Praktizierenden verstanden werden und definieren, wie man sich im Training zu bewegen, im Ernstfall einer Auseinandersetzung zu kämpfen oder im normalen Leben zu verhalten hat.

Sie existieren als

  1. Verhaltensregeln,
  2. als spezielle Einsichten in die sieben Formen (SNT, CK, BT, MYCF, SSCF, LDPK, BCD), Chi Sao Sektionen, Lat Sao Drills und Sparring,
  3. als genereller Schlüssel zum System und auch
  4. als allgemeingültige Maximen.

Ihre Allgemeingültigkeit und Übertragbarkeit ist für den Wing Chun Praktizierenden von entscheidendem Vorteil. Beachtet ein Kämpfer die Prinzipien des Wing Chun, so verhält er sich in vollkommen unbekannten Situationen korrekt bzw. macht im Normalfall zumindest keine gravierenden Fehler!

Der Vorteil dieser Vorgehensweise liegt auf der Hand!

Zu den vielfältigen Kuen Kuits, die von Stil zu Stil stark variieren, gehören unter anderem die im Wing Chun gelehrten Kampfprinzipien (siehe "Kampfprinzipien im Wing Chun"), die nachfolgend aufgelistet sind:

Diese "Vier Kampfprinzipien" lauten:

  1. Ist der Weg frei, stoße vor!
  2. Ist der Weg nicht frei (und es wird Kontakt hergestellt), bleib kleben!
  3. Ist die Kraft des Gegners zu groß, gib nach!
  4. Zieht sich der Gegner zurück, folge!

Es ist offensichtlich, dass diese Prinzipien bewusst in der reflexiven Befehlsform so formuliert sind, dass klar definiert wird, was im Kampf zu tun ist. Dabei kann unter Kampf einerseits der physische Kampf mit einem Gegner, eine taktisch und strategische Auseinandersetzung auf verbaler bzw. mentaler Ebene als auch der Kampf gegen sich selbst gemeint sein (siehe dazu auch: „Die drei Ebenen des Wing Chun“).

Oft wird behauptet, Wing Chun basiere im Wesentlichen auf diesen vier einfachen Kampfprinzipien. Folgt ein Wing Chun Kämpfer in seinen ausgeführten Bewegungen, seinen taktisch und strategischen Überlegungen oder auch in der täglichen Auseinandersetzung mit sich selbst diesen Kampfprinzipien, praktiziert er Wing Chun.

(nach oben)

  Prinzipien im Wing Chun  
           
    5. Trainingskonzept      
     

Das Training im Wing Chun basiert im Wesentlichen auf Partnerübungen – diese dominieren den Unterricht.

Die Trainingspartner wiederholen immer und immer wieder bestimmte Bewegungsmuster eines anfangs vorgegebenen Kampgeschehens – es wird sozusagen „gedrillt“. Dabei werden je nach Erfahrung des Wing Chun Kämpfers die Geschwindigkeit, Intensität wie auch Komplexität der Bewegungsmuster bzw. Drills variiert.

Ziel ist es, Wing Chun spezifische Bewegungsmuster, die sich an natürliche bzw. alltägliche Körperbewegungen anlehnen, dem Einzelnen durch permanente Wiederholung einzuschleifen, so dass sie im Ernstfall unbewusst – also reflexartig – abgerufen werden können.
Um diesen Grad der Perfektion zu erreichen, durchschreitet ein Schüler unterschiedliche Trainingsstufen, von denen nachfolgend die Wichtigsten aufgeführt sind:

  1. Formen (Siu Nim Tao, Cham Kiu, Biu Tze, etc.)
  2. Chi Sao (klebende Arme)
  3. Lat Sao (Freikampf)
  4. Freie Anwendungen
  5. Sparring
  6. Waffen (Langstock, Doppelmesser)
  7. etc.

Ein Schwerpunkt wird dabei im Wing Chun auf das "Chi Sao" (Klebende Arme), ein Reflex- und Reakionstraining (häufig auch leicht missverständlich als "Gefühlstraining" bezeichnet) gelegt.
Diese spezielle und in den Kampfkünsten weitestgehend einzigartige Trainingsmethodik versetzt den Wing Chun Kämpfer in die Lage, auf bestimmte Druckeinwirkungen bzw. Impulse eines Gegners schnell und reflexartig zu reagieren, ohne sich auf die langsamere "optische Angriffserkennung" verlassen zu müssen.

Die im Chi Sao erworbenen Bewegungsmuster werden schließlich in eine Art ritualisierten Freikampf eingeflochten - "Lat Sao" genannt.

Hier können aufgrund des Lat Sao-Drillcharakters die im Chi Sao einstudierten Reflexmuster in Situationen mit kurzfristigem Kontakt zum Gegner geübt und optimiert werden. Anschließend werden im Sparring quasirealistische Kampfsituationen geprobt.

Erst nach Durchlaufen all dieser Schritte ist die Verteidigungsfähigkeit eines Wing Chun Kämpfers weitestgehend garantiert.

Oftmals findet man Schulen bzw. Wing Chun Lehrer, die sich auf einen der oben genannten Punkte spezialisiert haben.
Der eine Lehrer unterrichtet fast nur Chi Sao und keine Anwendungen. Der andere macht viel Lat Sao bzw. Sparring und tut Chi Sao als "zu komplex oder unnötig" ab. Hier gilt es, als Anfänger Vorsicht walten zu lassen und sich ganz klar zu machen: "Wichtig ist stets die gesunde Mischung!"

Nur ein ausgewogenes Training, in dem alle Inhalte gleichberechtigt unterrichtet werden, führt dauerhaft zum Erfolg! Liegt die Betonung nur auf einem bzw. einigen wenigen der oben genannten Inhalte, verkümmern bzw. degenerieren die eigenen Fähigkeiten - und es droht Konzeptlosigkeit und mangelndes Verständnis für dieses schöne System!

Obwohl man die Grundlagen des Wing Chun durchaus schnell erlernen kann, erfordert die Praxis des Chi Sao jahrelange Übung und Geduld, um sinnvoll in einem Kampf zum Einsatz gebracht zu werden.
Bringt man diese Übung und Geduld auf, so wird man nach langer Praxis u.a. durch außerordentliche Körperkoordination belohnt.

Fazit ist, dass die oftmals proklamierte „schnelle Erlernbarkeit“ des gesamten Systems nur bedingt richtig ist. Man muss hier unterscheiden zwischen "Selbstverteidigungsfähigkeit aufbauen" und dem "Beherrschen des Systems".

Richtig ist, dass man in kurzer Zeit ein geringes Maß an Selbstverteidigungsfähigkeit aufbauen kann. Ob zusätzlich relativ zügig ein Überblick über das System erlangt werden kann, hängt hingegen von dem Trainer ab, bei dem man trainiert.

Die "Beherrschung des Systems" ist allerdings eine Frage der lebenslangen Beschäftigung und erfordert einen hohen Trainingseinsatz verbunden mit einer tiefen Hingabe und Identifikation mit dem Wing Chun an sich.

Daraus ergibt sich als logische Konsequenz, dass das System - wie alle anderen Kampfkünste auch - nicht "gemeistert" werden kann ...

(nach oben)

  Trainingskonzept im Wing Chun  
           
   
© 2009 Dr. Cord Elsner - WING CHUN - Stuttgart
     
             
Mitglieder Newsletter Kontakt Links Impressum