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1. "Ich kann Wing Chun" - darf man nun jederzeit drauflos schlagen?

     
     

Nein, darf man nicht!

Es gibt eine "glasklare Gesetzeslage", durch die geregelt wird, unter welchen Bedingungen man sich durch Einsatz von körperlicher Gewalt strafbar macht bzw. wo dies angebracht und rechtlich einwandfrei ist.

 

Darf man jederzeit drauflos schlagen?

 
     


Festgenommen wegen schwerer Körperverletzung - Handelt man dem "Notwehrrecht" zuwider bzw. befindet man sich nicht in einer glasklaren Notwehrlage, wenn man Wing Chun zum Einsatz bringt, findet man sich schneller in Polizeigewahrsam, als man "Grossmeischta, weischt, machscht, muscht, schupfen oder phipilipapp" sagen kann.

   
     

Geregelt werden diese ganzen Bestimmungen unter anderem durch das "Notwehrrecht", das jeder, der eine Kampfkunst oder einen Kampfsport betreibt, kennen sollte.

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2. "Notwehr" - der feine Unterschied bzgl. der rechtlichen Lage

     
     

Gerät man in eine körperliche Auseinandersetzung und verteidigt sich beispielsweise mit Tritten, Schlägen, etc., sind diese Abwehrhandlungen zunächst tatbestandlich gewöhnliche Straftaten und gelten als "Körperverletzung". Die Abwehrhandlungen des Verteidigers unterscheiden sich insofern rechtlich nicht von den Straftaten, die der Angreifer begeht.

Bringt der Angreifer einen Faustschlag zum Gesicht des Verteidigers an und tritt dieser wiederum dem Angreifer mit seinem Bein in die Genitalien, erfüllen beide Aktionen den Tatbestand der Körperverletzung.

Sind die Abwehrhandlungen des Verteidigers allerdings durch Notwehr geboten, sind sie im Gegensatz zu den Körperverletzungen des Angreifers nicht strafbar.

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  Notwehr - der feine Unterschied bzgl. der rechtlichen Lage  
           
    3. Der "Notwehrparagraph" - was sagt § 32 des Strafgesetzbuches (StGB) zu Notwehr?      
     

(1) Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.

(2) Notwehr ist eine Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.

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  Der Notwehrparagraph  
           
    4. Wann liegt Verteidigung vor?      
     

Schlägt man einen Mitmenschen zusammen und kannte dabei eine objektiv bestehende Notwehrlage nicht (weil man beispielsweise einen bevorstehenden Angriff nicht bemerkt hat) oder provoziert man einen Angriff, um den Angreifer unter dem Deckmantel der Notwehr zu schlagen, kann man sich strafbar machen.

Solange der Verteidiger einen Verteidigungswillen hat, ist es unschädlich, ob er durch den Angriff wütend oder zornig ist.

Es muss ein Verteidigungswille vorliegen.

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  Wann liegt Verteidigung vor?  
           
   

5. "Erforderlichkeit" - Erforderliche und verhältnismäßige Verteidigung

     
     

Welche Verteidigungsmittel sind dem Wing Chun Kämpfer (bzw. jeder Person) im Ernstfall gestattet?

Vereinfacht gesprochen, muss jeder sich im Verteidigungsfall fragen, ob man einen Angreifer tatsächlich, schlagen, treten, erstechen oder erschießen muss, oder ab man den Angriff auch mit milderen Mitteln stoppen kann, ohne sich dabei selbst zu gefährden?

Diese Frage wird durch die "Erforderlichkeit" geregelt.

Für eine Abwehrhandlung ist immer das mildeste Verteidigungsmittel erforderlich, durch welches der Angriff sicher gestoppt werden kann.
Sind also zur Beendigung des Angriffs nur "geringe Verteidigungsmaßnahmen" notwendig, sollten keine Abwehrhandlungen zum Einsatz kommen, die über das hinausgehen, was zur Beendigung des Angriffs erforderlich ist.
Der Verteidiger darf sofort eine Abwehrhandlung vornehmen, durch die der Angriff sicher beendet werden kann. Er muss sich nicht erst an die "geeignete Abwehrmaßnahme" quasi "herantasten" oder sich auf einen Kampf mit unsicherem Ausgang einlassen.

Dennoch ist der Verteidiger verpflichtet, unter den ihm zur Verfügung stehenden wirkenden Abwehrmöglichkeiten stets das für den Angreifer mildeste Abwehrmittel zu wählen.

Geht die Abwehrhandlung über das mildeste, wirksame Abwehrmittel hinaus, ist sie nicht mehr erforderlich. Man sieht, dass im Ergebnis der "Erforderlichkeit" sozusagen auch eine Verhältnismäßigkeit enthalten ist - "nicht erforderliche Abwehrhandlungen sind letzten Endes auch unverhältnismäßig".

Wichtig ist hier, dass Erforderlichkeit - und daraus folgend Verhältnismäßigkeit - zwischen dem Angriff und der Abwehrhandlung bestehen muss, aber nicht zwischen dem durch die Abwehrhandlung beim Angreifer und Verteidiger bedrohten Rechtsgut.

Grundsätzlich muss eine Verhältnismäßigkeit zwischen dem vom Verteidiger geschützten und dem durch die Abwehrhandlung auf Seiten des Angreifers beeinträchtigten Rechtsgut nicht gegeben sein.
Das bedeutet, dass ein Verteidiger sich nicht die Frage stellen muss, ob es "verhältnismäßig ist, wenn er dem Angreifer einige Zähne ausschlägt, den Arm oder das Bein bricht (vorausgesetzt, dass keine milderen ebenso wirksamen Abwehrhandlungen möglich sind) und dadurch den Angreifer gegebenenfalls dauerhaft schädigt, obwohl der Angreifer nur das Handy des Verteidigers im Wert von 150 Euro wegnehmen will".
Im Rahmen der Notwehr existiert ein solche Verhältnismäßigkeitsabwägung nicht (Ausnahme wäre, wenn ein unerträgliches Missverhältnis gegeben ist. Siehe dazu weiter unten bei "Gebotenheit").

Mit anderen Worten trägt der Angreifer das Risiko, durch eine Abwehrhandlung selbst deutlich schwerer geschädigt bzw. verletzt zu werden, selbst.
Dabei spielt es keine Rolle, ob sein Angriff ohne Abwehrhandlung des Verteidigers diesen geringer geschädigt hätte.
Der Verteidiger darf - unter Beachtung der oben angeführten Überlegungen - grundsätzlich alles machen, was nötig ist, um den Angriff zu stoppen. Er muss sich den Angriff nicht gefallen lassen.
Eine allgemeine Definition, welche Abwehrhandlung in jedem einzelnen Fall erforderlich ist, ist nicht möglich und hängt von den Umständen des Einzelfalls ab.

Feste Regeln, nach denen die Ohrfeige des Angreifers mit einem Faustschlag des Verteidigers oder das gezückte Messer des Angreifers etwa mit einem Fingerstich des Verteidigers zu den Augen des Angreifers beantwortet werden dürfte, gibt es nicht! Stattdessen kommt es letztendlich auf die individuelle Kampflage an.
Es muss also berücksichtigt werden, wie gefährlich der jeweilige Angriff einzustufen ist, welche Kräfteverhältnisse vorliegen und welche Abwehrmittel des Verteidigers zur Verfügung stehen. Es wirken sich auch die individuellen Fähigkeiten der einzelnen Kontrahenten aus.

Einem ausgebildeten Wing Chun Kämpfer und jedem anderen trainierten Kämpfer vergleichbarer Kampfsportarten stehen im Gegensatz zu einem untrainierten Verteidiger gegebenenfalls mildere, immer noch sichere Mittel zur Verfügung. Er wird somit eher die Möglichkeit haben, einen körperlichen Angriff - in Abhängigkeit vom Angriff - mit mehr oder weniger milden Mitteln zu beenden.
Dennoch muss auch der trainierte Kämpfer kein Risiko bei seiner Verteidigung eingehen. Ob der Angreifer selbst einschlägig trainiert ist, Kampferfahrung besitzt oder gar eine versteckte Waffe zum Einsatz bringt, ist unklar.

Wird die erforderliche Notwehr allerdings aus Wut, Zorn oder anderen Gründen überschritten (weil der Verteidiger den Angreifer evtl. bestrafen möchte), macht der Verteidiger sich strafbar. Geht er hingegen aus Furcht oder Schrecken über die erforderliche Notwehr hinaus, wird er nicht bestraft.

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  Erforderlichkeit - Erforderliche und verhältnismässige Verteidigung  
           
   

6. "Gegenwärtige Angriffe" - Beginn und Ende der Verteidigung im Rahmen der Notwehr

     
     

Ab wann darf der Verteidiger sich "im Rahmen der Notwehr" verteidigen? Und kann der Verteidiger nur seine körperliche Unversehrtheit verteidigen?

Als "Angriff" versteht man jede durch menschliches Verhalten drohende Verletzung rechtlich geschützter Interessen. Ein Angriff im Sinne der Notwehr kann dabei nur von einem Menschen ausgehen, nicht aber von Sachen oder Tieren.
Der Verteidiger kann also im Rahmen der Notwehr nicht nur seine körperliche Unversehrtheit oder sein Leben, sondern auch andere Rechtsgüter wie Eigentum, Besitz oder Ehre verteidigen.

  Gegenwärtige Angriffe  
     


Bedrohliche Situation - Befindet man sich in einer "bedrohlichen Situation" (wie z.B. oben im Bild dargestellt), ist die Frage, ob der Angriff "unmittelbar bevorsteht" - also: ist der Angrff "gegenwärtig"? Hier muss man nicht erst abwarten und den ersten Schlag einstecken, sondern darf den bevorstehenden Angriff durch einen Gegenangriff zu verhindern suchen.

   
     

Hat ein Angriff bereits begonnen und wurde noch nicht beendet, bzw. steht der Angriff unmittelbar bevor, ist der Angriff "gegenwärtig".
Erkennt der Verteidiger einen unmittelbar bevorstehenden Angriff, muss er nicht erst abwarten und den ersten Schlag des Angreifers einstecken. Stattdessen kann er durch einen Gegenangriff den bevorstehenden Angriff des Gegners verhindern.

Diese Handlungsweise bietet natürlich auch Spielraum für Irrtümer. Wenn der Verteidiger irrtümlich von einem unmittelbar bevorstehenden Angriff ausgeht, kann es problematisch werden. Dabei hängt die Strafbarkeit des Verteidigers davon ab, ob er seinen Irrtum hätte erkennen können.

Als "beendet" gilt ein Angriff, wenn der Angreifer keine weiteren Angriffshandlungen mehr vornimmt. Es ist dann keine Notwehr gegen den Angriff mehr möglich.

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    7. Wann gelten Angriffe als rechtswidrig?      
     

Will der Verteidiger dem Angriff des Angreifers vorbeugen und greift selbst an, so ist sein Angriff rechtswidrig, wenn die Angriffshandlung ihrerseits nicht durch Notwehr oder einen sonstigen triftigen Grund gerechtfertigt ist.
 
In Betracht kommen hierbei vor allem Handlungen von Polizeibeamten, die durch das Polizeiaufgabengesetz oder durch die Strafprozessordnung legitimiert sind.

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  Wann gelten Angriffe als rechtswidrig?  
           
   

8. "Nothilfe" - Verteidigung eines anderen

     
     

Der Verteidiger kann in Notwehr auch Angriffe gegen einen anderen abwehren, anstatt nur Angriffe gegen sich zu verhindern. Man spricht in diesem Fall von "Nothilfe".

Somit kann der Verteidiger sogar einzelne Rechtsgüter des Staates verteidigen. Dennoch ergibt sich aus der Notwehr kein allgemeines "Unrechtsverhinderungsrecht" - z.B. bezüglich der Straßenverkehrsordnung oder der öffentlichen Ordnung.

Zum Leisten der Nothilfe muss die Voraussetzung erfüllt sein, dass der Angegriffene einverstanden mit seiner Verteidigung durch den Verteidiger ist. Gegen den Willen des Angegriffenen ist keine Nothilfe möglich.

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  Nothilfe - Verteidigung eines anderen  
           
    9. "Gebotenheit" - wann ist Notwehr uneingeschränkt geboten?      
     

Das Notwehrrecht ist als ein sehr weitreichendes Recht gestaltet. Grundsätzlich rechtfertigt es alles, was nötig ist, um einen Angriff zu stoppen. Dabei geht das Notwehrrecht von dem Grundsatz aus, dass die Verteidigung in den Grenzen der Notwehr nicht nur zum Schutz des Verteidigers, sondern auch zur Bewahrung der Rechtsordnung dient.

Recht braucht Unrecht nicht zu weichen!

Das Notwehrrecht verlangt keine Verhältnismäßigkeit zwischen der Beeinträchtigung des Angreifers und dem geschützten Rechtsgut. Jede Abwehrhandlung ist unabhängig von den Folgen für den Angreifer erlaubt, solange kein milderes Mittel zur Verfügung steht.

Trotz grundsätzlich erfüllter Voraussetzungen, gibt es laut Rechtssprechung Fallgruppen, in denen das Notwehrrecht eingeschränkt ist.
Es sind verschiedene Fälle denkbar, in denen die formellen Voraussetzungen der Notwehr prinzipiell erfüllt wären, die technisch gesehen erforderliche Notwehr im Ergebnis aber höchst unbillig erschiene.

Das Notwehrrecht ist eingeschränkt, wenn

  1. es sich bei den Angreifern um schuldlos handelnde Personen (Betrunkene, Geisteskranke, erkennbar Irrende) oder Kinder handelt.
  2. zu dem Angreifer eine verwandtschaftliche oder familiäre Beziehung besteht.
  3. es sich bei den Angriffen um Spaß- oder Bagatellangriffe handelt.
  4. zwischen dem vom Angreifer verletzten und Verteidiger geschützten Rechtsgut ein unerträgliches Missverhältnis besteht.
  5. der Angriff des Angreifers vom Verteidiger provoziert wurde.

Liegt einer dieser Fälle vor, ist laut Rechtssprechung eine uneingeschränkte Notwehr nicht mehr geboten. Die zulässige Notwehr ist eingeschränkt, was aber nicht bedeutet, dass eine Notwehr gar nicht mehr möglich wäre.
Der Verteidiger ist aufgefordert, im Rahmen der eingeschränkten Notwehr zunächst zu versuchen, dem Angriff auszuweichen.
Für den Fall, dass ein Ausweichen nicht möglich bzw. nicht mehr möglich ist, darf der Verteidiger Abwehrhandlungen vornehmen (sog. "Schutzwehr")
Der Verteidiger darf sogar Gegenangriffe unternehmen (sog. "Trutzwehr"), wenn seine reinen Abwehrhandlungen den gegnerischen Angriff nicht aufhalten können.

Vereinfacht ausgedrückt, braucht sich niemand von seinem Ehepartner, einem Betrunkenen oder einem Kind erschießen zu lassen. Dennoch sind solche Angriffe schonender zu behandeln.

Interessant ist hier, den vierten Fall bzgl. des unerträglichen Missverhältnisses zwischen dem geschützten und dem beim Angreifer beeinträchtigten Rechtsgut genauer zu betrachten.

Als Paradebeispiel dient hier die gezielte Tötung eines Menschen (natürlich vorausgesetzt, dass die Tötung ohnehin nicht gerechtfertigt wäre, wenn ein milderes Mittel zur Verfügung stünde), um beispielsweise den Diebstahl eines billigen Gegenstandes zu verhindern.
Soll zum Beispiel der Diebstahl eines Kugelschreibers durch Tötung eines Menschen verhindert werden, besteht ganz klar ein unerträgliches Missverhältnis.

Doch wo zieht man hier die Grenze bzw. ab wann besteht ein unerträgliches Missverhältnis?

Hier wird im Einzelfall vom zuständigen Gericht entschieden, eine klare Grenze gibt es hier jedoch nicht. In jedem individuellen Fall kommt es doch zu einer Verhältnismäßigkeitsprüfung, obwohl diese dem Notwehrrecht ansonsten fremd ist. Der Angriff muss letztlich ausnahmsweise hingenommen werden, soweit ein unerträgliches Missverhältnis zwischen geschütztem und beeinträchtigtem Rechtsgut besteht und eine schonendere Abwehr des Angriffs nicht möglich ist.

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  Gebotenheit - wann ist Notwehr uneingeschränkt geboten?  
           
    10. Notwehr - eine Zusammenfassung      
     

Da das Notwehrrecht zunächst das Ziel verfolgt, den gegen die Rechtsordnung verstoßenden Angriff zu stoppen, darf der Verteidiger im Zweifelsfall im Rahmen des Notwehrrechts sehr viel.

Es kommt grundsätzlich nicht auf die sich für den Angreifer ergebenden Folgen an, solange eine Abwehrhandlung für den Angriff erforderlich ist. Man darf nicht vergessen, dass der Verteidiger in der Regel innerhalb einer Notwehrlage keinerlei Zeit hat, die eigene Verteidigung sorgfältig zu planen und gleichzeitig die rechtliche Zulässigkeit zu prüfen.

Um die Chancen zu minimieren, sich durch die eigene Verteidigung strafbar zu machen, gilt es, folgende Grundsätze zu beachten:

  1. Verfügt der Verteidiger nicht über mildere Abwehrmöglichkeiten, ist grundsätzlich alles erlaubt, was hilft - vorausgesetzt, es ist zur Abwehr erforderlich. Sollte die Kampflage es zulassen, sollte der Verteidiger einen Moment überlegen, ob der Angriff nicht auch mit schonenderen Abwehrmaßnahmen sicher beendet werden kann. Dabei muss sich der Verteidiger nicht zwingend auf unsichere Abwehrmittel einlassen.
  2. Ganz wichtig ist, dass die Notwehr "nur" der Verteidigung dient. Der Verteidiger hat nicht das Recht, den Angreifer "zu bestrafen" oder gar "zu erziehen". Ist der Angriff erstmal beendet, gibt es auch keine Notwehr mehr.
  3. Je geringer der Wert des verteidigten Rechtsgutes relativ zu dem beim Angreifer beeinträchtigten Rechtsguts ist, desto größer ist das Risiko, dass von einem Gericht ein unerträgliches Missverhältnis angenommen wird. Als Folge kann eine Notwehr ausnahmsweise als unzulässig beurteilt werden. Der Verteidiger sollte sich dieses Risikos bewusst sein, wenn das verteidigte Rechtsgut nur einen geringen Wert, die Verteidigung desselben aber zu einer schweren Verletzung des Angreifers führte. Nicht zuletzt sollte man sich vergegenwärtigen, dass es auch stark emotional belastend sein kann, wenn das Gericht eine Notwehrhandlung als rechtmäßig beurteilt, der Angreifer aber wegen einer Schachtel Zigaretten verkrüppelt, körperlich behindert oder gar getötet wurde.  

Wer diese drei wichtigsten Grundsätze beachtet, hat gute Chancen, straffrei aus einer Auseinandersetzung hervor zu gehen.

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  Notwehr - eine Zusammenfassung  
           
    11. Muss man ankündigen, dass man Wing Chun trainiert?      
     

Oft hört man, dass man als Kampfsportler vor einer Auseinandersetzung den Gegner dreimal warnen müsse, indem man beispielsweise sagt: "Vorsicht, ich betreibe Wing Chun!"

Eine Pflicht zur Ankündigung, dass man selbst Kampfkunst oder Kampfsport betreibt, ist grundsätzlich nicht gegeben.

Natürlich kann es sein, dass durch diese Mitteilung der Angreifer dazu bewegt wird, von seinen Angriffen abzusehen. Allerdings kann auch genau das Gegenteil der Fall sein und der Angreifer wird quasi "aufgeheizt", jetzt erst recht loszulegen.

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  Muss man Wing Tsun-Kenntnisse ankündigen?  
           
   

12. Was gibt es sonst noch zu bedenken?

     
     

Wer schon einmal in einer körperlichen Auseinandersetzung war weiß, dass man es nicht mit einem Gegner alleine zu tun hat - genauer gesagt, sind es drei.

  1. Vor und während der Auseinandersetzung kämpft man mit den eigenen Zweifeln, Wut, Ängsten und der evtl. erfahrenen Demütigung.
  2. Schließlich steht man natürlich dem Gegner gegenüber, der angreift und gegen den man sich verteidigen muss.
  3. Als drittes wird man unter Umständen mit der Polizei und dem Gericht konfrontiert, da man plötzlich einer Anzeige wegen Körperverletzung gegenübersteht und die Beweispflicht hat, das Handeln in Notwehr nachzuweisen.

Wie heißt es doch gleich?

Jeder vermiedene Kampf ist ein gewonnener Kampf!

Die Kenntnis und das Training von "Deeskalationsstrategien" sind neben den rein kämpferischen Fähigkeiten genau so wichtig und gehören in jeden guten Wing Chun Unterricht. Durch diese Strategien lassen sich viele Kämpfe schon im Vorfeld vermeiden.

Die hier aufgelisteten Informationen zum Notwehrrecht decken sicherlich nicht den gesamten Bereich des Notwehrrechtes ab. Sie dienen lediglich als Anhaltspunkt bzw. Überblick über diese für Kampfsportler wichtige Rechtsfrage des Notwehrrechts. Eine Gewähr für die Richtigkeit der hier gemachten Aussagen wird nicht übernommen. Wer präzise Informationen zum Notwehrrecht haben möchte, sollte sich einer professionellen Rechtsberatung zuwenden. Jeder ist also aufgefordert, sich selbst präzise Kenntnisse zu Notwehr, Nothilfe, etc. zu verschaffen.

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  Was gibt es sonst noch zu bedenken?  
           
   
© 2009 Dr. Cord Elsner - WING CHUN - Stuttgart
     
             
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