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1. Konfuzianismus - die "Ideen der Anhänger der Schule der Gelehrten"

     
     

"Lernen ohne zu denken ist sinnlos, aber Denken ohne zu lernen ist gefährlich."

Dies ist einer von vielen Leitsprüchen des Konfuzius. Unter "Konfuzianismus" versteht man einen Begriff für Philosophen und politische Vorstellungen, die sich in die Tradition des Konfuzius und seiner Schüler stellen - Konfuzianismus ist sozusagen "eine der philosophisch-politischen Strömungen Chinas". Dabei bildete sich der Konfuzianismus als Antwort auf eine tiefgreifende Krise der chinesischen Gesellschaft heraus.

Für den Begriff "Konfuzianismus" gibt es allerdings kein chinesisches Äquivalent. Er wird auf christliche Missionare zurückgeführt, die im 17. Jahrhundert den Namen des Begründers der Schule, also "Konfuzius" (andere Umschrift: Kongzi, Kong Fu Zi), latinisierten. Der nächste chinesische Ausdruck ist "Kongjiao" - was soviel wie "Konfuzius-Lehre" bedeutet. Dieser Ausdruck bezieht sich auf den religiösen Kult, der um die Person des Konfuzius betrieben wurde.

Der Konfuzianismus gehört neben dem "Buddhismus" (siehe "Buddhismus im Wing Chun") und dem "Daoismus" (siehe "Daoismus im Wing Chun") zu den so genannten "Drei Lehren Chinas" (siehe dazu "Wing Chun Philosophie - die philosophischen Säulen des Systems"). Er prägt seit vielen Jahrhunderten die chinesische Kultur und Gesellschaft und beeinflusst den Alltag des gesamten asiatischen Raumes (China, Japan, Korea, Singapur, Taiwan, Vietnam, etc.).

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Konfuzianismus

 
           
 
 

2. Konfuzius - "Lehrmeister Kong"

     
     

"Konfuzius" war ein chinesischer Philosoph der zur Zeit der östlichen Zhou-Dynastie gelebt hat. Man vermutet die Zeit zwischen 551. v. Chr. bis 479 v. Chr. als den Zeitraum, in dem Konfuzius gelebt haben soll. Andere Namen sind Kong Fu Zi, Kong-fu-tzu (Lehrmeister Kong), K'ung-tsu (Meister Kong) oder auch Kung-tse, Kongzi oder Kong-tse.
Die Endung "-us" hat ihren Ursprung darin, dass seine Texte zuerst von Jesuiten ins Lateinische übertragen wurden. So wurde aus "Kong Fu Zi" eben "Konfuzius".

Konfuzius war Sohn eines Heerführers und genoss somit eine gute Erziehung. Schon früh interessierte er sich für die Traditionen und Riten Chinas. Er war als Lehrer, Berater und Minister tätig und reiste über zehn Jahre durch das Land.

   
     


Konfuzius Statue - "Lehrmeister Kong" - Statue in Yueyang, China, an der Küste vom Dongting See.

   
     

Ziel seiner Lehren war es, das verkommene Wertesystem des damaligen chinesischen Reiches zu erneuern. Als zentrales Thema seiner Lehren gilt die "menschliche Ordnung". Diese Ordnung war seiner Meinung nach durch Achtung vor anderen Menschen und durch Ahnenverehrung erreichbar.

Gut 500 Jahre vor Beginn unserer christlichen Zeitrechnung verlangte er eine höhere Wertschätzung des Denkens und Lehrens. Durch diese Forderung brachte er eine gewisse Nüchternheit in die chinesische Weltsicht, die bis dato von der Götter- und Geisterwelt bestimmt war.
Er formulierte unter anderem Regeln für das Zusammenleben der Gemeinschaft: Die Menschen sollen intellektuelle und moralische Kräfte einsetzen, um an ihrer persönlichen Vervollkommnung zu arbeiten. Sie sollen sich stets für das gesellschaftliche Wohlergehen und den Frieden einsetzen.
Sitten, Normen und Rituale müssen unbedingt beachtet werden. Auf Loyalität in der gesellschaftlichen Hierarchie legte er besonderen Wert: von Sohn zu Vater, von Jüngeren zu Älteren und von Untertan zu Herrscher.

Konfuzius selbst wurde von seinen Anhängern als Vorbild und Ideal verehrt, seine moralischen Lehren und eigene Lebensweise wurden als mustergültig angesehen.

So sagte er beispielsweise:

  • "Wenn die Alten die lichte Tugend offenbar machen wollten im Reiche, ordneten sie zuvor ihren Staat;
  • Wenn sie ihr Hauswesen regeln wollten, vervollkommneten sie zuvor ihre eigene Person;
  • Wenn sie ihre eigene Person vervollkommnen wollten, machen sie erst ihr Herz rechtschaffen;
  • Wenn sie ihre Gedanken wahrhaftig machen wollten, vervollständigten sie zuvor ihr Wissen!"

Ursprünglich ist der Konfuzianismus also keine Religion, sondern eine "Sozialethik". Moralische Regeln sind "keine göttlichen Gebote", sondern durch vernünftige Argumente zu begründen.
Dieser Grundsatz klingt sehr modern - Konfuzius war seiner Zeit voraus, in seiner Zeit galt Konfuzius als Aufklärer.

Nach dem Ableben des Konfuzius (im Alter von 72 Jahren) wurde seine Lehre verändert, um den Bedürfnissen der Menschen nach etwas Mystik gerecht zu werden - es entstand der Neo-Konfuzianismus. Die von Konfuzius entworfenen ethischen Regeln galten von nun an als Teil der natürlichen Weltordnung, des "Dao" (siehe dazu den Artikel über "Daoismus im Wing Chun").
Konfuzius wurde als Heiliger  und Schutzgott der chinesischen Beamten verehrt. Die rationale Ethik wandelte sich in einen religionsähnlichen Kult.

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    3. Konfuzianische Lehre und die Vorstellung des "edlen Menschen (der Edle)"      
     

Konfuzius Idealvorstellung von einem "moralisch einwandfreien Menschen" war der so genannte "Edle".

Edel kann nach Konfuzius' Vorstellung der Mensch nur dann sein, wenn er sich in Harmonie mit dem Weltganzen befindet: "Den Angelpunkt zu finden, der unser sittliches Wesen mit der allumfassenden Ordnung, der zentralen Harmonie vereint", sah Konfuzius als das höchste menschliche Ziel an. Ihm galten "Harmonie und Mitte, Gleichmut und Gleichgewicht" als erstrebenswert.

Den Weg hierzu sah Konfuzius vor allem in der Bildung!

Eine von Konfuzius wichtigsten Schriften und das einflussreichste Werk der ostasiatischen Geistesgeschichte ist das "Lunyu". Seine Schriften beinhalten die "fünf Tugenden", die

  1. Menschlichkeit
  2. Gerechtigkeit
  3. Ethisches Verhalten
  4. Weisheit und
  5. Güte

umfassen. Aus diesen fünf Tugenden lassen sich die "drei sozialen Pflichten" ableiten. Diese lauten

  1. Loyalität (chin. "zhong" - wörtlich: "Untertanentreue")
  2. Verehrung der Eltern und Ahnen (chin. "xiao" -  auch "kindliche Pietät" genannt)
  3. Wahrung von Anstand und Sitte (chin. "li" - hiermit sind alle Umgangsformen gemeint, sowohl unter den Menschen (Höflichkeit und Etikett) als auch zwischen Menschen und der übersinnlichen Welt)

Der "Edle" strebt danach, die fünf Tugenden zu verwirklichen. Dabei stellen diese für Konfuzius lediglich ein Ideal dar, das niemals erreicht werden kann! Auch Konfuzius selbst beansprucht nicht, dieses Ideal zu erfüllen. Seiner Auffassung nach ist es jedoch wichtig, dass man nicht davon ablässt, sich diesem Ideal so weit als möglich anzunähern.

Mit anderen Worten weiß der "Edle" um die Unerreichbarkeit des Idealen, aber er bemüht sich stetig, diesem Ideal so nahe wie möglich zu kommen.

Mit anderen Worten ist das "redliche Bemühen" das "faktische Ideal" des Konfuzius, während das "imaginäre Ideal" als unerreichbar angesehen wird.

Interessant ist, dass diese Entwicklung einem jeden offen steht, der sich nur darum bemüht. Wie ich oben schon erwähnt habe, galt Konfuzius als Mittel hierfür die "Bildung und das Lernen". Es bedarf keiner speziellen Anlagen und auch keiner Herkunft (reiche Eltern, Titel, etc.), um ein "Edler" zu werden.
Konfuzius fordert unter anderem: "Bildung soll allen zugänglich sein. Man darf keine Standesunterschiede machen."

Unter den sozialen Pflichten, erhielten "Achtung vor anderen Menschen u. Ahnenverehrung" (also Anstand und Sitte sowie kindliche Pietät) die wichtigste Stellung im praktischen Leben, weil die Ordnung Konfuzius' Meinung nach durch Achtung vor anderen Menschen und Ahnenverehrung erreichbar sei.
Wer "Anstand und Sitte" entsprechend lebt - also der Etikette, den Riten und der Sitte nach - und sich für die Ahnen aufopfert, verändert sich allein dadurch zum Guten. Das löst einen Dominoeffekt aus, der auf seine Mitmenschen und schließlich den gesamten Kosmos wirkt, was die eigentliche Urordnung wiederherstellt.

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  Tugenden und Pflichten  
           
   

4. "Lernen" - Bildung als Inhalt hoher Priorität

     
     

Dem Lernen wird bei Konfuzius eine hohe Priorität eingeräumt. Der "Edle" wird nach Konfuzius Auffassung bevorzugt durch das permanente "Lernen" gebildet.

Lernen ist für Konfuzius das, was den Menschen erst zum Menschen macht.

Der Mensch als kulturelles Wesen ist dadurch bestimmt, dass er Wissen durch Traditionsbildung weitergibt. Ein wesentlicher Punkt für Konfuzius ist hier, dass Bildung untrennbar mit der moralischen Forderung nach Selbstkultivierung verbunden ist.
Er kritisiert, dass "man im Altertum lernte, um sich selbst zu vervollkommnen, heute hingegen lernt, um anderen gegenüber etwas zu gelten".

Somit lehnte er auch ab, Bildung als bloßes Mittel für egoistische und niederträchtige Zwecke einzusetzen. Jedem kommt es zu, zu lernen und sich zu bilden.
Konfuzius unterscheidet allerdings auch zwischen "totem Wissen" und wahrer Bildung. So tätigt er zum Beispiel folgenden Ausspruch:

"Nehmen wir an, jemand kann alle dreihundert Stückes des "Buchs der Lieder" auswendig hersagen. Wird ihm aber eine verantwortungsvolle Aufgabe übertragen, dann versagt er. Ein solcher Mensch hat zwar viel gelernt, aber welchen Nutzen hat es?"

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  Bildung hat Prioritaet  
           
   

5. "Ordnung" - Bedingung für Freiheit

     
     

Die (Gesellschafts-)Ordnung ist zentraler Gegenstand der Lehre des Konfuzius. Darunter versteht er im Wesentlichen das Verhältnis zwischen Kind und Eltern, Vorgesetzten und Untergebenen, die Ahnenverehrung, Riten und Sitten.

Diese Ordnung spiegelt sich in den "fünf menschlichen Elementarbeziehungen" wider.

  1. Vater - Sohn
  2. Herrscher - Untertan
  3. Ehemann - Ehefrau
  4. Älterer Bruder - Jüngerer Bruder
  5. Freund - Freund

Seiner Lehre nach, eröffnet sich den Menschen erst durch diese Ordnung die Freiheit. Erst die "wohlgeordnete Gesellschaft" bringt die Strukturen für ein freies Leben des Menschen hervor. Ordnung unterdrückt also - nach Konfuzius' Vorstellung - nicht die Freiheit, sondern eröffnet erst einen Handlungsraum, in dem menschliche Tätigkeit einen Sinn bekommt.

Chaos - als Gegenteil der Ordnung - lässt eine Sphäre des Zwangs und der Bedrängnis entstehen.

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  Elementarbeziehungen  
           
    6. Lehren des Konfuzius - im Kern sehr flexibel      
     

Während Konfuzius Lehre gegenüber den gesellschaftlichen Regeln eine gewisse Flexibilität aufweist, um sie vor zu starrer Anwendung zu schützen, wurden in Teilen des Konfuzianismus die Regeln zum Selbstzweck.

Sie begannen, tatsächlich mehr einschränkend als befreiend zu wirken. Diese potentielle Gefahr seiner Lehre muss Konfuzius bewusst gewesen sein.

Er legte z.B. großen Wert darauf, die Sittlichkeit, durch die die gesellschaftlichen Beziehungen geregelt werden, nicht unabhängig vom Menschen "pauschal" einzufordern. Somit folgt die zwischenmenschliche Ordnung nicht einem starren Organigramm.

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  Lehre des Konfuzius - im Kern flexibel  
           
   

7. Konfuzianismus als Religion?

     
     

Die Frage, ob der Konfuzianismus eine Religion, Philosophie, Wissenschaft oder soziale Lehre ist, geht an der religiösen Wirklichkeit Ostasiens vorbei. Man findet im Konfuzianismus allgemein verbreitete religiöse Elemente Ostasiens wie etwa die Verwendung des Begriffes "Dao" (siehe dazu "Daoismus im Wing Chun") und den "Ahnenkult".

Konfuzianische Elemente sind aber auch in viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens eingedrungen.

  Lehre unter vielen  
     


Konfuzius Tempel - Tempel des Konfuzius in Peking

     
     

Man kann festhalten, dass der Konfuzianismus lediglich "eine Lehre unter vielen anderen" ist, wobei diese sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern "kombinieren" lassen.

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    8. Kritik am Konfuzianismus      
     

Beobachtet man politische und gesellschaftliche Entwicklungen Ostasiens in den letzten Jahrhunderten, ist bedenklich, dass der Konfuzianismus häufig von autoritären Regimen instrumentalisiert wurde - und nach wie vor wird.
So sah man in der konfuzianischen Ethik den Ursprung von Chinas Rückständigkeit während des 19. und 20. Jahrhunderts - diese Meinung wurde von der Mehrheit der chinesischen Intellektuellen am Ende des 19. Jahrhunderts auch so beurteilt.

Dies führte dazu, dass man europäische Gesellschaftsformen der chinesischen als überlegen ansah.
Als man nach Ersatz für den Konfuzianismus suchte, wollte man jedoch nicht einfach den Kapitalismus der westlichen Länder kopieren, sondern ein fortschrittliches System etablieren. Dies führte zur allgemeinen Akzeptanz des Kommunismus, den man für die Gesellschaftsform der Zukunft hielt.

Aber nicht nur im 19. und 20. Jahrhundert sondern auch in früheren Zeiten ist der Konfuzianismus gerade in seinem Ursprungsland China stark kritisiert worden. Dies geschah vor allem von Seiten der Daoisten, die dem Konfuzianismus eine übermäßige Bedeutung des Rituellen vorwarfen und kritisierten, die konfuzianische Ethik laufe oftmals auf Heuchelei hinaus.
Die Konflikte der letzten 100 Jahre mit den westlichen Mächten (England, Deuschland, Frankreich) und Japan während der Qing-Dynastie führte Teilen der chinesischen Bildungselite die Rückständigkeit ihres Landes vor Augen. Zunächst wurde versucht, westliche Technologien mit konfuzianischer Ethik zu verbinden (sogenannte "Selbststärkung").
Doch während des frühen 20. Jahrhunderts wurden Stimmen lauter, die die Abschaffung der traditionellen chinesischen Kultur (und eine damit verbundene Ächtung des Konfuzianismus) als einziges Mittel zur Rettung des Landes ansahen - für sie war diese Kultur der Grund für Chinas Schwäche.

Das Ziel, China als Nation wieder erstarken zu lassen, konnte nach Ansicht liberaler und linksgerichteter Studenten nur durch die Zerschlagung der eigenen Kultur erreicht werden - Ahnenkult und kindliche Pietät (die Verehrung der Eltern und Ahnen) galten fortan als gefährliche Relikte der Vergangenheit und wurden als Last betrachtet, die den Fortschritt der chinesischen Nation unmöglich mache.

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  Konfuzianische Ethik - Kritik  
           
    9. Welche Rolle spielt der Konfuzianismus im Wing Chun?      
     

Wie ich schon an anderer Stelle erwähnt habe, kann man den strukturellen Aufbau und die Unterrichtsmethodik des Wing Chun Systems nur unter Berücksichtigung der geschichtlichen und kulturellen Entwicklung Chinas verstehen.
Traditionelles Wing Chun kombiniert daoistische, konfuzianische und buddhistische Lehrinhalte, die den intellektuellen Unterbau des Systems darstellen.

Traditionelles Wing Chun ist von "konfuzianischen Grundprinzipien" stark durchzogen und bedient sich teilweise der Inhalte dieser "sozialethischen Lehre".

Wie ich oben schon anzudeuten versucht habe, sind die ethischen Prinzipien der konfuzianischen Lehre "vorsichtig, wohlüberlegt und mit Bedacht" anzuwenden. Doch leider kommt es nicht selten zu Missbrauch und Fehlinterpretation diverser konfuzianischer Lehrinhalte und ihrer Anwendung auf Wing Chun. Mehr dazu weiter unten.

Ich möchte hier vorweg zudem ausdrücklich betonen, dass manchmal zwischen "modernem und traditionellen Wing Chun" unterschieden wird.
Das "Wing Chun" - wie es z.B. in meiner Schule für WING CHUN unterrichtet wird - ist dadurch gekennzeichnet, dass es zwar mit den althergebrachten Traditionen nach wie vor "sehr locker verbunden" ist, aber nicht - wo es offensichtlich sinnlos erscheint - in diesen verharrt.
Das "traditionelle Wing Chun" hingegen fühlt sich den althergebrachten Traditionen stärker verbunden und praktiziert viele konfuzianische Lehrinhalte offen im Unterricht.

Dazu ein paar Beispiele:

Traditionelles Wing Chun wird häufig in einem Umfeld unterrichtet, in dem die Gruppe, bestehend aus dem Lehrer und den Schülern, wie eine chinesische Familie aufgefasst wird (siehe dazu "Wing Chun Hierarchie").
Familiäre Strukturen, die von dem Respekt der Schüler gegenüber dem Lehrer geprägt sind, bestimmen somit die Trainingsatmosphäre. Diese lassen sich auf die oben erwähnten "drei sozialen Pflichten"

  1. Loyalität
  2. Verehrung von Eltern und Ahnen
  3. Anstand und Sitte

des Konfuzianismus zurückführen.

So erwartet man im traditionellen Wing Chun ein hohes Maß an "Loyalität" vom Schüler und pflegt "Xiao" - die "Verehrung der Ahnen und Eltern".

Die Position der "Ahnen und Eltern" wird im Wing Chun von den Wing Chun Großmeistern, Meistern, Sifus - allgemein gesprochen: den Lehrern - und auch den Sihings (älteren Wing Chun Geschwistern) eingenommen. Dabei wird von den Schülern nicht selten sehr respektvolles Verhalten abverlangt.

Die "Verehrung von Eltern und Ahnen" findet man beispielsweise an jedem Trainingsanfang und Trainingsende, wenn man sich gegenseitig begrüßt und sich vorher - wie in manchen Schulen üblich - vor dem Bild des verstorbenen Lehrers Yip Man verbeugt und ihm als einer der "Quellen des Wing Chun" den gebührenden Respekt entgegenbringt. Nicht selten haben viele Lehrer ihre eigenen Bilder gleich daneben gehängt und "klinken" sich in diese Art von Ahnenkult relativ unkritisch gleich mit ein. Die Schüler sollen sich dann vor dem Bild des eigenen Lehrers verneigen und ihn somit ehren. Das halte ich allerdings für reichlich kritisch!

Was die "Loyalität" anbelangt, wird vom Schüler erwartet, dass er seiner Schule und seinem Lehrer loyal ergeben ist und ihm und seiner Schule treu ergeben bleibt.

Mit "Anstand und Sitte" verlangt man im traditionellen Wing Chun beispielsweise, dass der Schüler nicht die Arme vor der Brust verschränkt, wenn er vom Lehrer angesprochen wird bzw. mit diesem spricht, da dies als respektlose Haltung gegenüber dem Lehrer aufgefasst wird.
Sitzt der Schüler auf dem Boden, soll er dem Lehrer nicht die Fußsohle seiner Schuhe zeigen, da diese Haltung ebenfalls mit mangelndem Respekt gleichgesetzt wird. Stattdessen soll er den Fuß komplett auf dem Boden aufsetzen.

Ein weiteres Beispiel für "Anstand und Sitte" ist, dass Trainingsanweisungen des Lehrers stets mit einer kleinen Verbeugung und den Worten "Danke, Sifu" oder "Danke, Sihing" quittiert werden, wobei man den traditionellen Handgruß im Wing Chun - offene linke Hand berührt von der rechten Faust - ausführt.

Ein weiteres Beispiel für "Anstand und Sitte" ist die "Tee-Zeremonie" - mit der (wie oft berichtet wird) der Schüler den Lehrer "rituell" darum bittet, von ihm in die Schule aufgenommen und als Schüler akzeptiert zu werden.

Auch die "fünf menschlichen Elementarbeziehungen" finden sich im Wing Chun wieder. Dabei nimmt der Lehrer die Position des Vaters und der Schüler die Position des Sohnes bzw. der Tochter ein.
Der Wing Chun Schüler (und natürlich Lehrer) soll permanent danach streben, die fünf Tugenden (Menschlichkeit, Gerechtigkeit, ethisches Verhalten, Weisheit und Güte) zu verwirklichen.
Auf Wing Chun gemünzt, versteht man darunter, dass der Schüler sich durch sportliches und faires Verhalten und partnerschaftliches Training auszeichnen soll.

Ein weiterer konfuzianischer Lehrinhalt, der im Wing Chun eine Schlüsselrolle einnimmt, ist das "Lernen". Wie oben erwähnt, ist Lernen für Konfuzius das, was den Menschen erst zum Menschen macht.

Das "Lernen" im Wing Chun ist ein nie aufhörender Prozess - der Wing Chun Schüler lernt, um sich selbst zu vervollkommnen.
Die Vervollkommnung im Wing Chun ist aber eine Idealvorstellung, die niemals erreicht werden kann - entsprechend der Bemühung im Konfuzianismus, die fünf Tugenden zu verwirklichen.

   
     

Aus dieser weisen Einsicht entspringt die Erkenntnis, dass ein Wing Chun Schüler immer ein Schüler bleiben wird - es gibt im Prinzip keine Meister (und somit erst recht keine Großmeister) im Wing Chun, die für sich beanspruchen können, das System "gemeistert" zu haben! Diese Aussage ist im Kern völlig sinnlos und zeigt, dass derjenige, der diese Behauptung aufstellt, grundlegendes Verständnis vermissen lässt und essentielle Inhalte asiatischer Denkstrukturen nicht begriffen hat.

"Das Wing Chun System ist wie jede andere Kampfkunst nicht zu meistern!"

   
     

Die Vorstellung von der "Meisterung des Wing Chun Systems" ist genauso eine Idealvorstellung, wie die Vorstellung im Konfuzianismus, die fünf Tugenden verwirklichen zu können.

Wer diesen im Wing Chun wesentlichen Punkt verstanden hat, weiß um die Unerreichbarkeit der Meisterschaft im Wing Chun - aber dieses Wissen hält ihn nicht davon ab, diesem Ideal so nahe wie möglich zu kommen.

Mit anderen Worten ist das "redliche Bemühen" das "faktische Ideal" im Wing Chun - der Wing Chun Schüler trainiert, trainiert und trainiert und bemüht sich unablässig sowohl seinen Körper, seine Bewegungen und erst recht seinen Geist zu schleifen - denn zum Schluss - im hohen Alter - was hat er dann noch ausser hoffentlich noch einen wachen Geist? Der Körper hat abgebaut, die Bewegungen werden wieder steif, der Körper will nicht mehr.

Schade, wenn man sein ganzes Wing Chun-Dasein darauf ausgerichtet hat, nur Abläufe, Drills, etc. zu schleifen - früher oder später fallen diese ohnehin dem Alterungsprozess zum Opfer.

Am Ende bleibt nur noch der Geist und man praktiziert Wing Chun im Geiste!

     
     


Geistkämpfer (Ernst Barlach) - Eine der passendsten Darstellungen dessen, worum es im Wing Chun schlußendlich wirklich geht: den Kampf mit sich selbst - ausgefochten im eigenen Geiste!

     
     

Diese kurze Auflistung ist nur ein kleiner Ausschnitt für im traditionellen Wing Chun übliche Strukturen, denen man in der heutigen, modernen Welt in einigen Teilen kritisch gegenüber steht - und nicht ohne Grund! Dazu unten mehr…

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    10. Kritik an konfuzianischen Strukturen im Wing Chun      
     

Konfuzianische Strukturen im Wing Chun haben ihre guten und schlechten Seiten im Wing Chun. 

Die guten Seiten zeigen sich dadurch, dass ein guter Gruppenzusammenhalt vorherrscht und alle - sowohl Schüler als auch Lehrer - angehalten sind, einen fairen und respektvollen Umgang miteinander zu pflegen. Weiterhin wird von allen verlangt, sich ständig weiter zu bilden und zu lernen und nach Vervollkommnung zu streben - allerdings in dem Wissen, diese nie erreichen zu können.

Dabei sollen die konfuzianischen Lehrinhalte schlauerweise nicht "ultrahart" ausgelegt werden, sondern bedachtsam zur Anwendung gebracht werden. Dabei steht und fällt der Erfolg der sinnvollen Vermittlung mit der Auffassung des Lehrers der Schule.

Von Nachteil ist, dass die konfuzianischen Strukturen allerdings auf unterschiedlichste Weise ausgelegt und somit auch missbraucht werden können, was äußerst negative Auswirkungen haben kann. Dabei spielen persönliche Vorlieben des Lehrers, sein Bildungsgrad und seine soziale Einstellung eine gewichtige Rolle.

Ich will hier einige Beispiele nennen:

Erstes Beispiel: Loyalität!

Wie oben erwähnt, fordert der Konfuzianismus von seinen Anhängern "Loyalität". Übertragen auf Wing Chun Schulen wird diese Forderung von manchen Wing Chun-Lehrern gerne so ausgelegt, dass den Schülern verboten wird, in andere Wing Chun Schulen zu gehen und sich einen Eindruck von anderen Lehrern zu verschaffen. Ein Umstand, der mir persönlich in keiner anderen Kampfkunst bzw. Kampfsportart bisher begegnet ist.
Ob man Ju-Jutsu und Karate gleichzeitig trainiert, hat dort noch nie jemanden interessiert. Im Wing Chun hingegen wirft man dem Schüler, der eine "Konkurrenz-Schule" besucht, gerne mangelnde Loyalität vor und schmeißt ihn nicht selten ganz aus der Schule raus.

So etwas ist in meinen Augen extrem albern! Das wäre ja fast so, als tanke man sein Auto bei Shell und dann ein einziges Mal bei Aral und schon darf man nicht mehr bei Shell tanken, da man mal kurz bei der Konkurrenz war.

Die richtige Einstellung ist, den Schülern den Freiraum zu geben, den sie brauchen und wollen. Sollen die Schüler doch trainieren, wo sie wollen. Wenn das Training gut und der Lehrer qualifiziert ist, werden die Schüler ohnehin gerne bleiben und gar nicht erst auf den Gedanken kommen, in andere Schule "abzuwandern".
Ansonsten ist es für den Schüler geradezu unverzichtbar, dass er sich solche Eindrücke verschafft - also über den Tellerrand der eigenen Schule schaut.

Einer meiner früheren "WT-Lehrer" hat - trotz der Tatsache, dass er selbst oben erwähnte begrenzte Loyalitätsvorstellung hat - selbst mal gesagt: "man muss viele Hände kreuzen und sich viele Lehrer anschauen" - ein unbewusst weiser Rat!

Natürlich steht hinter dem missbrauchten Loyalitätsbegriff ein anderer vielmehr "wirtschaftlicher Grund". Viele Wing Chun Lehrer "kassieren" von ihren Schülern nicht geringe Geldsummen für das Training, für Lehrgänge, Sektionen, Ausbilderschulungen, Seminare, etc. ab - und da wäre es doch schade, wenn ein Schüler geht und man quasi ein "wandelndes Bankkonto" verliert, oder?

Diese im Wing Chun etablierte "Geldproblematik" kann nur dadurch abgeschafft werden, indem man sie gar nicht erst einführt. Natürlich wird vom Lehrer Leistung erbracht - also muss er auch entlohnt werden. Dennoch sollte ein vernünftiges Maß eingehalten werden (z.B. durch angemessene Monatsbeiträge ohne weitere Zahlungen) wo der Schüler nicht "schleichend ausgeraubt" wird - das ist nämlich nicht gerade ein loyales Verhalten: und zwar vom Lehrer gegenüber dem Schüler!

Zweites Beispiel: Anstand und Sitte!

Anstand und Sitte, Riten und Etikette sind ebenfalls Forderungen des Konfuzianismus, die in den drei sozialen Pflichten beinhaltet sind. Wie ich oben schon erwähnt habe, zeigt sich die Vorstellung von "Anstand und Sitte" beispielsweise in der "bedingungslosen Akzeptanz" der Trainingsanweisungen des Lehrers und der Forderung desselben, immer mit Titel "Sifu oder Sihing" etc. angesprochen zu werden und gerne nach Ausgeben von Trainingsanweisungen eine kleine Verbeugung vom Schüler sehen zu wollen.

Manche Lehrer sind dabei allerdings reichlich weit von den wahren Inhalten des Konfuzianismus entfernt und kosten die "Macht", die ihnen ihr Ausbilderdasein verschafft, aus.
Das äußert sich darin, dass Schülern nicht selten geradezu idiotische Übungen aufgetragen werden, die manchmal mehr an "Bewegungstherapie" bzw. "Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen" erinnern, als irgendeinen Sinn für Kampf oder Kampfkunst erkennen lassen. Diese zweifelhaften Übungen müssen dann im schlimmsten Fall auch noch stundenlang vom bedauernswerten Schüler gedrillt werden.

Beispielsweise erzählen manche altgedienten Wing Chun Lehrer, wie sie früher die Holzpuppen-Form erlernt haben und pro Trainingseinheit "eine einzige" neue Bewegung bekommen haben - nicht mehr. Bei 116 Holzpupenbewegungen kann es dann schon sehr lange dauern, bis man wirklich mal was gelernt hat. Andere Beispiele erzählen davon, dass man stundenlang immer den Vorwärtsschritt geübt hat, oder hunderte Male Pak Sao, Fauststoß ausgeführt hat. Wer da nicht vor Langeweile einpennt ....

Diese Art der Trainingsmethodik verfolgt ganz traditionelle chinesische Trainingsauffassungen. Der Lehrer sagt, was zu üben ist und das wird dann geübt. Wehe, ein Schüler wagt es, auch nur zu fragen, was die Übung bezwecken soll oder gar den Sinn der Übung in Frage zu stellen!

Zur Unterrichtsmethode im traditionellen Wing Chun heißt es in der Wing Chun Literatur:

"Der Schüler lernt nicht durch Fragen, sondern erfährt durch Tun, durch Sich-Mühe-geben. Dies ist die Philosophie des Kung Fu. So lernt man Kung Fu. So lernt man Wing Chun. Alles andere ist Unsinn, eine Zeitverschwendung für den Schüler und eine Armutserklärung des Lehrers."

Beurteilt man diese Aussagen nach heutigen professionellen, didaktischen Lehrmethoden, scheint diese Aussage direkt aus der "didaktischen Steinzeit" zu kommen, wo noch mit der Keule unterrichtet wurde. Eigentlich ist die unterstellte Armutserklärung des Lehrers eher eine Armutserklärung des Autors.

Aus dieser Beschreibung von traditionellem Kung Fu Training ist ersichtlich, dass Wing Chun in der Tat lange Zeit auf eine Art und Weise vermittelt wurde, dass der Lehrer wenig bis gar nichts erklärt hat und die Auffassung vertrat, ein talentierter Schüler werde schon begreifen, warum er eine bestimmte Übung bekommen hat. So soll z.B. Yip Man nach genau dieser "Ich-erklär-nix-denk-selber-nach-Methode" unterrichtet haben. In meinen Augen ist der Lehrer, der sich solch einer Trainingsmethodik bedient, schlichtweg eine "faule Sau" ... direkt und einfach!

Heutige wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Sportunterricht und der Sport-Pädagogik zeigen, dass diese erzkonservativen Unterrichtsmethoden an der Lernweise vieler Menschen völlig vorbeigehen und absolut uneffizient sind. An diesem Punkt sind Wing Chun Lehrer aufgerufen, alte Traditionen schnellstens über Bord zu werfen.

Diese klassischen Lehrmethoden ignorieren, dass alle Menschen unterschiedlich - also individuell - lernen. Der eine braucht Erklärungen, um anhand dieser seine Bewegungen korrekt ausführen zu können, der andere kann mit Erklärungen nichts anfangen, kann aber Bewegungen exakt kopieren.
Schüler müssen sich sowohl mit der Praxis aber auch mit der Theorie in einem ausgewogenen Maß beschäftigen - gerade im Wing Chun als komplexem Kampfkunstsystem ist es geradezu lächerlich, zu behaupten, ein Schüler lerne nicht durch Fragen.

In einem fortgeschrittenen Stadium, wenn der Wing Chun Schüler in der Lage ist, sich selbst auf Grund seines eigenen Wissens zu analysieren und zu korrigieren, erfährt er schließlich wirklich mehr über Wing Chun, indem er trainiert und trainiert und den Blick nach innen wendet. Er kann diesen Zustand aber nur dann erreichen, wenn er ein hohes Maß an Input bereits bekommen hat.
Dennoch: auch in dieser Phase benötigt er immer wieder Korrekturen von außen in Kombination mit Begründungen dieser Korrekturen.

(nach oben)

  Kritik  
           
    11. Modernes Wing Chun gegenüber traditionellem Wing Chun      
     

"Verharren in althergebrachten Strukturen" - nichts könnte für eine Kampfkunst wie Wing Chun, die sich hoher Effizienz rühmt, tödlicher sein und sie schneller zu Grabe tragen als das Festklammern an "alten und überholten Strukturen".

Wie jeder beobachten kann, sind unsere Gesellschaftsstrukturen im Laufe der Jahrzehnte bzw. Jahrhunderte einem permanenten Wandel unterworfen, die Rechtslage ändert sich, Waffengesetze ändern sich und Kampfsportarten wandeln sich.
Dauernd entstehen neue sogenannte "high efficient combat-systems", die einen Mix aus den effektivsten Techniken der traditionellen Kampfsportarten darstellen - ein Beispiel für ein "hocheffektives Hybridsystem" wäre "Mixed Martial Arts - MMA".

Neue effektive Kampfsportarten formieren sich permanent - doch was ist mit Wing Chun?

Schaut man sich einige Wing Chun-Interpretationen heutzutage mit ihren traditionellen Strukturen an, sieht man unmittelbar, was das krampfhafte Festklammern an Traditionen aus Wing Chun gemacht hat.

Mit dem traditionellen Wing Chun ist es fast so, wie mit China im 19. und 20. Jahrhundert. China galt als rückständig gegenüber den europäischen Gesellschaftsformen, die der chinesischen Gesellschaft weit überlegen waren. Während China sich an alte Traditionen klammerte, befanden sich die europäischen Länder in einem Prozess ständiger Weiterentwicklung  und Erneuerung. Diese Haltung Chinas hat sich als ein wesentlicher Grund für die Schwäche des Landes herausgestellt.

Ähnlich verhält es sich mit Wing Chun - oft wird ein rückständiges System unterrichtet, wird an uralten Trainingsmethoden festgehalten, die höchstens die Geduld des Schülers strapazieren, als sie fit, hart, duldsam und kampfstark zu machen.
Lehrer verlieren sich in endlosen theoretischen Ausführungen über Einzeltechniken, weisen keine körperliche Fitness mehr auf und die häufig anzutreffenden Wing Chun Schüler - die sich selbst lauthals als kampfstark anpreisen - können von jedem mäßig ausgebildeten Boxer von der Bildfläche geputzt werden.

Die Kampfstärke lässt nach, dafür steigt der, ich nenne ihn mal: "Klimbim-Faktor" immer mehr an. Jeder mittelmäßige Lehrer gibt sich selbst pompöse Großmeister-Titel, Sifu-Titel werden gegen hohe Kosten vergeben und Wing Chun verkommt zur politischen Diskussionsecke über Loyalitätsfragen ehemaliger Schüler etc..

Die "Strukturen" werden immer ausgefeilter, Chi Sao Sektionen werden verändert, erweitert und verkompliziert, die Kleidung immer pompöser, die von den Schülern geforderten Respektsbezeugungen immer ausgeprägter.

Gleichzeitig geraten die wahren Inhalte des Systems immer mehr in Vergessenheit.

Der Wing Tsun Lehrer Martin Dragos drückte dies mal sehr passend aus: "viele Lehrer beten lieber die Asche des Systems an, als das Feuer weiterzugeben!" - in meinen Augen ein treffender Ausspruch, weswegen er hier eine Zitierung verdient.

 
Modernes Wing Tsun
 
     


Wing Chun, das lebendige System! - "Das Feuer des Systems weitergeben, anstatt seine Asche anzubeten!" Dieses Leitmotiv fordert den ständigen Wandel und die Anpassung des Systems an die Gegebenheiten der jeweiligen Zeit. Mit Traditionen verbunden bleiben, aber nicht in ihnen verharren - das ist "modernes Wing Chun".

     
     

Wing Chun ist ein offenes, auf Konzepten und Prinzipien basierendes System. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!

Um mit der permanent stattfindenden Entwicklung im Kampfkunst- und Kampfsportsektor mithalten zu könne, muss Wing Chun sich ebenfalls in permanenter Wandlung befinden, ohne seine traditionellen Strukturen komplett über Bord zu werfen.

Wing Chun muss ein lebendiges und flexibles System sein und bleiben. Dazu gehört, dass es ständig hinterfragt wird und - was am wichtigsten ist - auf seine Funktionsfähigkeit überprüft wird wozu u.a. ordentliches Sparring gehört (siehe dazu den Artikel "Sparring")!

Wing Chun ist ein effektives, in sich abgeschlossenes System - aber es ist und bleibt eine Kampfkunst - also eine "Kunst des Kämpfens".

Das "Kämpfen" ist der vorrangigste Inhalt des Systems. Andere theoretische Lehrinhalte wie Taoismus, Konfuzianismus oder Buddhismus sind zwar wichtig, aber an erster Stelle wird und "muss" immer die Praxis stehen.

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© 2009 Dr. Cord Elsner - WING CHUN - Stuttgart
     
             
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