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1. Kampfsport oder Kampfkunst?

     
     

Redet man z.B. über Judo, Karate oder Tae Kwon Do, spricht man in der Regel lapidar von "Kampfsport". Wing Chun hingegen wird explizit als "Kampfkunst" bezeichnet. Hier scheint es also einen Unterschied zu geben.

Es stellt sich zwangsläufig die Frage, warum man überhaupt Kampfsport und Kampfkunst unterscheidet und wo der feine Unterschied liegt?

Klären wir dazu erstmal, was überhaupt ein Kampf ist.

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Kampfkunst oder Kampfsport

 
           
 
 

2. Was ist ein Kampf?

     
     

Unter einem "Kampf" versteht man üblicherweise eine mit roher körperlicher Gewalt geführte Auseinandersetzung mit einem Gegner. Also genau genommen gilt folgende Definition:

  • Als Kampf wird eine Auseinandersetzung zweier oder mehrerer rivalisierender Gegner bezeichnet, deren Ziel es ist, einen persönlichen Vorteil zu erreichen oder für das Gegenüber einen Nachteil herbeizuführen.

Das klingt zwar alles etwas trocken und simplifiziert, beschreibt aber im Wesentlichen das Charakteristikum eines Kampfes.

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  Was ist ein Kampf?  
           
    3. Kampfsport und Kampfkunst in Deutschland      
     

Unglücklicherweise wird im deutschsprachigen Raum keine saubere Trennung zwischen Kampfsport oder Kampfkunst vorgenommen.
Stattdessen hat sich in der Öffentlichkeit (außerhalb des Fachkreises) der benutzte Sammelbegriff  "Kampfsport“ für viele verschiedene Kampfstile, vor allem solche, bei denen keine Schusswaffen verwendet werden, etabliert.

Besonders häufig wird der Begriff auch speziell mit der asiatischen Tradition des chinesischen Wushu oder des japanischen Budo verknüpft (s. hierzu: "Was ist Kung Fu"). Zu den in Deutschland bekanntesten Kampfsportarten (von denen natürlich nicht alle ihren Ursprung in Asien haben) gehören Karate, Judo, Ju-Jutsu, Boxen, Tae Kwon Do und Ringen.

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  Kampfsport und Kampfkunst in Deutschland  
           
   

4. "Regeln" - der wesentliche Unterschied zwischen Kampfsport und Kampfkunst

     
     

In Fachkreisen wird allerdings eine genauere Differenzierung zwischen Kampfsport und Kampfkunst vorgenommen. Eine grundsätzliche Unterscheidung wird dabei zwischen "sportlichem" und "kriegerischem" Kampf getroffen.

Der sportliche Kampf - sozusagen der Wettkampf - findet zwischen "spielerisch bzw. symbolisch agierenden Gegnern" und der kriegerisch orientierte Kampf - der definitiv kein Wettkampf ist! - findet zwischen "gewaltsam agierenden Gegnern" statt.

Kurz und knapp ausgedrückt unterscheiden sich Kampfsport und Kampfkunst durch die den Kampf bestimmenden "Regeln".

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  Regeln - wesentlicher Unterschied  
           
   

5. Kampfsport

     
     

Im "Kampfsport" steht - wie oben erwähnt - der "reglementierte, sportliche Wettkampf" im Vordergrund, bei dem es darum geht, "im Rahmen der Regeln" zu gewinnen und besser als der Gegner zu sein.
Wettbewerbe im Kampfsport sind in der Regel Zweikämpfe (Boxkämpfe, Tae Kwon Do-Wettkämpfe, etc. oder Formenwettkämpfe (Katas, etc.).

  Kampfsport  
     

Kampfsport ist ein sportlich geregelter Kampf zwischen spielerisch agierenden Gegnern. Es ist ein reglementierter, sportlicher Wettkampf der in der Regel  als Zweikampf oder Formenwettkampf ausgeführt wird.

Kampfsport ist das Messen der eigenen Kampffähigkeit mit der des Gegners nach vorher festgelegten Regeln; hierbei steht der sportliche Aspekt im Vordergrund, d.h. es geht darum, unter Beachtung der "Regeln" zu gewinnen und besser als der Gegner zu sein.
   
     

Kampfsport wird von Regeln dominiert. Zum Beispiel sind Schläge an den Hinterkopf, Schläge unter die Gürtellinie, Hebeltechniken, etc. verboten. Selbst extrem harte Wettkämpfe, wie sie im MMA oder im UFC ausgetragen werden, gehören aufgrund der dort notwendigen Regeln zu Wettkampfsportarten - selbst wenn es nur sehr wenige Regeln sind.

Aus dieser Trainingsweise, die im Kampfsport vorherrscht - sich gewissen Regeln zu beugen - erwachsene diverse Nachteile für ernsthafte körperliche Auseinandersetzungen, denen man u.a. auf der Straße ausgesetzt sein kann. Diese Auseinandersetzungen folgen keinen Regeln.

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    6. Kampfkunst      
     

Kampfkünste befassen sich hingegen mit dem kriegerischen und regellosen Kampf zwischen gewaltsam agierenden Gegnern.

Ein Kämpfer einer Kampfkunst wendet all sein Können bzw. seine Kunst (der Begriff "Kunst" kommt von "Können") auf, um siegreich aus einem Kampf hervor zu gehen.
Sein Können ist hierbei auf Wissen, Übung, Wahrnehmung, Vorstellung und Intuition gegründet.

Als "Kampfkunst" bezeichnet man jedes System, das Fertigkeiten und Techniken der körperlichen Auseinandersetzung mit dem Gegner formalisiert. Selbstverteidigung und das Verhalten in echten, "unreglementierten" Gefahren- oder Konfliktsituationen stehen im Vordergrund.

Für Wing Chun als Kampfkunst gilt: "Es gibt keine Regeln!"

Jede Kampfkunst enthält Kampftechniken, die zum Ziel haben, einen Gegner zu besiegen, wenn nicht sogar zu töten - häufig auch unter Verwendung von Waffen.   

Darüber hinaus gehören zu manchen Kampfkünsten auch andere Aspekte, wie beispielsweise die Vermeidung von Konflikten im Vorfeld, die generelle Erhöhung der Beweglichkeit, Kraft, Geschwindigkeit oder Selbstdisziplin und viele mehr.

Die Inhalte einiger Kampfkunstsysteme, vor allem aus dem asiatischen Umfeld, gehen somit teilweise über das Praktische hinaus und umfassen dann - wie im Beispiel des Wing Chun Kung Fu - weitere Aspekte wie Philosophie, Kultur und Gesundheit.

Sie sehen sich als vollständiges System der Lebensgestaltung oder Vervollkommnung mit entsprechenden philosophischen oder religiösem Unterbauten.

Zuweilen kommt es sogar vor, dass dabei die eigentlichen Kampftechniken in den Hintergrund treten oder nur als Weg zum eigentlichen Ziel - der Selbstvervollkommnung - verstanden werden.

  Kampfkunst  
     

Kampfkunst ist jedes System, das Fertigkeiten und Techniken der körperlichen Auseinandersetzung mit dem Gegner formalisiert.

Kampfkunst befasst sich mit dem kriegerischen und regellosen Kampf zwischen gewaltsamen agierenden Gegnern. Es werden verschiedene mögliche Ziele wie etwa Vervollkommnung des eigenen Stils, Selbstdisziplin und andere geistige Komponenten verfolgt.

Ein wesentlicher Punkt ist (wie oben erwähnt): "Es gibt keine Regeln!"

Das Wort Kampfkunst erscheint als adäquate Übersetzung des lateinischen Begriffs "Ars Martialis", was soviel bedeutet wie "Die Kunst des Mars" - wobei Mars der Kriegsgott der Römer war. Dieser Begriff hat in wenig abgewandelter Form Einzug in viele Neusprachen gehalten ("Martial Arts" (englisch), "Arts Martiaux" (französisch), "Artes Marciales" (spanisch) oder "Arti Marziali" (italienisch).

     
     

Aus der "Regellosigkeit" ergeben sich weitreichende Konsequenzen für Wing Chun als Kampfkunst.

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7. Vergleich Kampfsport vs. Kampfkunst

     
     

Ein tabellarischer Vergleich soll nachfolgend nochmals die Unterschiede zwischen Kampfsport und Wing Chun als Kampfkunst aufzeigen.

  Vergleich zwischen Kampfsport und Kampfkunst  
           
   
VERGLEICH
KAMPFSPORT
KAMPFKUNST WING CHUN
AUSEINANDER-SETZUNG
Die Auseinandersetzung findet als sportlicher Kampf zwischen spielerisch agierenden Gegnern statt.

Die Auseinandersetzung ist ein kriegerischer und regelloser Kampf zwischen gewaltsam agierenden Gegnern.

Der Schwerpunkt liegt nicht auf formalisierten Regeln, sondern der erfolgreichen Anwendung von Prinzipien.

TREFFERFLÄCHE
Festgelegte Regeln schließen die Anwendung "lebensgefährdender" Techniken aus. Empfindlichste Körperstellen werden bewusst angegriffen (z.B. Fingerstiche zu Augen, Genitaltritte, Schläge zum Hinterkopf, Handkantenschläge zum Kehlkopf, etc.)
GEWICHTSKLASSE
Einteilung der Kämpfer nach Gewichtsklassen.

Es gibt keine Gewichtsklassen.

Jeder kämpft mit jedem.

Persönliches Gewicht kann sowohl zum Vorteil als auch Nachteil in der jeweiligen Situation gereichen.

AUSTRAGUNGSORT
UND GEGNER

Gegner und Austragungsort werden vorher festgelegt.

Weder Gegner noch Austragungsort sind bekannt.

Es ist nicht möglich, eine individuelle Strategie oder Technik für einen vorher bekannten Gegner zu erarbeiten.

KAMPFDAUER

Der Sieg wird von einem Dritten (z.B. Kampfrichter) entschieden.

Es kann durch physisches K.O. (Knock-Out), technisches K.O. (Punktsieg) oder durch gegnerische Aufgabe gewonnen werden.

Die maximale Kampfdauer wird vorher in Form von "Runden und Rundenzeiten" festgelegt.

Der Kampf beginnt und wird solange fortgesetzt, bis der Gegner besiegt ist (z.B. durch K.O.), aufgibt oder sich dem Kampf entzieht.
ZUSAMMENFASSUNG

Ein ausgefeiltes Regelwerk sichert den weitestgehend fairen Verlauf des sportlichen Kampfes.

Regelverstöße können trotz Sieges nachträglich zur Disqualifikation führen.

Es gibt keine Regeln!

Erlaubt ist, was zum Sieg führt!

   
     

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    8. Wing Chun - definitiv eine Kampfkunst!      
     

WICHTIG: Wing Chun kennt keine Regeln - alles ist erlaubt!

Man muss realistisch immer davon ausgehen, dass in einer echten Auseinandersetzung das körperliche Wohl bzw. die eigene Gesundheit bedroht ist.
Diese Bedrohung ist allerdings nicht nur auf die eigene physische und psychische Gesundheit beschränkt.
Verletzungen, die man sich in einer Auseinandersetzung zuziehen kann, erstrecken sich auf unser gesamtes Umfeld aus Familie, Beruf und Freizeit. Was wäre, wenn wir verletzungsbedingt unseren Beruf für eine gewisse Dauer nicht mehr ausüben könnten, uns mit lang anhaltenden Verletzungen herumplagen und dadurch in der Freizeit eingeschränkt sind?

Es wird klar, dass überraschende "kleine Schlägerei" oder "Handgreiflichkeiten bzw. Pöbeleien" einen ungewissen Ausgang haben können, deren Folgen durchaus massiv in das eigene Privatleben eingreifen können.

Gerät man unerwartet - also ohne eigenes Dazutun - in eine gefährliche Situation, die unter Umständen in Handgreiflichkeiten mündet, ist der Ausgang ungewiss. Es spielt kaum eine Rolle, wie gut man trainiert ist bzw. wie gut die eigene Kondition, Schlagkraft bzw. trainierte Kampfsportart oder Kampfkunst ist - die Gefahr eines gegnerischen Treffers ist immer sehr hoch.

Egal, wie viele unrealistische Actionfilme man schon im Kino gesehen hat, Tatsache ist, dass es höchst unwahrscheinlich ist, unverletzt aus einem Kampf hervorzugehen!

Diesen wichtigen Punkt sollte man sich stets klarmachen! Nicht umsonst lautet eine alte Weisheit im Kampfkunstbereich: "Ein vermiedener Kampf ist ein gewonnener!"

Ein blaues Auge, blaue Flecken oder Verstauchungen gehören zu den eher harmlosen Verletzungen, die man davon tragen kann.

Was aber, wenn stärkere Verletzungen vorkommen?

  1. Man stürzt durch einen erhaltenen Schlag und schlägt mit dem Kopf auf den Boden.
  2. Der Tritt des Gegners trifft unser Knie und unsere Kniebänder (Kreuzband oder Innenband, etc.) können reißen.
  3. Die Nase bricht evtl. durch einen gegnerischen Schlag.
  4. Oder anders herum: man trifft mit der blanken Faust das Kinn des Gegners und staucht oder bricht sich selbst die Finger.

Diese Verletzungen können in Handgreiflichkeiten schneller vorkommen, als man glaubt, denn Adrenalin und Aufregung, verbunden mit mangelnder Körperkontrolle, kämpfen immer mit. Das gilt sowohl für die eigene Person als auch für den Angreifer. Man müsste also schön blöd sein, wenn man sich freiwillig auf ungeregelte Vergleichskämpfe einlässt, da selbst der Ausgang geregelter Kämpfe bereits höchst ungewiss ist und ein hohes Verletzungsrisiko mit sich bringt.

Wie oben ausführlich beschrieben, ermöglichen Regeln erst, sich im Kampfsport in Form von Wettkämpfen zu messen.

Dumm, dass ernste Auseinandersetzungen keine Wettkämpfe sind. In ihnen geht es definitiv nicht um "Punktgewinn"!

Das Konzept "geregelter Wettkämpfe" geht komplett am Grundgedanken einer Kampfkunst wie Wing Chun vorbei.
Eine Auseinandersetzung auf der Straße - der so genannte "Ernstfall" - verläuft nicht nach irgendwelchen Regeln. Stattdessen verhält man sich "instinktiv" so, dass man mit größter Wahrscheinlichkeit siegreich aus der Auseinandersetzung hervorgeht.

Nur was bedeutet "instinktiv", wenn man seit Jahren in einem "geregelten Kampfsport" trainiert? Wie hat sich der eigene "Instinkt" durch das Training verändert, verformt bzw. wie hat das andauernde Training ihn modifiziert?

Tatsächlich hat man im Kampfsport jahrelang seinen Instinkt, seine natürlichen Reflexe an einen "geregelten Kampf" gewöhnt und zugelassen, dass man in ein "Korsett aus Regeln" eingebunden wurde.
Man hat durch Regeln verbotene Schläge zu bestimmten Körperpartien nie trainiert und hat somit bewusst auf hocheffektive Waffen verzichtet.
Techniken, die Wettkampfregeln unterliegen, wurden gedrillt und geschliffen und sind nun im Bewegungsapparat verankert. Dass so ein Kampfsportler im Ernstfall reflexartig "regellos" kämpft, ist höchst unwahrscheinlich.

Vielmehr wird ein Kämpfer, der in einem "reglementierten System" trainiert hat bzw. ausgebildet wurde, nicht alle Körperwaffen, bzw. das gesamte taktische und  strategische Repertoire aus Schlagkombinationen zu beliebigen Zielen ausspielen können bzw. einfach nicht wissen, wie er dieses Repertoire einzusetzen hat - da er es nie trainiert hat.

Ein an Regeln gewöhnter Kampfsportler hat sich selbst beschränkt!

Im Gegensatz zu anderen Kampfsportarten ist Wing Chun so konzipiert, dass es universell anwendbar sein soll.
Man macht keine Unterschiede zwischen Gewichtsklassen, Ort, Kampfdauer, etc. - man kann sich seine Gegner in der Realität eben nicht aussuchen. Um sich nicht durch Regeln beschneiden zu lassen, alle Körperwaffen wie Knie, Ellbogen, Handkanten, Kopfschläge, Tritte, Schläge, Fingerstiche auf allen Körperebenen voll zum Einsatz bringen zu können, trainiert man im Wing Chun "regellos"!

Durch den Verzicht auf Regeln wird ein Wing Chun Kämpfer "unbeschränkt" in der Wahl seiner Taktik und Strategie. Für ihn ist alles erlaubt und die Wahrscheinlichkeiten für einen siegreichen Kampfesverlauf sind maximiert.

Ein weiterer Vorteil dieser für Wing Chun typischen Trainingsmethodik liegt darin, dass ein ausgebildeter Wing Chun Kämpfer "entscheiden" kann, ob er überhaupt bestimmte Körperwaffen zum Einsatz bringt, bzw. mit welcher Härte er dem Gegner zusetzt.

Mit anderen Worten ist ein "gut ausgebildeter" Wing Chun Kämpfer in der Lage, die "Eskalationsstufe" einer Auseinandersetzung selbst zu bestimmen - platt ausgedrückt: "er belässt es bei einer Ohrfeige, schlägt sein Gegner K.O. oder greift zu drastischeren Maßnahmen - je nach der aktuellen Gefährdungslage, in der er sich befindet".

FAZIT: Wing Chun ist definitiv eine Kampfkunst - und sicher eine sehr effektive!

Allerdings ist selbst eine hocheffiziente Kampfkunst wie Wing Chun in den Händen einer unfähigen Person kaum etwas wert. Es kommt - wie so oft - auf das Individuum an, welches sich der jeweiligen Kampfkunst bedient. Man muss bestimmte Voraussetzungen mitbringen, um das Potential des Systems zu entfalten. Dazu an anderer Stelle mehr...

(nach oben)

  Wing Chun - definitiv eine Kampfkunst  
           
   
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