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Satz 2 der Siu Nim Tao

 
         
     

Die Siu Nim Tao ist als digitaler Download hier erhältlich.

Wer Interesse hat, kann direkt hier eine englische oder deutsche Version beziehen und erhält dann einen Link zugeschickt und kann sich anschließend das PDF herunterladen.

Die Datei kann man sich gut ausdrucken oder auf dem PC, Laptop, Tablet oder Handy anschauen. Sieht nach einem simplen Poster aus, war aber eine ziemlich umfangreiche Arbeit aus fotografieren, auswählen, nachbearbeiten, zum Poster zusammensetzen.

Ich denke, es lohnt sich.

Wer lieber gleich unseren Shop besuchen will, kann hier auf den nachfolgenden Link klicken:

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Nochmal zum Poster: das Poster hat DIN A2 Größe, ist hochauflösend und zeigt alle Positionen der Siu Nim Tao inkl. Zwischenschritte und Technikbezeichnungen.

Einfach mal reinschauen. Viel Spaß!

Nun aber zum zweiten Satz der Siu Nim Tao.

Satz 2 ist der erste Satz der Siu Nim Tao, in dem beide Arme voneinander unabhängig bewegt werden. Ein Arm ruht, während der andere Arm die Bewegung ausführt.

Das heißt allerdings nicht, dass der ruhende Arm entspannt wird, absinkt oder gar auf den Rippen der Körperflanke "geparkt" wird. Vielmehr wird der zurückgezogene Arm permanent unter Spannung gehalten und steht quasi "frei im Raum" - heißt: er wird mit einem gewissen Abstand zum Brustkorb gehalten.

In Satz zwei führt zunächst der linke Arm eine Bewegungsfolge aus. Anschließend wiederholt der rechte Arm exakt diesen Bewegungsablauf. Aufgrund dieser Wiederholung stelle ich nachfolgend nur die linke Seite dar, da die rechte Seite exakt gleich aussieht - also gespiegelt wird.

Wie Satz 2 ausgeführt wird, schauen wir uns nun mal im Detail an.

(nach oben)

 
     

01 / 11 - Körperhaltung zu Beginn von Satz 2 der Siu Nim Tao mit entsprechenden Korrekturhinweisen

 
     

Cord Elsner - Siu Nim Tao

 
     

Korrekturhinweise zu Bild 01 / 11 - Ausgangsposition:

Satz 2 beginnt wie auch Satz 1 mit dem Yee Jee Kim Yeung Ma. Also wieder mal kurz die Details, die man ausführlich bei Satz 1 nachlesen kann:

  1. Kopf gerade halten, horizontaler Blick.

  2. Kinn zurückziehen.

  3. Schultern zurückziehen und absenken - möglichst gleich hochhalten.

  4. Die Arme werden zurückgezogen gehalten. Ellbogenspitzen werden in Richtung Rückgrat zusammengeführt.

  5. Zwischen den Fäusten und den Rippen ist eine Handbreit Platz.

Das wird sich nun bei jedem Satz wiederholen - ich werde es dennoch als "Erinnerung" immer wieder hinschreiben.

(nach oben)

 
     

02 / 11 - Zwischenposition zum Fauststoß / Kuen / Da mit entsprechenden Korrekturhinweisen

 
     


 
     

Korrekturhinweise zu Bild 02 / 11 - Zwischenposition zum Fauststoß / Kuen / Da:

Die erste Bewegung, mit der Satz 2 startet, ist der Fauststoß. Im Gegensatz zur Cham Kiu und auch zur Biu Tze, in der der Fauststoß direkt - also auf einer Geraden - nach vorne geschlagen wird, führt man in der Siu Nim Tao die Faust zunächst auf die Zentrallinie. Hier steht sie direkt vor dem Zentralpunkt.

Die Schlagfläche der Faust, die im übrigens als "Vertikalfaust" bezeichnet wird, zeigt in Schlagrichtung. Bedeutet: Streckt man in dieser Position den Zeigefinger aus und zeigt direkt nach vorne, zeigt der Zeigefinger zum Kinn eines Gegners, der gleichgroß ist wie man selbst (alternativ stellt man sich selbst als Spiegelbild vor und die Schlagfläche der Faust zeigt zum eigenen Kinn im Spiegelbild). Gehen wir die Details durch:

  1. Hilfsweise habe ich hier zunächst die Körperachse bzw. Körpermitte anhand der grünen Linie dargestellt.

  2. Die Faust wird auf die Körpermitte geführt und zwar so weit, dass die Schlagfläche der Faust (Faustfront) auf der Körpermitte bzw. vor dem Zentralpunkt steht. Es gibt einen dazu passenden Spruch bzw. Kuen Kuit (Richtlinie, Leitspruch, etc.), der da heißt: "Die Wing Chun Faust kommt vom Herzen" oder alternativ "Der Wing Chun Schlag entsteht aus der Körpermitte". Damit wird genau dieser hier ausgeführte Fauststoß beschrieben, bei dem die Faust vor dem Zentralpunkt steht und gerade noch vorne gestoßen wird. Die Faust ist geschlossen und der Daumen ist gewinkelt. Viele Leute haben lasche, offene und entspannte Hände in der Siu Nim Tao. Noch mal zur Erinnerung: das sind keine Körperwaffen, mit denen man angreifen kann. Stattdessen muss die Faust geschlossen gehalten werden. Da man die Siu Nim Tao drillt und schleift, entstehen hier zwangsweise Mechanismen, die sich auch unter Stress entfalten. Gewöhnt man sich hier eine schlaffe Handhaltung mit offenen Fingern an, wird man auch so in der Praxis schlagen - und sich zwangsweise die Hand verletzen / Griffel brechen. Nicht so cool. Also lieber die Finger schließen. Auch der Daumen ist korrekt zu positionieren. Manche Leute stecken den Daumen in die gerollten anderen vier Finger - bei einem Powerschlag können sie sich so direkt von ihrem Daumen verabschieden, also keine gute Idee.

  3. Der Ellbogen wird wieder locker hängen gelassen und nimmt wieder eine "Faustbreite" Abstand von den Rippen ein. Dabei wird der Ellbogen nicht angehoben, sondern hängt locker nach unten in einer natürlichen Position. Man spricht dabei von "Kettenlinie" und stellt sich vor, der ganze Arm sei eine Kette, die zwischen Faust und Schulter aufgehängt ist und entspannt aushängt. Die Position, die sich dann automatisch einstellt ist, nennt man "Kettenlinie" - also die ganz normale entspannte Position des Armes.

  4. Die Schultern werden entspannt, abgesenkt und zurückgezogen gehalten.

  5. Die rechte Faust wird bis auf Höhe des Zentralpunktes hochgezogen gehalten. Dabei verdeckt die Faustfront den Unterarm. Man kann also weder den Unterarm von unten, oben, innen oder außen sehen. Würde man den Unterarm von oben sehen, wäre der Arm abgesunken und zu tief. Würde man den Unterarm von unten sehen, wäre die Faust zu hoch. Würde man den Unterarm von innen sehen, wäre die Faust zu weit von den Rippen entfernt und würde man den Unterarm von außen sehen, wäre der Ellbogen zu stark ausgestellt bzw. die Faust läge am Körper an.

  6. Zwischen Faust und Rippen ist eine Handbreit Abstand.

Ab Satz zwei wird es interessant, da beide Hände voneinander unabhängige Bewegungen ausführen. Hier ist es wichtig, dass die zurückgezogene Hand stets an der gleichen Position gehalten wird und die Schulterposition sich nicht verändert.
Während man also den einen Arm quasi einfriert und unter Spannung behält, führt der andere Arm Bewegungen aus - ein Arm ist statisch, der andere Arm ist dazu im Gegensatz dynamisch.

Warum ist das wichtig?

In Wing Chun Bewegungen oder Anwendungen arbeiten wir am Gegner im günstigsten Fall nach dem Drei-Punkte-Konzept. In aller Kürze bedeutet das, dass wir versuchen müssen, den Gegner auf drei Ebenen zu kontrollieren bzw. anzugreifen. Sind wir also "am Gegner dran", wird versucht, beispielsweise die Füße über Kniedruck oder Fußkontrolle zu immobilisieren bzw. zu fixieren (untere Ebene), einen Arm z.B. über Vorwärtsdruck zu kontrollieren (z.B. obere Ebene) während mit der verbleibenden Hand attackiert wird (z.B. mittlere Ebene). Die in diesem Beispiel kontrollierende Hand übt also permanenten Druck aus, während die andere Hand attackiert.

Überträgt man dieses Prinzip nun zurück auf die Siu Nim Tao, sieht man, warum es so immens wichtig ist, dass der unbewegte Arm permanent unter Spannung und an derselben Stelle gehalten wird. Ein Arm führt die Bewegung aus, der andere Arm wird aber unter Spannung gehalten und ebenfalls kontrolliert.
Man soll sich also nicht alleine auf den die Bewegung ausführenden Arm konzentrieren, sondern permanent überprüfen, ob der gehaltene Arm ebenfalls Spannung hat und die Position nicht verlässt.

So muss man also während der Bewegungsausführung des Fauststoßes permanent den Fokus zwischen bewegtem und gehaltenen Arm wechseln und beide Arme voneinander unabhängig kontrollieren - was man in einer Anwendung bzw. der Praxis mit Partner / Gegner eh tun muss.

Dieses Prinzip verfolgt man in jeder Partnerübung bzw. Praxissituation permanent.

(nach oben)

 
     

03 / 11 - Yat Jee Chun Kuen / Fauststoß / Kuen / Da mit entsprechenden Korrekturhinweisen

 
     


 
     

Korrekturhinweise zu Bild 03 / 11 - Yat Jee Chun Kuen / Fauststoß / Kuen / Da:

Der hier gezeigte Schlag wird gerne als das Markenzeichen des Wing Chun betrachtet - der sogenannte "vertikale Fauststoß". Als Bezeichnung haben sich etliche Schreibweisen eingebürgert: "Yat Jee Chun Kuen (Zeichen Sonne Fauststoß), Kuen, Chueng, Da, ..." sind alles Bezeichnungen für diesen Schlag.

Von diesem Fauststoß sagt man, er würde mit den unteren drei Knöcheln (Mittelfinger, Ringfinger, kleiner Finger) der Faust geschlagen, wohingegen Boxer oder Karateka mit den oberen Knöcheln (Zeigefinger, Mittelfinger) treffen.

Ganz unabhängig davon, welcher Knöchel nun hauptsächlich beteiligt ist, trifft sowohl bei der horizontalen Faust als auch bei der vertikalen Faust stets der Knöchel des Mittelfingers. Das ist auch logisch nachvollziehbar, da der Mittelhandknochen des Mittelfingers für eine optimale Kraftübertragung von Unterarm zu Faust und schließlich in das zu schlagende Ziel in einer Linie mit dem Unterarm stehen muss. Ein Knick im Handgelenk - egal zu welcher Seite - erhöht die Gefahr einer Handgelenksverletzung im Moment des Auftreffens auf das Ziel und ist also zu vermeiden.

Nun zu den Details:

  1. Die Körpermitte ist als grüne Hilfslinie gezeigt.

  2. Die Faust schlägt exakt auf die Körpermitte, liegt also wie hier dargestellt auf der grünen Hilfslinie 1. Orientiert man sich an seinem eigenen Spiegelbild (übt also vor einem Spiegel) trifft die Faust das Kinn des Spiegelbildes, verdeckt also das eigene Kinn. Der Mund ist oberhalb der Faust zu sehen. Die Faust wird vertikal gehalten.

  3. Der Ellbogen ist gestreckt. Dabei zeigt die Ellbogenbeuge weder nach innen noch nach oben, sondern stellt sich schlichtweg in einer Position ein, wie nun mal der Arm nach Ausführung des Fauststoßes landet. Aufpassen sollte man, dass man bei der Ausführung des Fauststoßes - der früher oder später schon mit mehr Power geschlagen werden sollte - nicht "ins Gelenk" schlägt, also den Arm ruckartig in Streckung bringt. Das führt früher oder später zu einem "heißen Ellbogen (wie man so schön sagt) - also zu einer Schädigung des Ellbogens und z.B. zu einer Schleimbeutelentzündung. Darauf sollten erfahrende Trainer hinweisen und Schüler bzw. Anfänger warnen.

  4. Die Schulter wird nach Ausführung des Fauststoßes in dem Augenblick, in dem die Faust vorne am Ziel ankommt, ruckartig nach hinten gezogen und abgesenkt. Diese Bewegung nennt man "Schulterarretierung" und es wird gerne gesagt: "Die Schulter wird hinten arretiert". Viele Leute leiten daraus ab, dass die Schulter beim Wing Chun Schlag kurz vor dem Auftreffen zurückgezogen wird. Das ist natürlich totaler Unsinn!
    Die Schulter wird in der Praxis natürlich nicht beim Schlagen zurückgezogen, sondern nach vorne in den Schlag gebracht - genauso wie man das von allen anderen Kampfsportarten kennt. Ist doch logisch - wenn ich die Faust nach vorne ins Ziel bewege und kurz vor dem Auftreffen die Schulter ruckartig zurückziehe, nehme ich aus dem Fauststoß die gesamte Kraft raus - übrig bleibt nur noch ein schwacher "Plopp" beim Auftreffen auf den Gegner, der sich dann über den Quatsch kaputtlacht .... und uns anschließend wegbetoniert. Warum zieht man dann die Schulter in der Siu Nim Tao zurück?

    In der Siu Nim Tao und den anderen höheren Formen werden gerne in einer Bewegung mehrere Ideen verarbeitet bzw. mehrere Übungen gleichzeitig parallel ausgeführt.  Zudem kann eine Bewegung unterschiedlich interpretiert werden.

    Das sieht man beispielsweise schon an Satz 1 und der Endbewegung, bei der ich die Hände bzw. Arme zurückziehe. Das Ganze dient einmal als Rückzugbewegung der Hand, die imaginär die Hand eines Gegners greift, festhält und diesen ruckartig zu mir zieht. Andererseits kann dieselbe Bewegung aber auch ein Rückwärtsellbogen sein, der gegen einen Gegner ausgeführt wird, der hinter mir steht. Mit anderen Worten hat man eine einzige Bewegung aber mehrere Interpretationsmöglichkeiten.

    Die Rückzugbewegung der Schulter hat mit dem Fauststoß überhaupt gar nichts zu tun. Stattdessen übt man, die Schulter auf Wunsch nach hinten zu ziehen, was beispielsweise zum Einsatz kommt, wenn unser Arm von einem Gegner ruckartig nach vorne gezogen wird. Hält man in diesem Fall den Arm locker und lässt diesen ziehen, wird die Schulter ebenfalls nach vorne gezogen und man wird vom Gegner weggedreht und steht mit dem Rücken zum Gegner und ist ein leichtes Ziel. Arretiert man aber im Augenblick des Zuges am Arm die Schulter, zieht diese also zurück, steht man danach mit der Körperfront zum Gegner gewandt und hat zwischen sich und dem Gegner die eigenen Körperwaffen, kann diese also noch einsetzen.

    Lange Rede kurzer Sinn: man trainiert hier also sowohl den vertikalen Fauststoß als auch das Zurückziehen der Schulter als Schulterarretierung, wobei beide Bewegungen miteinander nichts zu tun haben. Es sind also zwei völlig separate Übungen mit völlig unterschiedlichen Absichten, die dummerweise häufig zu völlig falschen Interpretationen einiger Wing Chun Schlaumeier führen, was den Wing Chun Fauststoß anbelangt.

  5. Die Schulter wird bei Ausführung des Schlages synchron zurückgezogen und abgesenkt - warum habe ich ja gerade unter 4. erklärt.

  6. Wie schon beim zweiten Bild von Satz 2 erklärt, wird der statische Arm zurück- und hochgezogen auf Höhe der horizontalen Mittellinie bzw. des Zentralpunktes gehalten. Die Faust verdeckt den Unterarm, der Ellbogen wird zur Körpermitte geführt. Finger sind geschlossen, Faust leicht gespannt und Daumen gewinkelt.

  7. Zwischen Faust und Brustkorb ist eine Fingerbreite Platz.

(nach oben)

 
     

04 / 11 - Huen Sao Beginn mit entsprechenden Korrekturhinweisen

 
     


 
     

Korrekturhinweise zu Bild 04 / 11 - Huen Sao Beginn:

Die nun folgende Sequenz aus den nächsten fünf Bildern nennt man "Huen Sao Sequenz". Huen wird frei mit "zirkeln" übersetzt. "Sao" steht bekanntlich für Hand oder auch Arm. "Huen Sao" heißt somit Zirkelhand und ist eine Übung, die genutzt wird, um von beispielsweise von einer Innen- zu einer Außenposition zu wechseln oder umgekehrt. Dazu mehr an andere Stelle über drei Ebenen und Innen- und Außenbereiche.

Nachfolgend die Infos zum Bild 04/11:

  1. Hilfsweise ist wieder die grüne Linie der Körpermitte dargestellt.

  2. Das Foto 04/11 sieht so aus, als ob nach dem Fauststoß schlicht die Hand geöffnet, gestreckt und mit der Handfläche nach oben ausgerichtet wird. Was man hier nicht sehen kann, ist die Bewegungsabfolge, die zur Öffnung der Hand führt. Das Handgelenk bleibt auf der Mitte.

    Genauer beschrieben passiert hier folgendes: als erste Bewegung wird die Schulter nach dem erfolgten Schlag erneut betont zurückgezogen und abgesenkt. Als zweite Bewegung wird die Ellbogenbeuge senkrecht nach oben gedreht, ohne dass die vertikale Ausrichtung der Faust verloren geht. Schließlich - als dritte Bewegung - wird die Hand geöffnet, gestreckt und die Handfläche senkrecht nach oben ausgerichtet.
    Diese drei Bewegungsschritte kann man sich wie eine Art Welle vorstellen, die bei der Schulter beginnt und sich zur Hand fortpflanzt. Jedes Gelenk, bei der Schulter beginnend, wird separat angesprochen, wodurch Unabhängigkeit trainiert wird und quasi eine Schraubenbewegung durch den Arm läuft.
    Unabhängigkeit ist allerdings nicht der einzige Sinn dieser Übung. Stattdessen ist es ebenfalls nützlich bei armstreckhebelartigen Attacken des Gegners, bei denen das Ellbogengelenk unter dem Druck des gegnerischen Armes gedreht und gebeugt wird, wodurch der Hebelwirkung ausgewichen werden kann.

  3. Wichtig ist, dass bei allen Schritten der Huen Sao Sequenz der Ellbogen strikt gestreckt bleibt. Es darf nicht gebeugt werden. Wie erwähnt wird der Ellbogen bzgl. der Beuge nach oben rotiert.

  4. In der Schulter startet die Öffnungsbewegung der Hand durch kurze Rückzugbewegung und leichtes Absenken.

  5. Schultern bleiben gleich hoch.

  6. Faust ist auf Höhe des Zentralpunktes zu halten.

  7. Fingerbreiter Abstand zwischen Faust und Brustkorb.

(nach oben)

 
     

05 / 11 - Huen Sao - Bewegung 1 - mit entsprechenden Korrekturhinweisen

 
     


 
     

Korrekturhinweise zu Bild 05 / 11 - Huen Sao - Bewegung 1:

  1. Grüne Linie = Körpermitte

  2. Das Handgelenk wird gewinkelt, wobei die Finger der Hand zum Kopf zeigen. Die Finger bleiben geschlossen, der Daumen liegt hinter den Fingern - wobei es relativ egal ist, wo der Daumen genau positioniert wird, solange er nicht abgespreizt wird.

    Wichtig ist auch, dass das Handgelenk nun bei der zirkelnden Huen Sao Bewegung nicht von der Körpermitte weggezirkelt wird - diese also verlässt. Stattdessen bleibt das Handgelenk permanent auf der Körpermitte, als würde es dort in einem Ring stecken und sich seitlich nicht wegbewegen können.

  3. Der Ellbogen bleibt permanent gestreckt. Viele Anfänger tendieren dazu, beim Winkeln der Hand den Ellbogen gleich mit zu beugen. Stattdessen wird im Handgelenk gewinkelt wohingegen der Ellbogen gestreckt gehalten wird.

  4. Die Schulter bleibt permanent zurückgezogen und abgesenkt.

  5. Die Schultern bleiben gleich hoch.

  6. Immer wieder - während sich wie hier die linke Hand bewegt - muss die rechte Hand kontrolliert werden. Ist die Faust noch geschlossen? Ist leichte Spannung in der Faust? Wo steht die Faust - ist sie abgesackt oder parkt sie auf den Rippen oder ist sie nach außen gekippt? Das darf alles nicht passieren.

  7. Fingerbreiter Abstand zwischen Faust und Brustkorb.

(nach oben)

 
     

06 / 11 - Huen Sao - Bewegung 2 - mit entsprechenden Korrekturhinweisen

 
     


 
     

Korrekturhinweise zu Bild 06 / 11 - Huen Sao - Bewegung 2:

  1. Grüne Linie = Körpermitte

  2. Das gewinkelte Handgelenk wird nach innen gedreht, wobei die Finger der Hand in Richtung der Körpermitte zeigen. Mehr gibt es hier auch nicht zu sagen.

  3. Der Ellbogen bleibt permanent gestreckt.

  4. Die Schulter bleibt permanent zurückgezogen und abgesenkt.

  5. Die Schultern bleiben gleich hoch.

  6. Faust verdeckt den Unterarm, wird auf Höhe des Zentralpunktes gehalten. Finger schließen, leichte Spannung in der Faust.

  7. Fingerbreiter Abstand zwischen Faust und Brustkorb.

(nach oben)

 
     

07 / 11 - Huen Sao - Bewegung 3 - mit entsprechenden Korrekturhinweisen

 
     


 
     

Korrekturhinweise zu Bild 07 / 11 - Huen Sao - Bewegung 3:

  1. Grüne Linie = Körpermitte

  2. Das gewinkelte Handgelenk wird nach unten gedreht, wobei die Finger der Hand in Richtung Boden zeigen. Das war's auch schon.

  3. Der Ellbogen bleibt permanent gestreckt.

  4. Die Schulter bleibt permanent zurückgezogen und abgesenkt.

  5. Die Schultern bleiben gleich hoch.

  6. Faust verdeckt den Unterarm, wird auf Höhe des Zentralpunktes gehalten. Finger schließen, leichte Spannung in der Faust.

  7. Fingerbreiter Abstand zwischen Faust und Brustkorb.

(nach oben)

 
     

08 / 11 - Huen Sao - Bewegung 4 - mit entsprechenden Korrekturhinweisen

 
     


 
     

Korrekturhinweise zu Bild 08 / 11 - Huen Sao - Bewegung 4:

Nun kommt das letzte Bild zur Huen Sao Sequenz.

  1. Grüne Linie = Körpermitte

  2. Das gewinkelte Handgelenk wird nach außen gedreht, wobei die Finger der Hand ca. 45° nach unten und nach außen zeigen. Eine weitere Drehung ist bei manchen Leuten möglich, aber nicht nötig.

  3. Der Ellbogen bleibt permanent gestreckt.

  4. Die Schulter bleibt permanent zurückgezogen und abgesenkt.

  5. Die Schultern bleiben gleich hoch.

  6. Faust verdeckt den Unterarm, wird auf Höhe des Zentralpunktes gehalten. Finger schließen, leichte Spannung in der Faust.

  7. Fingerbreiter Abstand zwischen Faust und Brustkorb.

(nach oben)

 
     

09 / 11 - Chun Kuen (Horizontaler Fauststoß) mit entsprechenden Korrekturhinweisen

 
     


 
     

Korrekturhinweise zu Bild 09 / 11 - Chun Kuen (Horizontaler Fauststoß):

Bevor die Faust nach Durchlaufen der Huen-Sao Sequenz zurückgezogen wird und man wieder in der Standard-Ausgangsposition endet, wird die Faust geschlossen. Die resultierende Fausthaltung ist die horizontale Faust, die man beispielsweise aus dem Boxen, dem Karate oder alternativen Kampfsportarten kennt.

Zunächst die Details, bevor ich weitere Erklärungen gebe:

  1. Grüne Linie = Körpermitte

  2. Die Faust wird geschlossen. Die Finger sind eingerollt, der Daumen steht auf der Unterseite und ist gewinkelt.

  3. Der Ellbogen bleibt permanent gestreckt.

  4. Die Schulter bleibt permanent zurückgezogen und abgesenkt.

  5. Die Schultern bleiben gleich hoch.

  6. Die Faust verdeckt den Unterarm, wird auf Höhe des Zentralpunktes gehalten. Finger schließen, leichte Spannung in der Faust.

  7. Fingerbreiter Abstand zwischen Faust und Brustkorb.

Es gibt im Wing Chun immer gerne ein paar mehr oder weniger hirnrissige Standardaussagen. Eine ist z.B. "Die Hauptwaffe im Wing Chun ist der vertikale Fauststoß und die damit ausgeführten Kettenfauststöße".

Einige Leute bzw. Trainer leiten daraus ab, dass der vertikale Fauststoß, wie er im zweiten Satz der Siu Nim Tao zum ersten Mal als Formenbewegung auftaucht, die Hauptwaffe eines Wing Chun Kämpfers ist und erklärt Kettenfauststöße im selben Atemzug auch noch zum Hauptangriff bzw. zur Hauptwaffe im Wing Chun. Dabei sieht man bereits in Satz 2 der Siu Nim Tao, dass es durchaus andere Fausthaltungen im Wing Chun als nur den vertikalen Fauststoß gibt.

Logisch, hier wird in der Endbewegung zu Satz 2 kein klarer Fauststoß ausgeführt. Es wird vielmehr eine Rotation im Handgelenk ausgeführt (Huen Sao) und die offenen Finger werden zur Faust geschlossen. Das sieht nicht nach einem krassen horizontalen Fauststoß aus. Allerdings darf man hier nicht vergessen, was die Siu Nim Tao eigentlich sein soll. Das erkennt man schon an der freien Übersetzung des Begriffes "Siu Nim Tao".

Der Begriff "Siu Nim Tao" wird gerne als "Kleine Idee" bzw. "Erste Idee" übersetzt bzw. interpretiert. Alternative Übersetzungen lauten "Die vereinfachte Form" oder auch "Am Anfang etwas üben".

Wenn man nun die Huen Sao Bewegung im Satz 2 gefolgt von dem Schließen der Faust anschaut und sich vergegenwärtigt, dass es sich hierbei um eine vereinfachte Form (also um eine drastisch vereinfachte Bewegungen handelt) ist klar, dass hier einige Bewegungen der Einfachheit halber gestrichen bzw. weggelassen wurden.

Die Siu Nim Tao zeigt quasi vereinfachte Bewegungen, die den Anfänger nicht überfordern und ihm einen ersten Eindruck bzw. eine erste "kleine Idee" von Wing Chun Handbewegungen und Wing Chun Handpositionen vermitteln, wobei diese der Einfachheit halber vereinfacht wurden … "Die vereinfachte Form".

Schaut man sich beispielsweise die Huen Sao Sequenz und die daraufhin folgende vertikale Fausthaltung an, sieht man, dass hier im Sinne der "Vereinfachung" allerhand weggelassen wurde, um den Anfänger nicht zu überfordern.
Als erstes wurden z.B. die Wendungen eingespart, die man ausführt, um die Flanken des Gegners zu attackieren, die beispielsweise in der Cham Kiu, der Biu Tze… quasi allen auf die Siu Nim Tao folgenden Formen als ganz normales Element auftauchen.

Stattdessen fehlen in der Siu Nim Tao sämtliche Wendungen. Zusätzlich fehlt bei der Huen Sao Bewegung das Öffnen der gegnerischen Deckung durch Zug und der sichtbare Wechsel von der Außen- zur Innenseite. Des Weiteren wird der horizontale Fauststoß nicht konkret ausgeführt wie z.B. der vertikale Fauststoß zu Beginn von Satz 2. Stattdessen wird der horizontale Fauststoß lediglich angedeutet.

Man sieht auch nicht das dem Wing Chun typische Konzept der Innenseitigen- und Außenseitigen Kontrolle über einen einerseits eingestellten (vertikalen Fauststoß - Außenkontrolle) und andererseits ausgestellten (horizontaler Ellbogen - Innenkontrolle) Ellbogen.

Auch die Hüftrotationen, die man zur Erzeugung von Kraft und maximaler Energieübertragung in den Gegner einsetzt, sind weggelassen worden.

Es fehlen also essentielle Bestandteile - was kein Wunder ist, da die Siu Nim Tao nun mal nur eine "Vereinfachte Form" darstellt, nur eine "Kleine, erste Idee" des Wing Chun vermittelt und somit nur einen ersten Eindruck vom Wing Chun geben soll.

Nichtsdestotrotz enthält der zweite Satz der Siu Nim Tao zwei Fauststöße - den vertikalen und den horizontalen Fauststoß, wobei letzterer der Vereinfachung dramatischer zum Opfer gefallen ist, als es beim ersteren der Fall ist.

Wie sieht das in einer Anwendung aus?

Führt man beispielsweise Hongkong Lat Sao aus und greift der Gegner mit einer linken Geraden an, begegnet man dieser Gerade beispielsweise mit einem vertikalen Fauststoß (einem Konterfauststoß sozusagen). Bei diesem weist der Ellbogen nach unten. Es kommt zur Kollision mit dem gegnerischen Arm (man läuft quasi auf der Deckung auf) und kontrolliert über den eingestellten Ellbogen. Der sich kurzfristig aufbauende gegnerische Druck wird genutzt, um die Deckung des Gegners mittels Jat Sao zu öffnen, dabei mittels Huen Sao von der Außen- auf die Innenseite zu wechseln und auf der Innenseite mittels horizontaler Faust mit angehobenem Ellbogen zu attackieren. Dabei wird der Körper rotiert und die Hüfte als Kraftquelle mit eingebracht - ganz so, wie es grundsätzlich üblich ist, um Kraft zu erzeugen bzw. die Kraftübertragung in den Gegner zu optimieren (Hüfteinsatz).

(nach oben)

 
     

10 / 11 - Griffkontrolle als Zwischenposition vor dem Zurückziehen mit entsprechenden Korrekturhinweisen

 
     


 
     

Korrekturhinweise zu Bild 10 / 11 - Griffkontrolle als Zwischenposition vor dem Zurückziehen:

Kurz vor dem Zurückziehen der Faust wird diese um 180° nach oben gedreht. Bei vielen Siu Nim Tao Ausführung wird dieses Rotieren der Faust erst während der Rückzugbewegung ausgeführt, wohingegen wir die Rotation separat durchführen und dann zurückziehen.

Erst wieder die Details:

  1. Grüne Linie = Körpermitte

  2. Die Faust ist geschlossen und wird um 180° nach oben gedreht.

  3. Der Ellbogen bleibt permanent gestreckt.

  4. Die Schulter bleibt permanent zurückgezogen und abgesenkt.

  5. Die Schultern bleiben gleich hoch.

  6. Die Faust verdeckt den Unterarm, wird auf Höhe des Zentralpunktes gehalten. Finger schließen, leichte Spannung in der Faust.

  7. Fingerbreiter Abstand zwischen Faust und Brustkorb.

Was soll die Rotation? Diese Rotation wird auch gerne als "Griffkontrolle" bezeichnet. Kann ich am gegnerischen Arm bzw. an der Hand einhaken, drehe ich meine eigene Hand und wirke so einer Rotation des gegnerischen Armes entgegen. Üblicherweise will der Gegner Schläge abwehren, indem der Arm hochgezogen oder im Schultergelenk ausgedreht wird. Das würde der Bong-Haltung entsprechen, wobei es natürlich klar ist, dass der Gegner eher kein Wing Chun ausführt oder irgendwas von Bong Sao weiß oder versteht.

Nichts desto trotz ist das Ausdrehen des Ellbogens und somit das reflexhafte Schaffen einer Deckung üblich. Dem kann man entgegenwirken, indem man mit einem Griff und einer Außenrotation (wie in diesem Bild 10/11 gezeigt) der Armrotation entgegenwirkt.

(nach oben)

 
     

11 / 11 - Sao Kuen (bzw. Hau Jarn) / Endposition mit entsprechenden Korrekturhinweisen

 
     

 
     

Korrekturhinweise zu Bild 11 / 11 - Sao Kuen bzw. Hau Jarn / Endposition:

Das hier gezeigte Bild entspricht Bild 01/11 und ist sowohl Anfangs- als auch Endposition. Lediglich die Art und Weise, wie man zu dieser Position gelangt, ist entscheidend. Beendet man die Bewegungssequenz von Satz zwei der Siu Nim Tao, wird der gestreckte Arm mit der nach oben gedrehten Faust ruckartig zurückgezogen. Das hat mehrere Bedeutungen.

Zunächst die Details:

  1. Grüne Linie = Körpermitte / Kopf gerade halten, horizontaler Blick.

  2. Kinn zurückziehen.

  3. Schultern zurückziehen und absenken - möglichst gleich hochhalten.

  4. Der Arm wird ruckartig zurückgezogen. Anschließend werden die Arme zurückgezogen gehalten. Ellbogenspitzen werden in Richtung Rückgrat zusammengeführt. Es entsteht Spannung im Brustmuskel.

  5. Zwischen den Fäusten und den Rippen ist eine Handbreit Platz.

Die Rückzugbewegung hat unterschiedliche Bezeichnungen.

Eine Bezeichnung lautet "Sao Kuen", was so viel wie "Zurückziehen der Arme" bedeutet. Hiermit ist gemeint, dass man sowohl seinen eigenen Arm zurückzieht, als auch den Arm eines Gegners gegriffen hält und diesen zu sich herzieht. Bewegt der Gegner sich infolge des Zuges auf uns zu, schlagen wir in diese Vorwärtsbewegung des Gegners hinein - wodurch wir logischerweise die Schlagwirkung zu erhöhen versuchen.

Eine alternative Bezeichnung lautet Hau Jarn. Dabei bedeutet "Hau" rückwärts und "Jarn" ist der Ellbogen. Also ist hiermit ein "Rückwärtsellbogen gemeint. Steht also ein Gegner hinter uns bzw. umklammert uns, attackieren wir mit der Ellbogenspitze eines Rückwärtsellbogens.

Man sieht also an diesem Beispiel sehr schön, welche unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten es für ein und dieselbe Bewegung in der Siu Nim Tao bzw. im Wing Chun generell gibt. Eine Bewegung kann mehrere Bedeutungen haben, die es zu erkennen gilt.

(nach oben)

 
       
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