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1. Existieren "Goldene Regeln" bei der Suche nach der richtigen Kampfkunstschule?

     
     

Gibt es sowas wie "goldene Regeln" bei der Suche nach der richtigen Wing Chun Schule?

Ich denke nicht!

Dennoch gibt es eine Checkliste bzw. Anhaltspunkte , nach denen man die Schule prüfen sollte.

   
     


Checkliste bzw. Anhaltspunkte für die Frage nach einer guten Schule - Um Wing Chun erlernen zu können, sollte man die richtige Schule finden. Dazu sollte man möglichst alle der unten aufgelisteten Fragen beantworten können.

   
     

Folgender Fragenkatalog sollte so gut es geht abgearbeitet werden, wenn man den Lehrer nach der Wing Chun Ausbildung befragt:

  • Wer unterrichtet?
  • Wie sieht die Schulform aus?
    • Ist es ein Verein?
    • Ist es eine größere Organisation?
    • Ist es eine einzelne Schule?
  • Wie steht es um die Gruppengröße?
  • Wie ist die Gruppe zusammengesetzt?
  • Wie gut ist die persönliche Betreuung durch den Lehrer?
    • Unterrichtet der Schuleigentümer persönlich?
    • Unterrichten hauptsächlich Assistenten oder Schüler?
  • Welche Inhalte werden unterrichtet und wann lernt man was?
  • Gibt es Graduierungen?
    • Was bedeuten Graduierungen für den persönlichen Fortschritt?
    • Gibt es Wartezeiten zwischen den einzelnen Graduierungen?
    • Wenn man keine Prüfungen ablegt, wird man dann künstlich ausgebremst bzw. lernt nichts mehr?
  • Kann man ein Probetraining absolvieren?
    • Wie lange dauert das Probetraining?
    • Was kostet das Probetraining?
  • Nimmt man sich Zeit für Dich?
  • Was kostet die Mitgliedschaft?
  • Wie sehen die vertraglichen Bedingungen der Mitgliedschaft aus?
    • Welche Rechte, welche Pflichten haben die Vertragspartner?
    • Wie lang ist die Vertragsdauer?
    • Wie lang ist die Kündigungsfrist?
    • Gibt es rechtswidrige Sonderklauseln?
  • Gibt es neben den Kosten für die Mitgliedschaft irgendwelche Sonderkosten bzw. Sonderzahlungen?
    • Gibt es Verbandsgebühren / Jahresgebühren - Kosten?
    • Gibt es einen Pass / Mitgliedsausweis - Kosten?
    • Ist eine Schuluniformen Pflicht - Kosten?
    • Benötigt man Schutzausrüstung - Kosten?
    • Gibt es Prüfungsprogramme - Kosten?
    • Gibt es Lehrgänge - Kosten?
    • Gibt es Prüfungen - Kosten?
    • Werden Extrakurse angeboten (Sparring, Bodenkampf, Situationstraining, etc.) - Konditionen, Preise?
    • Gibt es Sektionen / Partnerformen - Kosten?
    • Werden Kosten für Formen (Biu Tze, Holzpuppe, etc.) erhoben - Kosten?
    • Fallen Kosten für Waffen (Langstock, Doppelmesser) an - Kosten?
    • Werden Privatstunden angeboten - Kosten und Dauer (45 Min. oder 1h)?
    • Gibt es Ausbilderschulungen bzw. Ausbilderlehrgänge - Kosten?
    • etc. ...
  • Wie wird trainiert?
    • Hartes oder weiches Training?
    • Realitätsnahes oder realitätsfernes Training?
    • etc.
  • Etikette, Zeremonien, etc. - gibt es sie und was beinhalten sie?
    • Ist eine spezielle Anrede des Lehrer mit Titel (Sifu, Dai-Sifu) erwünscht?
    • Werden spezielle nicht-europäische Gesten gefordert (z.B. Verneigung nach Technikerklärung, etc.)?
    • etc.
  • Weitere Fragen ...

Man kann davon ausgehen, dass viele Lehrer hier nicht ins Detail gehen werden. Dennoch sollte man so gut wie alle Fragen zu klären versuchen.

Nachfolgend gehe ich auf jeden einzelnen Punkt ein und erläutere, warum er wichtig ist, worauf man achten muss und wo - (gerade im Wing Chun und seinen Derivaten WT, VT, VC, etc.) versteckte Fallen liegen könnten.

(nach oben)

     
           
    2. Wer unterrichtet?      
     

Unverzichtbar für das Erlernen von Wing Chun ist natürlich der richtige Lehrer. Da dieser Punkt so immens wichtig ist, habe ich ihm einen eigenen Artikel gewidmet, in dem ich diskutiere, was Kennzeichen eines "guten Wing Chun Lehrers" sind bzw. sein sollten.

   
     


Unverzichtbar für das Erlernen von Wing Chun ist der richtige Lehrer - Wer keinen guten Lehrer hat, der einem das System, die richtige Art der Bewegung, etc. vermittelt, ist schon von Anfang an verloren. Das würde Albert Einstein (hier auf dem Foto zu sehen) sicherlich bestätigen ...

   
     

Den Artikel kann man unter "Qualitäten eines guten Wing Chun Lehrers" nachlesen und sich anschließend selbst eine Meinung bilden.

Jeder hat schließlich seine individuellen Vorstellungen von einem guten Lehrer, der zu ihm passt.

(nach oben)

     
           
    3. Schulform - ist es ein Verein, eine Organisation oder eine einzelne Schule?      
     

Man sollte gleich zu Beginn feststellen, ob es sich um eine einzelne Schule ohne Angliederung an einen Verband handelt, ob es ein Angebot eines Sportvereins ist oder ob die Schule Teil eines größeren Verbandes bzw. einer größeren Organisation ist.

   
     

Wing Chun in größeren Verbänden / Organisationen

   
     

Größere Verbände / Organisationen haben meistens sehr viele Mitglieder, sehr viele Lehrer und sehr viele Schulen an unterschiedlichen Standorten.

Das beste Beispiel dafür ist in Deutschland ohne Frage die EWTO (Europäische Wing Tsun Organisation) mit tausenden Mitgliedern und hunderten Lehrern.

Vorteilhaft an solchen größeren Verbänden ist zweifellos, dass man auch mal in eine andere Stadt ziehen kann und dennoch weiter in dem Verband trainieren kann, ohne etwas völlig neues lernen oder bzgl. der Graduierung wieder bei null beginnen zu müssen.

Nachteilig ist an solchen großen Organisationsstrukturen der Grad der Kommerzialisierung, der je nach Organisation vorliegen kann.

Zur EWTO steht beispielsweise auf Wikipedia folgender kritischer Eintrag:

Zitat:
"Die Mitglieds-Schulen der EWTO arbeiten als Franchising-Unternehmen. Dazu müssen sie unter anderem im Besitz einer zeitlich befristeten Gebietslizenz für einen festgelegten Postleitzahlbezirk sein, wodurch regionale Monopole mit Gebietsschutz entstehen. Alle lizenzierten Schulen lehren nach dem standardisierten EWTO-Programm, wobei der Lernfortschritt strikt in verschiedene Grade unterteilt ist.
Da die Grade getrennt voneinander unterrichtet werden, findet ohne ein kostenpflichtiges Aufsteigen im Grad keine neue Wissensvermittlung statt. Die genaue Kostenstruktur ist von der jeweiligen Schule abhängig, Gesamtkosten von deutlich über tausend Euro bis zum Erreichen des 12. Schülergrades sind dabei möglich.
Ursprünglich sind Schüler- und Meistergrade bei chinesischen Kampfkünsten unüblich gewesen, da diese abgesehen von der Beziehung Meister/Schüler oder (bei Familienstilen, wie etwa dem Wing Chun) Vater/Sohn keine Hierarchien kennen."

Quelle: Wikipedia 22.05.2014

Diese Strukturen, die auch in anderen größeren Organisationen anzutreffen sind, können (müssen aber nicht zwingend) problematisch für den Lernfortschritt des Schülers sein.

Im Gegensatz zur EWTO, die tatsächlich eine sehr große Wing Chun Organisation ist, sollte man aber darauf achten, dass man sich nicht durch großartig klingende Verbandsnamen hinters Licht führen lässt.

Verbände, die z.B. "World Martial Arts Organisation" oder "Wing Chun Universum" heißen und den Eindruck vermitteln, als hätten sie angegliederte Schulen auf der ganzen Welt oder im gesamten Universum (was bzgl. der Bezeichnung allein schon zum Totlachen einlädt), haben meistens in Tat und Wahrheit doch nur eine Handvoll angegliederter Schulen in irgendeinem unbedeutenden Dorf und dessen Umgebung. Dennoch schmücken sie sich mit pompösen Organisationstiteln, um bei Neuinteressenten entsprechend Eindruck zu hinterlassen.

Hier hatte der Verbandsleiter eines Nachts vermutlich hochtrabende Wunschträume, die sich in protzigen Verbandsnamen niederschlagen aber nachträglich doch nur als Wolkenkuckucksheime herausgestellt haben.

Meistens wird mit einem "internationalen Schulenverband" und mit weltweit zur Verfügung stehenden Lehrern geworben, die sich dem Verband angeschlossen haben sollen.

Erst wenn man längere Zeit in solchen Schulen trainiert, stellt man meistens fest, dass es diesen Zusammenschluss nur auf dem Papier gibt, er real aber gar nicht existiert.

Also Achtung an dieser Stelle!

   
     

Wing Chun in Sportvereinen

     
     

Wing Chun wird am ehesten in größeren Schulverbänden oder in einzelnen Schulen ohne Verbandsstruktur angeboten. Also gelten Sportvereine eher als Seltenheit, um Wing Chun lernen zu können.

Dennoch ist der Vorteil bei Sportvereinen offensichtlich, da sämtliche Angebote über eine geringe Gebühr (Jahresbeitrag) zugänglich sind.
Preise im Umfang von 190 Euro pro Jahr sind z.B. im Sportverein Bad Cannstatt (Stuttgart) für Hauptmitglieder normal. Man würde also ca. 16 Euro pro Monat für sein Wing Chun Training ausgeben.

Je mehr Angebote des Vereins man nutzt, desto billiger werden die Kosten pro Sportart.

Also billiger geht's vermutlich kaum!

Solche Preise sind allerdings nur möglich, weil der Verein die Räumlichkeiten stellt, meistens selbst Eigentümer ist und manchmal weit mehr als 1000 Mitglieder hat.

Da kommen dann im Jahr durchaus Summen weit über 100.000 Euro zusammen (Beispiel: Sportverein Bad Cannstatt: 1300 Mitglieder - Quelle Wikipedia).Kein Wunder also, dass das Training pro Mitglied dann recht günstig ausfallen kann.

Nachteil an Sportvereinen ist allerdings, dass jeder auf das Angebot zugreifen kann und nach Belieben teilnehmen kann. Der Trainer ist also nicht unbedingt frei in der Wahl seiner Mitglieder.

Dementsprechend kann es zu komplett inhomogenen Gruppenzusammensetzungen kommen.
Rentner traineren mit 12-Jährigen zusammen und Hochleistungssofasportler, die nach 20 Jahren Bier, Sofa, Chips und knallharter Sportabstinenz mal wieder "richtig angreifen" wollen, verirren sich ebenfalls ins Training.

Wing Chun in solchen Gruppen zu erlernen, ist meistens unmöglich. Hier muss man also auch gut aufpassen!

     
     

Wing Chun in kleinen Schulen

     
     

Schließlich gibt es noch die einzelnen Schulen, in denen Wing Chun durch Lehrer unterrichtet wird, die nicht an größere Verbände oder Organisationen angeschlossen sind und auch nicht unbedingt sein wollen.

Das sind eher die kleineren individuellen Schulen in denen individuelle Wing Chun Interpretationen der jeweiligen Lehrer vermittelt werden.  

Einer von vielen Vorteilen ist hier beispielsweise, dass es sich bei dem Wing Chun nicht um den Einheitsbrei einer großen Organisation handelt. Man ist nicht an Regeln und Vorgaben einer großen Organisation gebunden, muss nicht das Einheitsprogramm runterkurbeln und die Stimmungsschwankungen des alternden Verbandsleiters ertragen, der evtl. der gesamten Organisation alle paar Jahre ein neues Produkt aufgrund vermeintlich neuer Erkenntnisse überstülpt.

Franchisegebühren fallen für die Schulinhaber weg, die man sonst an die Organisationsleitung zahlen müsste. Generell fallen viele Kosten weg, die im Endeffekt stets den Schülern aufgebürdet werden.

Aber auch hier ist nicht alles Gold was glänzt. Manche Wing Chun Interpretationen einzelner Lehrer scheinen ein ziemlich beliebig zusammengeschustertes Eigenkonstrukt ohne Realitätsbezug zu sein. Ein korrigierendes Kontrollelement existiert hier leider nicht.

Man sollte also darauf achten, dass man weder Hau-ruck-Wing-Chun noch Pseudo-Karate-Wing-Chun oder butterweiches Soft-Wing-Chun als reines Wing Chun angepriesen bekommt, was man als Anfänger leider nicht als solches identifizieren kann.

Egal für welches Modell man sich entscheidet - jedes davon hat Vor- und Nachteile.

Manche Leute wollen lieber eingebettet in einer großen und starken Organisation trainieren und interessieren sich nicht für die Spielchen, Geschäftstaktiken bzw. Politik hinter den Kulissen.

Einige wiederum mögen die Individualität einer kleinen Schule und andere schätzen die geringen Kosten eines Vereins.

Im Endeffekt soll jeder nach seiner Façon glücklich werden. Man sollte nur recht klare Wünsche formulieren, sich anschließend entscheiden und sich über die Konsequenzen der Entscheidung bewusst sein.

(nach oben)

     
           
    4. Wie groß ist die Gruppe und wie setzt sich die Gruppen zusammen?      
     

Wofür man sich auch immer entscheidet (Verband, Verein, Einzelschule) - man sollte sich zu Beginn einen Eindruck über die Gruppengröße und die Gruppenzusammensetzung verschaffen!

Kurz und knapp kann man hier festhalten:

  1. Je größer die Gruppe, desto schlechter die Betreuung durch den Trainer.
  2. Je gemischter die Gruppenzusammensetzung (sehr jung, sehr alt, sehr fit, sehr unfit), desto ineffizienter das Training.
   
     

Gruppengröße

   
     

Logischerweise betreiben viele Lehrer Wing Chun nicht nur als Hobby sondern auch als Geldverdienst. Denn wer lehnt schon gerne ein paar zusätzliche Euro ab?

Verdienen kann man natürlich als erstes über die Mitgliederzahl - ist logisch und trivial.

Um den Verdienst hochzuschrauben, werden Wing Chun Schulen dementsprechend gerne mit Mitgliedern vollgepumpt.
Die Gruppen schwellen auf ein Maß an, das für einen Lehrer alleine nicht mehr handhabbar bzw. unterrichtbar ist. Denn egal wie gut der Lehrer ist, er kann nur eine begrenzte Gruppengröße bewältigen.

Wenn man also eine sehr gute Betreuung direkt durch den Trainer haben möchte, sollte man eher kleinere Gruppen wählen. Ansonsten bleiben als Alternative nur Privatstunden, wenn man direkten Unterricht bzw. 1:1 Betreuung vom Lehrer haben möchte.

Wächst die Gruppe und erreicht schließlich das Ausmaß einer sehr großen Schulen mit weit über hundert "aktiven" Schülern (die "Karteileichen" seien hier vernachlässigt) praktiziert der Lehrer mehr oder weniger Massenabfertigung. Eine hochwertige Betreuung durch den Lehrer ist offensichtlich nicht mehr möglich!

   
     


Schulen mit großer Mitgliederzahl verkommen zur Massenabfertigung - Große Gruppen mit großer Mitgliederzahl sichern dem Trainer hohe Mitgliedsbeiträge. Leider wird darunter zwangsweise die Qualität der Ausbildung leiden. Wing Chun lernt man am besten in kleinen bzw. in Kleinstgruppen, wenn nicht sogar 1:1 .... ein Schüler, ein Lehrer im Direktaustausch.

   
     

In solchen Schulen kreuzt man vermutlich so gut wie nie mehr mit dem Lehrer die Hände, geschweige denn, dass man von ihm längere persönliche Erklärungen 1:1 bekommt. Es sollten in so einem Fall einige Assistenztrainer in ausreichender Zahl vorhanden sein, um diesen Zustand abzupuffern.

Kleinere Gruppen sind meiner Ansicht nach zu präferieren, wenn man direktere Betreuung durch den Lehrer wünscht.

Allerdings gibt es auch hier gewisse Nachteile - beispielsweise, dass man in kleinen Gruppen nur eine geringe Auswahl an Trainingspartnern hat, wohingegen man sich diese in einer großen Gruppe besser auswählen kann.

Sind mehrere Mitglieder einer kleinen Gruppe verhindert (Schichtdienst, Urlaub, Krankheit, Party, etc.) steht man evtl. schon mal mit dem Trainer alleine im Training. Allerdings ist das durchaus auch wieder von Vorteil, da man somit quasi "Kleingruppenunterricht" genießt, der in anderen Schulen vermutlich kostenpflichtig ist.

Wie auch immer man es betrachtet: die Gruppengröße ist ein zweischneidiges Schwert ... !

     
     

Gruppenzusammensetzung

     
     

Im Gegensatz zur Gruppengröße, über die man sicher diskutieren und unterschiedlicher Meinung sein kann, gibt es bei der Gruppenzusammensetzung keine Diskussion!

Wie heißt es so schön:

  1. "If you want to be a lion, you must train with lions!" oder
  2. "Wer ein Kämpfer sein will, muss mit Kämpfern trainieren!"

Der persönliche Erfolg im Wing Chun steht und fällt mit vielen Faktoren!

     
     


If you want to be a lion, you must train with lions - Man wird nie ein guter Kämpfer sein, wenn man nicht mit guten Kämpfern trainiert. Eine Gruppe ohne guten Trainingspartner, die nur aus halbgaren Partnern besteht, ist quasi wertlos. Man kann schließlich nicht 100% der Zeit mit dem Trainer alleine trainieren.

     
     

Ist man zu schwach, zu schlecht koordiniert, zu weich, zu undiszipliniert, etc. kann man es mit Wing Chun oder besser gesagt "mit Kampfsport / Kampfkunst" gleich vergessen.

Man benötigt gewisse Grundvoraussetzungen, um erfolgreich Kampfsport / Kampfkunst - also auch Wing Chun - zu trainieren!

Nehmen wir also der Einfachheit halber an, man hätte alle Voraussetzungen, Wing Chun erlernen zu können. Dann fehlt aber immer noch eines: "der perfekte Trainingspartner!"

Trotz all der perfekten persönlichen Voraussetzungen - ohne einen guten bis sehr guten Trainingspartner kommt man im Wing Chun nicht voran, da das System zum Großteil auf Partnerübungen basiert.

Man benötigt also ebenfalls einen ausgezeichneten Partner, der die nötige Härte, Disziplin, Koordination, Fitness, etc. mitbringt.

Wesentlich ist auch, dass man mit diesem Partner optimal harmoniert - also ein "Trainingsduo" bildet, das reibungslos miteinander trainieren kann. Man will nicht viel reden, diskutieren oder erklären, sondern im Idealfall nahtlos trainieren - ohne viele Worte machen zu müssen.

Ebenfalls wichtig: der Partner sollte ein Kämpfer sein ... !

Jetzt fragt sich evtl. der eine oder andere Leser, warum ich diesen "Kämpfer-Aspekt" immer und immer wieder bewusst betone? Sind denn nicht alle Leute, die Wing Chun trainieren "Kämpfertypen"? Oder sollte man nicht grundsätzlich annehmen dürfen, dass Kampfsport oder Kampfkunst grundsätzlich von "Kämpfern" betrieben wird?

Leider ist das im Wing Chun nicht der Fall. Vielmehr hat man häufig den Eindruck (wenn man in einige Wing Chun- bzw. WT-, VT-, VC-Schulen schaut) als wäre Wing Chun die Auffangstation für eine ganze Reihe von "Kampfkunst-Luschen"!

Klingt hart, ist aber leider häufig so ...

Natürlich gibt es hart und anspruchsvoll trainierende Wing Chun Kämpfer, die richtig fit und kampfstark sind. Das ist unbestritten ... und ein Glück!

Aber es gibt auch einen gigantischen Haufen von Leuten, die sich ins Wing Chun verirrt zu haben scheinen. Ihnen fehlen Fitness, Härte, Koordination, etc. und noch schlimmer: trotz jahrelangen Trainings scheint keinerlei Änderung in Sicht zu sein.

Ein Trainingspartner aus dem Boxen hat mal zu mir gesagt: "Kämpfer gehen nicht ins Wing Chun, sie gehen ins Boxen, Kickboxen, Thaiboxen oder MMA."
Wenn ich überlege, wer alles Wing Chun trainiert und das mit den vorgenannten Kampfsportarten Boxen, Thaiboxen, Kickboxen und MMA vergleiche, muss ich ihm leider recht geben.

Aber woher kommt es, dass so viele Pfeifen nach wie vor ausdauernd Zeit in Wing Chun verschwenden?

Schuld daran sind sicher mehrere Faktoren. Eine wesentliche Ursache sind meiner Meinung nach vor allem die Lehrer, Verbände und Organisationen, die großangelegte Werbung für Wing Chun durch folgende Aussagen wie z.B.

  1. "Wing Chun kann jeder lernen."
  2. "Wing Chun ist für alle Altersstufen geeignet ."
  3. "Ein Kampf dauert für einen Wing Chun Kämpfer maximal drei Sekunden."
  4. "Wing Chun ist die effektivste kampfkunst überhaupt."
  5. "Für Wing Chun benötigt man keinerlei Fitness oder körperliche Voraussetzungen."
  6. "Man benötigt keine Kraft, weil man die Kraft des Gegners borgt und gegen ihn selbst wendet."
  7. etc.

betreiben.

Solche Aussagen bzw. besser "Falschaussagen" erzeugen die Illusion, jeder könne durch Wing Chun zum unbesiegbaren Kämpfer mutieren - jung, alt, stark, schwach, koordiniert, unkoordiniert, fit, unfit, etc. - befeuert durch das Marketing großer Organisationen kommen alle vorbei.

Entsprechend scheint Wing Chun als "Kampfkunst für jedermann" mittlerweile zum Auffangbecken für diverse unkoordinierte Bewegungslegastheniker, Fitnessabstinenzler und andere Nicht-Sportler verkommen zu sein. Tut mir leid, dass ich das hier so direkt sagen muss - es ist aber leider wahr.
Ihnen fehlen etliche Voraussetzungen, um die Möglichkeiten dieser Kampfkunst vollständig auszuloten und ihr Potential voll auszuschöpfen.

Stattdessen lassen ihre begrenzten Fähigkeiten lediglich zu, dass sie rudimentäre Selbstverteidigungstechniken ausführen können, denen es an der nötigen Härte, Geschwindigkeit, Präzision und anderen notwendigen Qualitäten fehlt. Der Lehrer lässt sie lieber mit Kettenfauststößen, Vorwärtstritt und Vorwärtsschritt stundenlang durch die Schule rennen und belässt sie im Glauben, das wäre es mit Wing Chun schon gewesen.

Lehrer, die jeden in ihrer Schule aufnehmen, sind Schuld daran, dass man mittlerweile so gut wie jeden im Wing Chun trifft - leider auch Leute, die definitiv kein Wing Chun lernen können, nicht mehr lernen können oder erst recht nicht für Kampfsport oder Kampfkunst gemacht sind.

Hier sollte man sich nichts vormachen!

Besteht die Gruppe zu 10% aus halbwegs kämpferischen Mitgliedern aber zu 90% aus "halbgaren Gurken", die weder fit noch koordiniert sind und beim ersten härteren Schlag oder Treffer vermutlich kündigen, kann man die Hoffnung auf effizientes Training in dieser Gruppe getrost begraben.

     
     


Yip Man (Ip Man) mit seinen Wing Chun Schülern - Dies ist eine von zahlreichen Aufnahmen von Yip Man (untere Reihe, Mitte) und seinen Schülern. Alle tragen einheitliche Schuluniformen, sind ähnlich gebaut, keiner sticht durch übermäßige Leibesfühlle hervor und es entsteht der Eindruck, als wäre diese Gruppe recht homogen aufgebaut.

     
     

Der Lehrer kann hier noch so gut sein - je schlechter die Gruppenzusammensetzung, desto schlechter das Training bzw. der Trainingsfortschritt, da man den passenden Trainingspartner in dieser Gruppe höchstwahrscheinlich nicht finden wird.

Man kann sich also merken:
Wing Chun steht und fällt mit einem guten Trainingspartner! Wenn davon in der Schule zu wenig vorhanden sind, sollte man die Schule meiden oder zügig verlassen.

Denn Lebenszeit mit schlechten Trainingspartnern - so schön Wing Chun auch ist oder sein mag - will man ganz sicher nicht verplempern.

(nach oben)

     
           
    5. Wie gut ist die persönliche Betreuung durch den Lehrer?      
     

Wer Wing Chun erlernen möchte, sollte nach Möglichkeit eine gute Betreuung direkt durch den Lehrer der Schule erhalten, um das Wissen quasi aus erster Hand zu bekommen.

   
     


Bruce Lee und Yip Man beim Chi Sao Training - Der direkte Wissenstransfer vom Lehrer zum Schüler gewährleistet den optimalen Austausch. Man sollte also möglichst direkt und unmittelbar vom Lehrer betreut werden.

   
     

Man sollte daher gleich zu Beginn klären, wieviele Schulen der Lehrer unterhält.

Viele Lehrer versuchen, ihren durch Wing Chun Training erzielten Gewinn zu maximieren - und das funktioniert wie oben schon erwähnt als erstes über die Mitgliederzahl.

Daher unterhalten manche Lehrer gleichzeitig mehrere Schulen, in denen sie unterrichten.

Je mehr Schulen betrieben werden, desto mehr Mitgliedsgebühren fallen aufgrund der höheren Mitgliederzahl ab und desto mehr verdient der Lehrer. Triviale Rechnung ...

Natürlich möchte jeder Schüler von dem Lehrer persönlich unterrichtet werden. Dummerweise kann der Lehrer sich aber nicht zwei-, drei- oder vierteilen, um in mehreren Schulen gleichzeitig zu unterrichten. Also muss er mindestens einmal pro Woche in jeder seiner Schulen auftauchen, um die Bedürfnisse seiner Mitglieder zu bedienen und fährt entsprechend pingpong-artig von Schule zu Schule.

Der negative Nebeneffekt vieler Schulen ist daher, dass der Lehrer nicht zu allen Trainingszeiten anwesend ist, sondern sich von Assistenztrainern vertreten lässt.

Meistens sind diese Assistenztrainer selbst noch Schüler. In bestimmten größeren WT-Organisationen (z.B. solche mit 12 Schülergraden, 4 Technikergraden, etc.) darf beispielsweise ein achter, zehnter oder zwölfter Schülergrad bereits als Assistenztrainer unterrichten.

Diese Assistenten befinden sich aber selbst noch mitten in der Ausbildung und haben weder einen ausreichenden Überblick über das Wing Chun System noch sind sie in der Ausführung der Techniken routiniert - sie sind noch überhaupt nicht ausgereift.

Das stört natürlich, wenn man ausgerechnet wegen des Lehrers die jeweilige Schule gewählt hat und nicht von den Assistenztrainern dieselbe Qualität bekommt.

Weitere Nachteile solcher Assistenztrainer ist, dass diese meistens in den Schulen rotieren - also heute in Schule A und morgen in Schule B unterrichten. Als Konsequenz fehlt der rote Faden für die Schüler, nach denen sie Wing Chun erlernen sollten.

     
     


Wing Chun ohne roter Faden ist wie ein Labyrinth - Man benötigt für Wing Chun wie für jede Kampfsportart einen Lehrer mit "Überblick". Ohne diesen Überblick ist man recht schnell im System verloren und versteht nicht mehr, worum es eigentlich geht. Assistenten, die selbst noch Schüler sind, können diesen roten Faden durch das Wing Chun System nicht ausreichend qualifiziert aufzeigen, geschweige denn qualifiziert ausbilden.

     
     

Recht häufig werden die Assistenztrainer vom Lehrer auch noch unbemerkt finanziell über den Tisch gezogen, da sie für ihre Unterrichtstätigkeit häufig kein Endgeld bekommen oder der Vertrag ausgesetzt wird. Stattdessen müssen sie wie normale Mitglieder Mitgliedsbeiträge zahlen. Wer soetwas mit sich machen lässt, ist selber schuld.

Abgesehen von solchen Unterrichtsproblematiken wäre es allerdings noch schlimmer, wenn das Training, dass man von den Assistenztrainern bekommt, besser als vom Lehrer ist, weil dieser nur noch als Manager der Schule auftritt und seine Funktion darauf beschränkt ist, hinter der Trainingskulisse die wirtschaftlichen Fäden zu ziehen.

Sollte der Lehrer also nur noch das "Management" seiner Schulen übernommen haben, von Lehrgang zu Lehrgang fahren und dort Lehrgangsgebühren und Prüfungsgebühren abgreifen und den Rest seinen Assistenztrainern überlassen haben, läuft irgendetwas gigantisch schief.

Zuguterletzt sollte man im Probetraining die körperliche Verfassung des Lehrers kritisch betrachten.

  • Macht er Fitnesseinheiten mit oder gibt er nur Kommandos?
  • Trainiert er kontinuierlich mit seinen Schülern oder lässt er andere die Arbeit machen?

Wenn der Trainer nur noch dirigiert und selbst einen dicken Wanst samt pompöser Titel vor sich herschiebt, hätte ich größte Zweifel, dass hier jemand unterrichtet, der die Lehre des Kung Fu - der "harten Arbeit" - intensiv verinnerlicht hat.

     
     


Fett statt fit - ein dicker Wanst und dicke Titel statt Disziplin und Vorbild - Lehrer mit Wanst können wohl kaum eine Vorbildfunktion für ihre Schüler einnehmen, wenn es um die Vermittlung von Wing Chun geht. Wie wollen sie argumentieren, dass man fit sein muss, Disziplin an den Tag legen muss und die Bedeutung von Kung Fu als "harter Arbeit (an sich selbst)" verinnerlicht hat?

     
     

So jemand kann kein Vorbild sein! Denn was will man von ihm über harte Arbeit im Sinne des Kung Fu lernen? Harte Arbeit - vor allem an sich selbst - hat er vermutlich noch nicht verrichtet. Dementsprechend wird seine Lehre wie leere Worthülsen klingen und er wird auf Dauer nicht ernst genommen werden.

Ein Lehrer sollte selbst unterrichten, sich selbst fit halten, immer an vorderster Front dabei sein und mitkämpfen - natürlich je nach Alter, aber dennoch so gut es geht.

Also auch hier gilt: "Augen auf!"

(nach oben)

     
           
 
 

6. Welche Inhalte werden unterrichtet und wann lernt man was?

     
     

Wing Chun wird je nach Schule, je nach Stil oder Linie unterschiedlich unterrichtet.

Dennoch gibt es häufig einen gewissen "Grundkanon an Inhalten", der so gut wie überall teilweise - oder seltener - komplett vermittelt wird.

Ich zähle nachfolgend die Inhalte auf, die man finden kann - mit Betonung auf "kann" aber nicht "muss".

   
     


Welche Inhalte stehen heute auf dem "Wing Chun Speiseplan" - Je nach Lehrer, je nach Schule und je nach Stil werden unterschiedliche Wing Chun Inhalte vermittelt. Will man eine umfassende Ausbildung haben, muss man vermutlich viele Lehrer aufsuchen und den Kern deren Lehre erfassen und - bei Bedarf - in das eigene Repertoire aufnehmen.

   
     

Diese Liste ist daher nicht für jede Schule, jeden Verband oder jede Organisation gültig oder gar bindend. Manche Lehrer vermitteln viel, andere Lehrer eher wenig.

Was man in der jeweiligen Schule lernen kann, muss bzw. sollte man zu Beginn erfragen.

1. Formentraining:

  • Siu Nim Tao
  • Cham Kiu
  • Biu Tze
  • Mok Yan Chong Fat (Holzpuppenform)
  • Saam Sin Chong Fat (Tripodalpuppenform)

2. Waffentraining:

  • Look Dim Poon Kwan (Langstockform + Anwendungen)
  • Bart Cham Dao (Doppelmesserform + Anwendungen)

3. Grundtechniken / Grundschule:

  • Schrittarbeit
  • Handtechniken
  • Grundlagendrills (Spaliertraining, etc.)

4. Reflex- und Reaktionstraining:

  • Chi Sao (Dan Chi Sao, Poon Sao, Sektionen, Partnerformen, etc.)
  • Chi Gerk

5. Freikampf / Sparring / Wettkämpfe:

  • Lat Sao
  • Hongkong Lat Sao
  • Anwendungen
  • Sparring
  • freier Bodenkampf (Randori)
  • Wettkämpfe

6. Kraft- / Ausdauer-/ Schlagkrafttraining:

  • Schnellkrafttraining
  • Kraftausdauertraining
  • Schlagkrafttraining
  • Pratzentraining (Tritte, Schläge)
  • Sandsack- bzw. Wandsacktraining

7. Situationstraining:

  • Situationstraining
  • Deeskalationstraining
  • etc.

8. Die "innere" Seite von Wing Chun

  • Qigong / Chikung
  • Atemtechniken
  • etc.

9. Theoretische Inhalte:

  • Geschichte des Systems
  • Ahnenreihe / Stammbaum
  • Philosophische Aspekte
  • Zentrallinientheorie
  • Leitsätze / Mottos / Kuen Kuits
  • usw. ... hier gibt es eine zahllose Reihe von Inhalten

Ich erläutere an dieser Stelle nicht, was unter diesen einzelnen Punkten verstanden wird, da ich unter der Rubrik "Training" jedem dieser Punkte eine eigene Seite bzw. mehrere Seiten gewidmet habe. Man kann sich also dort belesen.

Man sollte in der präferierten Schule nachfragen, welche der oben aufgelisteten Inhalte vermittelt werden und ab wann man diese lernt bzw. ob man diese überhaupt lernt.

(nach oben)

     
           
    7. Gibt es Graduierungen?      
     

Für viele Leute ist die Frage nicht ganz unerheblich, ob es in einer Wing Chun Schule Prüfungen gibt und ob man Graduierungen erwerben kann.

Wir alle kennen asiatische Kampfsportarten wie Judo oder Karate, in denen sich die Judokas bzw. Karatekas nach erfolgreicher Prüfung mit farbigen Gürteln (z.B. in der Farbfolge: gelb, orange, grün, blau, violett, braun, schwarz) schmücken. Graduierungen sollten demnach ein Zeichen von Kenntnis, Technikbeherrschung und Erfahrung sein.

   
     


Typische Graduierungsfarbfolge in asiatischen Kampfsportarten - Graduierungen - wie z.B. im Karate - werden anhand farbiger Gürtel kenntlich gemacht. Die typsische Farbabstufungen sieht man hier. Der Anfänger beginnt mit einem weißen Gürtel und arbeitet sich über gelb, orange, grün, blau, violett und braun bis zum schwarzen Gürtel vor. Dann hat er sich - nach asiatischer Auffassung - als würdig erwiesen und sein eigentliches Training beginnt.

   
     

Ursprünglich hatte das Erlernen einer Kampfkunst kein konkretes Ziel in Form von Titeln, Abzeichen oder farbigen Gürteln. Es gab und gibt lediglich das kontinuierliche Streben nach Perfektion im eigenen Handeln und Tun.

Dieser Grundgedanke asiatischer Kampfkünste im Sinne von "der Weg ist das Ziel" wird allerdings durch Graduierungen teilweise ausgehebelt, da Graduierungen eine Kampfkunst zerhackstücken, portionieren und Lernschritte als Etappenziele darstellen.

Sie verleiten letztlich dazu, eine bestimmte Graduierung, einen bestimmten Gurt, eine Schärpe, ein Abzeichen oder einen Titel als das finale Ziel beim Erlernen der Kampfkunst bzw. Kampfsportart anzusehen.
Nach Erreichen dieses Ziels erliegt man der Illusion, am Ende der eigenen Ausbildung angelangt zu sein und beendet meistens die Arbeit an sich selbst, wodurch die persönliche Entwicklung stagniert. Im schlimmsten Fall kündigen manche Leute sogar bzw. beenden das Training komplett, da sie der Meinung sind, nach der hohen Graduierung (z.B. Schwarzgurt) sei nichts mehr zu lernen.

Graduierungen haben weiterhin den Nachteil, dass sie eine hierarchische Abgrenzung der Trainingspartner untereinander ermöglichen und manchem Anlass zu Aufgeblasenheit und Hybris geben.

Zudem unterliegen Graduierungen bei der Vergabe der subjektiven Wahrnehmung der Prüfer, was bedeutet, dass sie nicht immer "zu Recht" vergeben werden.

Graduierungen können also durchaus positiv sein, da man an ihnen den persönlichen Lernfortschritt ablesen kann und im günstigsten Fall weiß, wo man im System steht.

Aber sie können sich auch negativ auswirken, wenn man "geistig schwach" ist und sich - im Gegensatz zum Kern des Kung Fu Trainings - zu Angeberei und Protzgehabe verleiten lässt und meint, über die Graduierungen sein Selbstbewusstsein aufpolieren, Minderwertigkeitskomplexe kompensieren und sich über andere erheben zu müssen.

Man muss auch bedenken, dass Graduierungen gerade im Wing Chun nicht umsonst - also ohne Geldzahlungen - vergeben werden.

Als weitere Einnahmequelle kosten Prüfungen natürlich Geld (häufig gilt hier: "je höher der Grad, desto teurer") und werden nicht selten nur auf speziellen Prüfungslehrgängen abgenommen, wobei der Lehrgang nochmals Geld kostet.

Graduierungen können also ebenfalls als Hebel missbraucht werden, über den der Lehrer weiteres Geld aus seinen Schülern zu holen versucht.

Wer die Prüfung nicht ablegt und somit dem Lehrer kein Geld zahlen will, kann vom Lehrer willkürlich im Lernfortschritt gebremst werden - ganz nach dem Motto:

  • "Wenn Du die Prüfung nicht ablegst, darfst Du das Programm auf den nächsten Grad nicht lernen" oder
  • "Wenn Du die Sektionsgebühren nicht bezahlst, darfst Du die Sektion nicht mit den anderen Trainingspartner, die diese schon bezahlt haben, trainieren."

Graduierungen können weiterhin als Druckmittel missbraucht werden, um Schüler von Kündigungsabsichten abzuhalten.
Dies wird beispielsweise bewerkstelligt, indem man ihnen droht, dass ihnen sämtliche Graduierungen bei Kündigung aberkannt werden. Man hat also bei dem Gedanken der Kündigung stets das Gefühl, dass alle Mühen der vergangen Trainingsjahre mit Blick auf die schönen Graduierungen umsonst waren (... was logischerweise Quatsch ist).

Zusätzlich kann es zwischen Graduierungen Mindestwartezeiten geben, an die sich jeder zu halten hat. Grundgedanke ist hierbei, dass Techniken bei konstantem Training eine gewisse Zeit benötigen, bis sie in den Bewegungsapparat eingesunken sind und verinnerlicht wurden.
Andererseits können Mindestwartezeiten wiederum künstliche Barrieren darstellen, um den Schüler "zu parken" und über die Dauer der Wartezeit wiederum Monatsgebühren zu kassieren. Je nachdem ...

Auch hier muss man sich also gut überlegen, ob man wirklich Graduierungen braucht oder haben will und was einen der Graduierungsspaß kosten wird bzw. kosten kann ... Schließlich ist eine Graduierung nur so lange ein Indiz für Fähigkeiten, wie man auch aktiv und kontinuierlich trainiert.

Trainiert man nicht mehr, müsste man die Graduierung prinzipiell abgeben bzw. ablegen. Sie kündet nur noch von vergangen Zeiten, in denen man ein bestimmtes Niveau erlangt hatte, mittlerweile aber verloren hat.

Ich persönlich habe Graduierungen früher als sehr wichtig eingeschätzt, habe meine Meinung aber inzwischen komplett geändert und halte sie für vollständig verzichtbar.

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    8. Gibt es Probetraining und was kostet es?      
     

Probetraining ist natürlich ein ganz wichtiger Punkt bei der Auswahl der passenden Schule. Nur so kann man viele Fragen direkt klären und sich einen Eindruck vor Ort verschaffen.

Will ich wissen, wie das Training in einer Schule abläuft, muss ich dort Probetraining absolvieren.
Ich kann danach beurteilen, wie der Lehrer unterrichtet, wie das Training gestaltet ist, ob es Fitnesseinheiten, Sparring, etc. gibt, wie groß die Gruppe ist, wie die Räumlichkeiten gestaltet sind, wie die Gruppe zusammengesetzt ist, und ... und ... und ...

Probetraining ist also das A und O bei der Auswahl der richtigen Schule. Bevor ich nicht etliche Male Probetraining gemacht habe, würde ich ganz sicher keinen Vertrag unterschreiben.

Die ersten Fragen wären also, ob es Probetraining gibt, wie lange das dauert und wie häufig man Probetraining machen darf?

In einem einzigen Probetraining bekommt man ganz sicher nicht den nötigen Querschnitt des Trainingsalltages mit.
Stattdessen sollten als Angebot mehrere Einheiten Probetraining möglich sein. Ich persönlich ermögliche Neuinteressenten einen Monat kostenloses Probetraining, da meine Erfahrung gezeigt hat, dass man eine so lange Zeitspanne benötigt (als Schüler und als Lehrer), um sich ein Bild sowohl vom Lehrer als auch vom Neuinteressenten zu machen.

Probetraining ist keine Einbahnstraße!

Der Neuinteressent bewertet die Schule (Lehrer, Mitglieder, Training, etc.) und der Lehrer und die Mitglieder bewerten den Neuinteressenten (Fitness, Koordination, passt in die Gruppe oder nicht, etc.). Jeder überlegt sich, ob man zusammen passt und zusammen trainieren will.

Wie soll sowas in einer einzigen Probetrainingseinheit klar werden?

Weiterhin sollte geklärt werden, was das Probetraining kostet - und meiner Meinung nach sollte das Probetraining kostenlos sein.

   
     


Probetraining sollte kostenlos sein - Viele Lehrer versuchen bereits, durch das Probetraining Geld zu verdienen und knüpfen das Probetraining direkt an den Abschluss eines Mitgliedvertrages.

     
     

Ich sage das bewußt, da ich genug Schulen und Verbände kenne, in denen das Probetraining Geld kostet (z.B. 1,5 Stunden für 20 EUR).
Hier wird der Neuinteressent damit geködert, dass die Kosten für das Probetraining bei Vertragsabschluss auf den ersten Monatsbeitrag angerechnet werden.

Sowas kann man natürlich mit den Neuinteressenten versuchen. Ich halte solche Bedingungen für ein Probetraining allerdings für armselige "Bauernfängermethoden", die zweifelhaft und schon im Ansatz unehrlich sind.
Wie soll sich bei so einer Verhaltensweise ein gutes Schüler-Lehrer-Verhältnis ausbilden, wenn gleich zu Beginn schon abkassiert wird?
Im Übrigen sollte ein gutes Probetraining den Neuinteressenten ganz von selbst dazu bringen, Mitglied werden zu wollen und einen Vertrag zu unterzeichnen.

Man sollte sich also gut überlegen, ob man bei einem Lehrer trainieren will, der sich bereits das erste "Reinschnuppern" in das Training finanziell vergüten lassen möchte. Vermutlich warten hier noch viele weitere versteckte Zahlungen / Kosten.

Außerdem sollte man aufpassen, dass das Probetraining nicht in irgendeiner Weise an das Unterzeichnen eines Mitgliedsvertrages gekoppelt ist.

Es ist immer gut, nach dem Training nach hause zu gehen und eine Nacht über das Erlebte zu schlafen. Man kann in aller Ruhe überlegen, ob man wirklich dort trainieren will und was die Konsequenzen sind.

Wird man nach dem Training mehr oder weniger aufdringlich bearbeitet oder fühlt sich in den Vertrag gedrängt, würde ich nicht unterschreiben!

(nach oben)

     
           
   

9. Nimmt man sich Zeit für Dich?

     
     

Wichtig ist auch, dass man ausreichend betreut wird. Hier müssen wir allerdings zwischen Probetraining und regulärem Training unterscheiden.

Im Probetraining sollte sich der Trainer / Lehrer im Rahmen seiner Möglichkeiten so ausführlich mit dem Neuinteressenten beschäftigen, dass dieser einen guten Eindruck bekommt, wer ihn in Zukunft unterrichten wird und was er von dem Lehrer in der Schule lernen kann.

Man kann in der Phase des Probetrainings allerdings nicht erwarten, dass man sofort alles vermittelt bekommt.
Der Trainer muss neben der Betreuung des Neuinteressenten immerhin sein reguläres Training anleiten. Dementsprechend kann der Neuinteressent ganz sicher keine 1:1 Betreuung erwarten.
Das ist auch mit ein Grund, warum es mehrere Einheiten Probetraining geben sollte. Nach mehrere Malen Probetraining sollte man das Gefühl haben, dass man gute Betreuung - sowohl vom Lehrer als auch von den anderen Mitgliedern - bekommen hat und zukünftig bekommen wird.

Ist man schließlich Mitglied in der jeweiligen Schule, sollte man auch im regulären Training eine gute Betreuung bekommen und gut in die Gruppe eingegliedert sein. Schließlich lernt man nicht nur vom Trainer allein sondern bekommt etliche Sachen auch von den anderen Trainingspartnern vermittelt.

Die Trainingspartner sind also genauso Vermittler von Wissen, wie der Lehrer. Dennoch bekommt man letzten Endes immer den Feinschliff vom Trainer selbst. Immerhin ist es seine Schule und man lernt dort die Wing Chun Interpretation des jeweiligen Trainers / Lehrers. 

Es sollte daher so gut es geht geprüft werden, ob sich der Lehrer ausreichend Zeit nimmt und ob man gute Kontakte zu den anderen Trainingspartner knüpfen kann.

   
     


Der Lehrer sollte sich Zeit für jeden einzelnen Schüler nehmen - Wing Chun lernt man sowohl vom Lehrer als auch von den einzelnen Trainingspartnern. Letztenendes bekommt man aber immer den Feinschliff vom Lehrer - daher sollte man ausreichend Zeit mit dem Lehrer verbringen, um sich diesen Feinschliff verpassen zu lassen.

     
     

Wenn man sich "abgestellt" fühlt und man nichts mehr gezeigt bekommt, sollte man den Lehrer ansprechen.

Wenn sich nichts ändert und man dauerhaft nichts lernt oder gezeigt bekommt, sollte man in letzter Konsequenz kündigen und sich eine andere Schule suchen.

(nach oben)

     
           
    10. Was kostet die Mitgliedschaft?      
     

Eine Mitgliedschaft in einer Schule, einem Verein oder einem größeren Verband kostet Geld. Diese Erkenntnis ist ebenfalls trivial.

Sei es im Tennisverein, Kegelverein, Segelverein, Schützenverein oder Golfclub ... Mitgliedschaften sind nicht umsonst. Immerhin bezieht man eine Leistung von einem Dritten und muss diesen im Gegenzug entlohnen.

Allerdings bezahlt man zunächst gar nicht den Trainer sondern deckt über den Mitgliedsbeitrag dessen laufenden Unkosten.

Will man als Trainer Kampfsport- bzw. Kampfkunsttraining anbieten, benötigt man Räume, die angemietet werden müssen. Diese Räumlichkeiten müssen beheizt werden und es fallen (je nach Schulausstattung) Kosten für Duschen, Umkleiden, Toiletten und Mietnebenkosten an. Je nach Dorf, Stadt oder Großstadt können durchaus höhere Beträge auf den Lehrer zukommen.

Vielen Mitgliedern ist beispielsweise nicht klar, wie teuer es werden kann, eine Schule zu unterhalten bzw. anfangs zu eröffnen. Rechnet man noch Unkosten für die Ausrüstung hinzu, kann es richtig teuer werden.

   
     


Wing Chun zu trainieren oder anzubieten kostet normalerweise Geld - Jeder muss mit Kosten rechnen - der Trainer, der Räume anmieten muss, Equipment zur Verfügung stellen muss, wie auch der Schüler, der die Leistungen des Trainers entlohnen muss. Leider ist fast nichts umsonst auf dieser Welt ...

   
     

Welche Bedingungen man erfüllen muss bzw. mit welchen Kosten man bei Eröffnung einer durchschnittlichen Kampfsportschule rechnen muss, kann man in dem Artikel "Kosten bei der Eröffnung einer Kampfsportschule" lesen.

Bezieht der Trainer lediglich den Mitgliedsbeitrag (ca. 40 - 60 EUR) und hat eine durchschnittlich große Gruppe (ca. 40 aktive Mitglieder), kann man davon ausgehen, dass er sich nicht dumm und dämlich an dem Training verdient sondern gerade mal seine Unkosten deckt. Immerhin zieht das Finanzamt am Jahresende auch noch die Steuern ein.

Es kommt bzgl. der Höhe der Mitgliedsgebühren darauf an, wo man trainiert. In Großstädten sind Räumlichkeiten stets teurer als in kleineren Städten oder in Dörfern. Je nach Quadratmeterzahl / Fläche der Räume wird es bei größeren Flächen ebenfalls teurer. Alle weiteren Ausstattungen wie z.B. Umkleide, Toiletten, Duschen machen es ebenfalls teurer.

Lange Rede, kurzer Sinn:
Wenn man eine eigene Schule hat - also nicht an einen Verein angeschlossen ist, der die Räumlichkeiten stellt - und lediglich die Mitgliedsgebühren bezieht, muss ein Mindestbetrag entrichtet werden, der die Unkosten deckt und schließlich noch den Trainer im gewissen Maß entlohnt. Dennoch ist eine Kampfsportschule kein Weg, um über den reinen Mitgliedsbeitrag reich zu werden.
Beschränkt man sich auf die reinen Mitgliedsbeiträge, ist eine Kampfsportschule eher etwas für Enthusiasten, die selbst gerne trainieren wollen und ihre Kampfkunst mit Leidenschaft betreiben.

Ich halte Mitgliedsbeiträge im Bereich von 40 - 60 EUR für ca. 6h Training pro Woche für vertretbar. Dennoch muss jeder selbst entscheiden, was er zu zahlen bereit ist.

Aufpassen sollte man aber definitiv, wenn es weitere Kosten neben den Mitgliedsbeiträgen gibt. Hier versucht der Lehrer in der Regel, seinen Gewinn zu maximieren, indem er neben dem Training als Hauptinhalt weitere "Produkte" platziert, über die er Geld kassieren kann.

Siehe dazu weiter unten.

(nach oben)

     
           
    11. Wie sehen die vertraglichen Bedingungen der Mitgliedschaft aus?      
     

Das Trainingsangebot einer Wing Chun Schule wird normalerweise gegen Bezahlung vermittelt - es handelt sich somit um eine Dienstleistung.

Üblicherweise wird bei Beginn der Mitgliedschaft ein Vertrag zwischen dem Schulinhaber und dem Anfänger geschlossen.

   
     


Wissensvermittlung nach Abschluss eines Vertrages - Üblicherweise wird Wing Chun nur nach Vertragsschluss zwischen Schüler und Lehrer vermittelt. Der Schüler verpflichtet sich zur Zahlung eines vereinbarten Geldbetrages und zur Einhaltung der vereinbarten Regeln.

   
     

Man muss den Vertrag aufmerksam durchlesen und prüfen, auf was man sich einlässt.

Wichtig sind vor allem die zwei Punkte "Vertragsdauer und die Kosten".

Trainiert man z.B. in einer Großstadt wie München in einer WT-Schule, die eine Basismitgliedschaft für 79 Euro anbietet, dabei aber eine Vertragsdauer von 12 Monaten vorschreibt, kann man sich ausrechnen, dass man mindestens ein Jahr gebunden ist und definitiv 12 x 79 EUR = 948 EUR zahlen muss - man ist also mit knapp 1000 EUR pro Jahr dabei. 
Ob der hohe Preis gerechtfertigt ist, muss man sich genau überlegen. Viele Schulen bieten lediglich 1,5 h Training an - das reicht gerade mal zum Aufwärmen und kurzem Training. Eh man sich versieht, ist es wieder vorbei. Für viele, die wirklich Wing Chun lernen wollen, reichen solche kurzen Trainingsdauern nicht.

Üblicherweise möchte man die Mitglieder natürlich so lange wie möglich binden und die Kündigung erschweren - desto länger kann man Geld einnehmen. Das ist ja auch das ganz normale Gebaren im Geschäftsleben. Warum sollte das im Wing Chun anders sein?

Dementsprechend wird in Standardverträgen gerne eine "einjährige Mitgliedschaft" vereinbart und lediglich eine "einmonatige Kündigungsfrist" gegeben. Wer diese Frist verpasst, muss ein weiteres Jahr zahlen.

Solche Verträge sind natürlich sehr ärgerlich, wenn man nur einmal Probetraining machen durfte und (noch euphorisch vom ersten Training) sofort in so einen Vertrag gedrängt wurde. Zwei Wochen später ist die Zufriedenheit mit dem Training evtl. anders und man hätte doch lieber nicht den Vertrag unterzeichnet. Dumm, wenn man dann ein Jahr gebunden ist und zahlen muss.

Ich halte daher ein gestaffeltes Verfahren aus einem Monat kostenlosem Probetraining, danach einem halben Jahr Probemitgliedschaft ohne Kündigungsfrist (Vertrag verlängert sich nicht und läuft einfach aus) und anschließendem Mitgliedsvertrag über ein halbes Jahr mit einmonatiger Kündigungsfrist für äußerst fair.
Der Neuinteressent hat somit sehr lange Zeit, sich zu überlegen, ob er mittrainieren will, kann danach noch ein halbes Jahr Probemitgliedschaft weiter testen und erst dann ist er regulär mit Kündigungsfrist vertraglich gebunden. Ich schätze, dass das das fairste Vertragssystem im Wing Chun (WT, VT, VC, etc.) derzeit ist.

Leider denken nicht alle Lehrer so und versuchen, die Neuinteressenten mittels langer Verträge und entsprechender Kündigungsfristen zu binden. Daher muss man genauestens prüfen, was man da eigentlich unterschreibt. Zusätzlich sollte man den Vertrag sauber aufheben und abheften, damit man das Datum bzgl. Kündigung überprüfen kann und auch weiß, wie man aus dem Vertrag wieder herauskommt.

Will man wieder aussteigen, spielt die "Kündigungsfrist" eine Rolle.

Beispielsweise heißt es: "Kündigung spätestens drei Monate vor Vertragsende, ansonsten verlängert sich der Vertrag um ein weiteres Jahr". Lässt man diese Frist verstreichen, kann man schnell ein weiteres halbes bzw. weiteres ganzes Jahr Mitglied bleiben, obwohl man schon lange aussteigen wollte.
Es ist also wichtig, dass man die Frisen wahrt, stets schriftlich und formal kündigt (egal wie gut das Verhältnis zum ehemaligen Lehrer ist) und die Kündigung unbedingt per "Einschreiben mit Rückschein" bei der Post aufgibt, damit man auch sichergehen kann, dass der Schulinhaber die Kündigung auch ordnungsgemäß erhalten hat. Ansonsten kann es unschöne Überraschungen geben und man muss weiter zahlen.

Auch sollte man stets auf Sonderklauseln achten, die evtl. rechtswidrig sein können.

Gibt es bei Kündigung Ärger mit dem ehemaligen Lehrer / Trainer bzw. Schulinhaber, sollte man den Vertrag zur Not vom Rechtsanwalt prüfen lassen bzw. im Zweifelsfall rechtliche Schritte unternehmen.

Eine Sache muss an dieser Stelle bzgl. Kündigung von Verträgen auch noch erwähnt werden - genauer gesagt: "die Aberkennung von Graduierungen bei Kündigung".

Wenn die ehemalige Schule bzw. der ehemalige Verband bei Kündigung den Pass / Mitgliedsausweis zurückfordert und die Graduierungen zu entziehen versucht, ist das schlichtweg grober Unfug, auf den man sich grundsätzlich nicht einlassen sollte!

Solche unhaltbaren Regeln sind nur ein weiteres albernes Druckmittel bzw. eine Einschüchterungsmethode, die Verbände benutzen, um Mitglieder von der Kündigung abzuhalten. Dabei ist doch logisch, dass eine einmal erbrachte Leistung selbstverständlich nicht nachträglich aberkannt werden kann, als hätte man sie nie vollbracht.

Grober Unfug und in meinen Augen erst recht ein Kündigungsgrund!

(nach oben)

     
           
    12. Welche Kosten kommen neben der Mitgliedschaft auf Dich zu?      
     

Wing Chun gilt in der Kampfsport- bzw. Kampfkunstwelt als eine der teuersten zu erlernenden Kampfkünste. Das liegt nicht zuletzt an der teils "unverschämten Geldgier" mancher Lehrer.
Geschickt werden die Mitglieder gedrängt, weitere Kosten neben den regulären Mitgliedsbeiträge zu bezahlen. Dazu generiert der Lehrer weitere Produkte bzw. vermittelt Trainingsinhalte erst gegen Zusatzzahlungen.

Besonders viel Geld kann z.B. bei Sektionen, Formen, Waffenformen und Waffentraining, Speziallehrgängen, Prüfungslehrgängen und Prüfungen, Trainingskleidung, Privatstunden und Intensivausbildungen aus den ahnungslosen Anfängern herausgezogen werden.

Hier muss man als Anfänger ganz besonders vorsichtig sein, dass man nicht Stück für Stück in eine perfide Finanzstruktur hineingerät.

Wie in einem der vorherigen Absätze erwähnt, kann man als Trainer allein über Mitgliedsbeiträge kein Geld verdienen. Man deckt lediglich die laufenden Kosten und bekommt nach Steuerabzug am Monatsende vielleicht noch ein paar Euro heraus.
Das ist auch völlig in Ordnung, da es vielen Sportlern (inkl. Trainern) in der Regel auch nicht um das Geldverdienen sondern um das Training des Sportes an sich geht.

Dass man als Trainer dennoch etwas Geld verdient, ist natürlich ein netter Nebeneffekt, den vermutlich niemand ablehnt.

Leider scheint dieser geringe Verdienst manchem Wing Chun Trainer nicht zu reichen - er versucht entsprechend, weitere Einnahmequellen zu generieren.

   
     


Weitere Einnahmen durch neue Produkte - Reichen dem Lehrer seine Mitgliedsbeiträge nicht und wird er zum Teil sogar "gierig", versucht er weitere Einnahmequelle zu generieren und das "Angebot" seiner Schule aufzupeppen. Er erfindet Jahresbeiträge, Dachverbandsbeiträge, gibt kostenpflichtige Lehrgänge, vermittelt Formen, Sektionen, bzw. Inhalte nur noch gegen Zusatzzahlungen, verkauft Titel, etc. - hier kann enormer Missbrauch stattfinden.

   
     

Ich zähle in Kürze die Einnahmequellen auf, deren Existenz man prüfen sollte.

1. Zahlungen für Verbandsgebühren oder Jahresbeiträge
Es gibt größere Verbände, in denen jährlich ein Betrag für die übergeordnete Organisation entrichtet werden muss - dieser Betrag wird z.B. Dachverbandsbeitrag, Jahresbeitrag, Jahresgebühr oder Verbandsgebühr genannt.
Argumentiert wird hier, dass es gewisse bürokratische Arbeiten gibt, die damit finanziert werden. Dieser Betrag liegt i.d.R. bei 50 EUR. Was genau davon bezahlt wird, bleibt meistens verborgen.
Solche Jahresbeiträge halte ich grundsätzlich für überflüssig. Anfallende Kosten sollten über den Mitgliedsbeitrag abgegolten werden.

Dennoch muss jeder Verband bzw. jede Schule es letztlich halten, wie er/sie es will. Es ist aber zu prüfen, wie hoch der Betrag ausfällt und was eigentlich als Gegenleistung dafür erbracht wird. Man sollte eine klare Aussage erwarten können.

2. Zahlungen für einen Pass / Mitgliedsausweis
Bei Beginn der Mitgliedschaft wird den Mitgliedern manchmal ein Pass bzw. Mitgliedsausweis ausgestellt, in den die abgelegten Prüfungen und Lehrgangsteilnahmen eingetragen werden.
Dieser Pass ist eigentlich eine gute Idee, wenn man Prüfungen ablegen will bzw. wenn es Graduierungen in der Schule bzw. dem Verband gibt. Zudem kann man mit ihm seine Leistungen nachweisen, wenn man z.B. die Schule innerhalb des Verbands wechselt.

Allerdings sollte man sich klar machen, dass solche Leistungsnachweise lediglich nur in der gleichen Wing Chun Organisation anerkannt werden, in anderen Wing Chun Schulen bzw. Organisationen aber keinen Wert haben und normalerweise ignoriert werden.

Der Pass / Ausweis kostet ebenfalls Geld, der Betrag sollte maximal zwischen 5 - 15 EUR liegen. Das wäre dann meiner Ansicht nach in Ordnung.

Wird allerdings ein Jahresbeitrag oder ein Dachverbandsbeitrag erhoben, sollte der Pass inklusive sein, also nichts weiter kosten.

3. Zahlungen für Schuluniformen
Manche Schulen bzw. Verbände legen Wert auf das Tragen von Schuluniformen. Alle Schüler haben einheitliche Hosen und einheitliche T-Shirts zu tragen, damit kein Schüler aus der Gruppe hervorsticht. Typische Beispiele sind Judo, Karate, Tae-Kwon-Do, Aikido, etc. - asiatische Kampfsportarten, in denen das Tragen von Uniformen (Gi) selbstverständlich ist.

Schuluniformen werden von manchen Schülern allerdings kritisch gesehen, da man sich gerne individuell kleidet, mal kurze, mal lange Hosen tragen möchte, weite oder enge T-Shirts bevorzugt und auch bei der Farbwahl nicht eingeschränkt sein möchte.
Lehrer wiederum argumentieren, dass die Gruppe durch eine einheitliche Schuluniform homogen erscheint, keiner aus der Gruppe durch ausgefallene Kleidung auffällt und die Gruppe geschlossen und nicht wie ein komischer bunter Haufen aussieht.

Wie auch immer - es gibt sicherlich zig Gründe für aber auch gegen Schuluniformen, dennoch bestimmt der Schulinhaber, unter welchen Bedingungen er seine Wing Chun Interpretation vermitteln möchte.
Meines Erachtens werden Schuluniformen erst dann zur echten finanziellen Belastung, wenn pro Graduierung unterschiedliche T-Shirt-Farben fällig werden, man also bei Erreichen der nächsten Graduierung neben den Prüfungs- und Lehrgangsgebühren nun auch noch ein neues T-Shirt kaufen soll.

Man sollte also darauf achten, dass man nicht gezwungen wird, permanent neue Kleidung kaufen zu müssen. Zusätzlich sollte man sich erklären lassen, wie die Kosten für Kleidungsstücke zustande kommen, wenn sie einem zu hoch erscheinen.

4. Zahlungen für Schutzausrüstung
Wing Chun ist eine Kampfkunst, es geht also in erster Linie ums Kämpfen. Zum Schutz der eigenen Person aber auch zum Schutz des Partners sollte man sich gewisse Schutzausrüstung zulegen. Das ist unvermeidbar.
Dazu zählen Genitalschutz, Schienbeinschoner, Handschuhe und Zahnschutz. Weitere Schutzausrüstung wie z.B. Ellbogenschoner, Helm etc. sind nur bei Bedarf notwendig.

Was genau man benötigt, habe ich in dem Artikel "Trainingskleidung - Brauche ich spezielle Ausrüstung und was kostet mich das?" im Detail erklärt.

Am besten kauft man sich Schutzausrüstung bei namhaften Herstellern, die darauf spezialisiert sind. Man bekommt dafür Qualität für einen guten Preis. Manche Lehrer bieten Schutzausrüstung mit ihrem eigenen Logo an und schlagen auf den Herstellungspreis teils enorme Zusatzkosten drauf - so ist die Schutzausrüstung um etliches teurer. Dumm ist das vor allem, wenn man mit Wing Chun aufhören will und was anderes trainieren möchte. Man schleppt dann immer das Logo der alten Schule mit.

Auch hier sollte man stutzig werden, wenn der Lehrer "fordert", dass die Schutzausrüstung von ihm gekauft wird soll bzw. muss.

5. Zahlungen für Prüfungsprogramme
Prüfungsprogramme legen die Inhalte fest, die auf die einzelnen Graduierungen (falls solche vorliegen) abgeprüft werden. Manche Lehrer stellen hier Prüfungsprogramme zur Verfügung, die ebenfalls kostenpflichtig sind bzw. sein können. Programme sind stets eine gute Sache, da der Schüler hier den roten Faden ablesen kann, nach dem er unterrichtet wird, bzw. nach dem er lernen soll.

An sich kein Problem, wenn die Kosten sich im Rahmen halten. Allerdings sind mir auch Fälle bekannt, wo das Prüfungsprogramm ca. 5 EUR in der Herstellung kostet (4-Farbdruck, geheftet, etc.) und der Lehrer den Preis auf 20 EUR anhebt (400%).

6. Zahlungen für Lehrgänge und Prüfungen:
Lehrgänge sind häufig teuer und werden beispielsweise vierteljährlich veranstaltet.

Lehrgänge halte ich grundsätzlich für eine interessane Sache - allerdings nur dann, wenn es sich um "Speziallehrgänge" handelt, auf denen die Schüler Inhalte lernen, die im normalen Training so nicht vermittelt werden.
Weiterhin sind Lehrgänge auch dann sehr interessant, wenn es "offene Lehrgänge" sind, also wenn Schüler anderer Schulen oder auch anderer Stile sich dort treffen können, man also neue Leute und neue Sichtweisen, Techniken, etc. kennenlernen kann. Auf

Bei Lehrgängen sollte es also um "Horizonterweiterung" der Teilnehmer gehen.

Manche Lehrer haben dieses Konzept gleich von Anfang an über Bord gekippt und nutzen Lehrgänge hauptsächlich zum Geldverdienen. Anstatt wirklich Neues zu zeigen oder Kämpfer anderer Stile einzuladen und einen freundschaftlichen Austausch von Wissen und Erfahrungen durchzuführen, zeigen sie lediglich Inhalte Ihres regulären Trainings und prüfen ihre Schüler gegen weitere Kosten. Sinnvoll ist so ein Lehrgang dann nicht mehr, weswegen viele Schüler schon nach einigen solcher Lehrgänge keine Lust mehr verspüren, daran teilzunehmen.

Lehrgänge werden genau dann zum Problem, wenn der Lehrer den Schüler dort gerne "sehen" möchte und dessen Fortkommen im Wing Chun an seine Anwesenheit auf den Lehrgängen knüpft bzw. mit dem Ablegen von Prüfungen verbindet.

Prüfungen finden gerne nur auf Lehrgängen statt. Diese Lehrgänge kosten aber meistens 40-50 EUR. Dort wird dann das Standardprogramm "runtergeschraubt" und man trainiert lediglich das, was man auch sonst im Training trainiert - man erhält also keinen Mehrwert.

Zusätzlich werden auf den Lehrgängen Prüfungen abgelegt - diese kosten aber wieder Geld (typischerweise zwischen 10-20 EUR je nach Graduierung). Es sind also eher "Prüfungslehrgänge".
Da der Lehrer / Trainer prüft, lernt man von ihm meistens nichts Neues. Man legt lediglich seine Prüfung ab, muss dafür aber Lehrgangsgebühren zahlen und Prüfungsgebühren noch oben drauflegen. Das kann teuer werden.

Je höher die Graduierungen sind, desto mehr kosten die Prüfungen. Ich kenne Beispiele aus WT-Stilen, bei denen die Technikergrade mehrere hundert Euro kosten (z.B. 1. TG bzw. 1. HG 125 EUR, 2. TG bzw. HG 175 EUR ... usw.). Viel Geld für nichts ...

Diese Verknüpfungen von Lehrgängen und Prüfungen sind vor allem dann problematisch, wenn der Lehrer auf diese Weise wirklich bewusst Geld verdienen will. Jeder Schüler, der sich hier "zu entziehen versucht", bringt den Lehrer natürlich um den Verdienst und könnte evtl. auch noch andere Schüler anstiften, sich ebenso zu verhalten. Dann geht noch mehr Geld verloren.
Manche Lehrer stoppen daher den Fortschritt des Schülers auf dem Grad, den der Schüler innehat, bis er wieder eine weitere Prüfung erfolgreich ablegt (die er natürlich bezahlen muss). So entsteht quasi der Zwang, Prüfungen ablegen zu müssen, um überhaupt im Wing Chun voran zu kommen. Gar nicht gut ...

Eine weitere zweifelhafte Methode ist es, Grade zu teilen - also z.B. den 10. Schülergrad in zwei Teile zu unterteilen (10.1 und 10.2). Dafür fallen dann doppelte Prüfungsgebühren und doppelte Lehrgangsgebühren ab. Reine Geldschneiderei ...

7. Zahlungen für Extrakurse
Ganz beliebt sind auch Extrakursangebote - z.B. Bartraining, Sparringskurse, Situationstraining. Diese Kurse werden kostenpflichtig angeboten und können als Zusatzpakete "gebucht" werden.
Beispielsweise wird ein Sparringskurs angeboten, bei dem man für 10 Einheiten einen Zusatzbetrag von ca. 100 EUR bezahlen muss. Bei solchen Angeboten frage ich mich, wieso so etwas kostenpflichtig als Zusatzprogramm gebucht werden muss?

Viele solcher Zusatzangebote sollten standardmässig zum Training dazu gehören.

Es ist offensichtlich, dass hier ebenfalls Geldschneiderei stattfindet.

8. Zahlungen für Sektionen bzw. Partnerformen
Ein Herzstück im Wing Chun ist das Chi Sao Training - was allerdings nicht bedeutet, dass jeder Wing Chun Stil weltweit automatisch Chi Sao als Trainingsmethode verwendet. In Deutschland ist Chi Sao dennoch weit verbreitet.

In manchen Wing Chun Stilen sind die im Chi Sao vermittelten Übungen und Drills in sogenannte "Sektionen" oder "Partnerformen" zergliedert. Heißt: die Übungen und Drills werden in "Portionen bzw. Blöcken" vermittelt. Zu bestimmten Graduierungen gehören bestimmte Sektionen, die man beherrschen muss.

Logischerweise eröffnet sich hier eine wunderbare Einnahmequelle, da man diese Sektionen ebenfalls dem Schüler nur gegen Zahlungen vermitteln kann. Wie das Ganze funktioniert, stelle ich allerdings an anderer Stelle detailliert dar.

Ein Anfänger sollte gleich zu Beginn klar nachfragen, ob es Sektionen bzw. Partnerformen gibt, ob diese Geld kosten, wie sie vermittelt werden, ob sie Prüfungsinhalt sind - man also nur weiterkommt, wenn man sie bezahlt, etc. - hier wird den Schülern i.d.R. am meisten Geld abgeknöpft.

9. Zahlungen für Formen und Waffentraining
Das Wing Chun System enthält je nach Wing Chun Stil Formen. Das wären Siu Nim Tao, Cham Kiu, Biu Tze, Holzpuppenform, Tripodalform, Langstockform und Doppelmesserform.

In manchen Stilen bzw. Schulen muss man für diese Formen Geld bezahlen, was natürlich absoluter Quatsch ist. Preisbeispiele sind:

  1. Siu Nim Tao - kostenlos
  2. Cham Kiu - kostenlos
  3. Biu Tze - 100 bis 200 EUR (je nach Lehrer / Verband)
  4. Holzpuppenform - 200 bis 800 EUR (je nach Lehrer / Verband)
  5. Langstockform - 1500 bis 3000 EUR (je nach Lehrer / Verband)
  6. Doppelmesserform - 1500 bis 8000 EUR (je nach Lehrer / Verband)

Die Preise klingen so, als wäre der Lehrer verrückt geworden, entsprechen aber leider der Wahrheit.

Für das "Hantieren mit zwei Doppelmessern" will also so mancher Lehrer ernsthaft 8000 EUR vom Schüler haben (Namen nenne ich hier gerne auf Anfrage).

Ich frage mich wirklich, was in solche Lehrer gefahren ist?

Ich äußere mich dazu sehr ausführlich auch noch an anderer Stelle auf dieser Webseite .

Wie auch immer - hier muss ein Anfänger sehr genau aufpassen und mögliche Kosten sollten vorher von ihm erfragt werden.

10. Zahlungen für Privatstunden
Sehr beliebt sind auch Zahlungen für Privatstunden. Prinzipiell sind Privatstunden nichts schlechtes. Manche Schüler wollen gerne 1:1 Unterricht und "buchen" ihren Trainer quasi privat für sich. Die dabei entstehende Trainingszeit muss natürlich angemessen vergütet werden.
Ich persönlich habe ich mich immer schwer damit getan, den Preis für Privatstunden als angemessen zu empfinden. Kosten in Höhe von 50 EUR sind hier normal und in meinen Augen völlig überteuert.

Das Problem ist hier vor allem, den Wert von Wing Chun richtig und fair zu bemessen. Was ist eine Privatstunde, in der einem Körperbewegungen und theoretische Inhalte als zu bezahlende Ware vermittelt werden, wirklich wert?

Immerhin hat der Trainer Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte Zeit investiert, um seine Fähigkeiten (wenn denn wirklich welche da sind) zu entwickeln. Diese Mühen greift der Privatschüler indirekt mit ab und bezahlt diese. So gesehen sind entsprechende hohe Preise vermutlich in Ordnung. Ansonsten könnte der Trainer seine Zeit auch anderweitig verwenden und evtl. sogar mehr Geld mit anderen Tätigkeiten verdienen.

Man sollte sich aber stets die Frage stellen, was man aus einer Privatstunde wirklich mitnehmen kann - was kann man schon in 60 Minuten lernen?

Es handelt sich bei Wing Chun ja nicht um Ingenieurswissen, mit dem man seinen Lebensunterhalt finanzieren kann, sondern um Bewegungen, Drills und Theorie, die man für Selbstverteidigungssituationen benötigt, in die man evtl. nie wirklich kommt. Das erlangte Wisse wird man evtl. nie direkt in bare Münze umwandeln können.

Lohnt sich für sowas tatsächlich ein hoher Privatstundenpreis? - Ich glaube nicht ....

Jedenfalls muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er Privatstunden möchte und ob er den Preis dafür zu bezahlen bereit ist.

Aufpassen muss man vor allem, wenn manche Lehrer ihre Schüler geradezu in Richtung teurer Privatstunden pressen. Aussagen wie: "dann nimm halt eine Privatstunden" oder "dieses Wissen ist Privatstundenwissen und wird nur in Privatstunden vermittelt" etc. sollten misstrauisch stimmen.
Manche Lehrer verlagern Trainingsinhalte bewusst auf Privatstunden, um ihre Schüler in diese Geldmaschine zu drängen und über Privatstunden ebenfalls noch gewissen Reibach zu machen.
Man kann davon ausgehen, dass sie die Privatstunden höchstwahrscheinlich nicht versteuern - es wird i.d.R. schwarz kassiert.

Die Kosten für Privatstunden steigen übrigens mit dem Titel bzw. der Graduierung des Lehrers. Manche Lehrer geben sich gerade aus diesem Grund selbst den Titel eines Großmeisters, um besonders pompös zu erscheinen und hohe Privatstundengebühren in der Höhe von unverschämten 80-100 EUR zu verlangen.

Vorsichtig muss man auch bei der Dauer der Privatstunden sein. Diese werden nämlich gerne auf 45 Minuten verkürzt. Es ist also keine wirkliche Stunde, sondern eher eine "Privatdreiviertelstunde".
Ein früherer Lehrer von mir erklärte mir mal, was das für einen Sinn hat. Und zwar kommt der Schüler beispielsweise zur vollen Stunde. Man trainiert 45 Minuten und in den verbleibenden 15 Minuten hat der Schüler Zeit zum Umziehen und kann den Trainingsort zeitig verlassen, bevor der nächste Schüler zur nächsten Privatstunde kommt. Somit wissen bzw. sehen die Schüler nicht, wer Privatstunden bekommt und wer nicht. Als Resultat muss der Trainer also nicht befürchten, dass seine "Schwarzarbeit" irgendwo gemeldet wird - denn keiner weiß wirklich, wer Privatstunden bekommt und wer nicht. Denn Quittungen über Privatstunden stellt er ebenfalls nicht aus.

Privatstunden im Wing Chun können also eine ganz diffizile Angelegenheit sein.

11. Zahlungen für Ausbilderschulungen
Wer möchte nicht gerne Ausbilder sein? Manche Lehrer drängen talentierte Schüler dazu, Ausbilder zu werden - immerhin haben sie dadurch quasi kostenlos gute Assistenten und können weitere Schüler aufnehmen, die durch diese Assistenten betreut werden.

Ausbilderschulungen sind aber alles andere als kostenlos. Sie laufen über einen gewissen Zeitraum und sind normalerweise kostenpflichtig. Schwierig ist dieses Thema dann, wenn der Schüler eigentlich selbst noch am Anfang seiner Ausbildung steht - also gerade mal vier bis fünf Jahre Wing Chun betreibt. Nichts hat sich gesetzt, nichts ist richtig Routine. Und dennoch soll er schon unterrichten - das halte ich grundsätzlich für einen Fehler.

Will man dennoch Ausbilder werden und gibt es für soetwas eine Schulung, sollte man darauf achten, dass man bereits vorher eine gute praktische und theoretische Ausbildung erhalten hat, bevor man sich an das Unterrichten wagt. Die Kosten sollten sich im verträglichen Rahmen bewegen.

An dieser Stelle gehe ich nicht weiter auf die Kosten ein. Es gibt aber noch etliche weitere Einnahmequellen im Wing Chun wie z.B. Titel für Sifu, Dai-Sifu, Meister, oder Großmeister und andere Inhalte - man sollte auf jeden Fall genau prüfen, wozu man bei Eintritt verpflichtet wird und wie hoch die Preise sind.

Viele Lehrer sind leider äußerst kreativ bei der Erfindung weiterer Einnahmequellen und scheuen sich nicht, ihre Schüler dazu zu drängen, weiteres Geld neben den Mitgliedsbeiträgen zu zahlen und teils sinnlose "Produkte" zu kaufen, die mit Wing Chun im Kern nichts zu tun haben.

Also Augen auf!

(nach oben)

     
           
    13. Wie wird trainiert - hart, weich bzw. schlaff ...?      
     

Wie wird in der Schule der Wahl trainiert? Hart oder weich ... ?

Diese Frage ist auch essentiell im Wing Chun. Durch den Spruch: "Im Wing Chun nimmt man die Kraft des Gegners weich auf und nutzt sie gegen ihn selbst" wird man verleitet, anzunehmen, man könne selbst weich sein, benötige keinerlei Fitness, Härte oder Körperspannung.

   
     


Weiches, schlappes Training führt zu nichts - außer zu allgemeiner Schlappheit - Fitness, Härte, Körperspannung, Kondition, Kraft, Kraftausdauer, Kampferfahrung, etc. ... alles Punkte, die man sich erarbeiten muss. Das geht allerdings nur durch das entsprechende Training mit der entsprechenden Einstellung. Wird schlapp, weich und schlaff trainiert, kann nichts anderes außer Schlappheit, Weichheit und Schlaffheit resultieren. Und damit lässt sich ganz sicher nichts in einer Auseinandersetzung ausrichten.

   
     

Das ist ein großer Irrtum und wer das glaubt, verkennt die Realität echter körperlicher Auseinandersetzungen. Ohne Fitness, Kondition, Muskelkraft geht auch im Wing Chun nichts!

Ohne innere Härte und das Vermögen auch ordentlich einstecken zu können, ist man in jeder Selbstverteidigungssituation gnadenlos dem Gegner ausgeliefert.

Das Training und die Härte mit der im Training trainiert wird, bestimmt, wie man auf eine reale Auseinandersetzung vorbereitet wird. In der Regel geht es in realen Auseinandersetzungen äußerst brutal zu.
Schläge sind vorprogrammiert und wer hier weder Nehmerqualitäten besitzt, noch trainiert hat, auch ordentlich auszuteilen, obwohl man schon angeschlagen ist, hat kaum eine Chance.

Liegt dann noch mangelhafte Fitness, fehlende Kraft und Kondition vor, ist man voraussichtlich chancenlos.

Wer so trainiert muss sich nicht wundern, dass andere Kampfsportler wie Boxer, Kickboxer, Thai Boxer abwertend lächeln, wenn sie von Wing Chun hören ...

Ein schlaffes Training, in dem rumgeeiert wird und in dem kaum ein Tropfen Schweiß fließt, kaum Fitnessübungen stattfinden und auch sonst mehr Wellness als Training praktiziert wird, ist für ernsthaftes Wing Chun Training eine Katastrophe.
Man erliegt der Illusion, Wing Chun zu trainieren, muss aber evtl. in der Realität feststellen, dass man mit dem schlaffen Zeug und dem schlappen Körper, der nie wirklich kräftig aufgebaut wurde, nichts bewerkstelligen kann. Was kann schlimmer sein?

Wie bereits oben erwähnt, schaut man sich am besten zunächst den Trainer an. Schiebt dieser einen dicken Bauch vor sich her und redet mehr anstatt zu trainieren, würde ich schon stutzig werden.

Auch hier gilt der Spruch: "Wer ein Kämpfer sein will, muss mit echten Kämpfern trainieren."

Wer mit Gurken und Weicheiern trainiert, wird sich vermutlich auch nur zu einer Gurke und einem Weichei entwickeln.

     
     


Gurken und Weicheier - Wenn Gurken wie Gurken trainieren und Weicheier wie Weicheier, kann man davon ausgehen, dass die Gurken ewig Gurken bleiben werden - das Gleiche gilt für die Weicheier. Ein hartes, diszipliniertes und forderndes Training ist die Grundvoraussetzung für die Transformation eines Anfängers in eine potentielle Waffe, die ernsthaft Schaden anrichten kann.

     
     

Aber wer will das schon, wenn im eigenen Körper eine potentielle Waffe versteckt ist, die man nur mit Härte, Disziplin, Ausdauer und dem richtigen Training entwickeln muss?

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    14. Etikette, Zeremonien, etc. - gibt es sie und was beinhalten sie?      
     

Ein weiterer Punkt in diesem Artikel betrifft die Etikette und Zeremonien, die in asiatischen Kampfkünsten gerne gelebt werden. Verneigungen aus Respekt und Anrede mit Titeln wie z.B. "Sifu" sind keine Seltenheit im Wing Chun.

Das ist auch soweit kein Problem - gewisse Traditionen sind durchaus nett und helfen allen, sich vom Alltag zu lösen, von Problemen abzuschalten und sich auf das Training einzustimmen.

Allerdings muss man aufpassen, dass in der Schule keine überspitzte Pseudotradition vorherrscht, die nicht mal in China so gelebt werden würde.

Permanentes Verneigen wegen jeder Kleinigkeit und die dauernde Anrede von alles und jedem mit chinesischen Begriffen wie Sigung, Sifu, Dai-Sifu, Sihing, Todai usw. kann irgendwann so nerven, dass das eigentliche, weswegen man angefangen hat, in den Hintergrund tritt: das Wing Chun Training!

Zusätzlich kann zuviel Etikette wie ein Korsett wirken, in das der Schüler von Anfang an bewusst vom Lehrer eingeschnürt wird. Der Lehrer mag die dümmste Nuss sein - aber redet man ihn mit "Sifu" an und verneigt sich vor ihm, entsteht auch aus der dümmsten Nuss aufgrund des Titels die Illusion einer bedeutenden Person.
Titel und Etikette können also auch dazu eingesetzt werden, Schüler unverdienten Respekt abzunötigen, wo naturgemäß eigentlich kein Respekt vorhanden ist bzw. entstehen würde.
Es kann auf Dauer somit eine devote, unterwürfige Haltung dem Lehrer gegenüber entstehen, die letztenendes jegliche Kritik, jedes kritische Hinterfragen, etc. im Keim erstickt. Der Lehrer erzeugt eine Aura der Unantastbarkeit - ein partnerschaftliches Miteinander ist das jedenfalls nicht mehr.

Man sollte also sowohl den Lehrer fragen, wie er es mit der Etikette und irgendwelchen Zeremonien hält.

 

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    15. Mitglieder befragen      
     

Sicherlich, man kann noch zig weitere Punkte im Detail durchsprechen. Aber ich schätze, dass ich oben die wesentlichen Dinge bei der Wahl einer Wing Chun Schule aufgelistet und ansatzweise erörtert habe.

Sehr hilfreich ist es auch, die erfahrenen Schüler einer Schule außerhalb des Trainings selbst zu befragen und sich von ihnen einen Eindruck der Schule und des Trainers vermitteln zu lassen.

   
     


Mitglieder befragen - Manche Lehrer scheuen das transparente Beantworten der Fragen eines Neuinteressenten, erst recht dann, wenn irgendetwas nicht stimmt (z.B. bei Zusatzkosten, etc.). Man sollte daher versuchen, die Mitglieder zu sprechen und deren Meinung abzufragen. Wer weiß besser, was in der Schule passiert, als die älteren fortgeschrittenen Mitglieder. Natürlich braucht man auch hier etwas Glück ...

   
     

Meistens sind die älteren Schüler schon abgekochter, nicht mehr so "Anfänger-euphorisch" und betrachten Wing Chun hoffentlich als das, was es ist bzw. sein sollte: "harte Arbeit"!

Von ihnen kann man manchmal bessere Informationen als vom Lehrer selbst bekommen, der häufig eher an der Mitgliederakquise interessiert ist, als am Geben ehrlicher Auskünfte.

Traurig, aber leider allzu häufig wahr.

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    16. Fragen, Anregungen, Hinweise oder Kommentare? - Schreib mir ...      
     

Du hast Fragen, Anregungen, Hinweise oder Kommentare zu den hier aufgelisteten Kriterien bei der Wahl einer geeigneten Wing Chun Schule?

Dann trau Dich und schreib mir an: info@wingchun-elsner.de

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