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1. Teil 5 - Internationale Schreibweise Wing Chun und abschließende Worte

     
     

Im fünften und letzten Teil dieses Artikels gehe ich nochmal auf die Frage ein, warum es nicht besser wäre, würde man gleich die Schreibweise "Wing Chun" wählen. Man würde sich doch viel Ärger und Stress ersparen!

Der Artikel endet mit ein paar abschließenden Gedanken und Überlegungen zur Kommerzialisierung und zu Markeneintragungen im Wing Chun.

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    2. Warum wählt man nicht gleich die Schreibweise "WING CHUN"?      
     

Wenn man diese ganze Markenschutzproblematik rund um die Scheibweise "Wing Tsun" durchdenkt und überlegt, welches Kopfzerbrechen die Umgehung vielen Leuten gemacht haben muss oder (im Fall möglicher Markenverletzung in den Klassen 16, 25, 28 und 35) noch machen kann, frage ich mich ernsthaft, warum viele Lehrer nicht gleich auf die international anerkannte Schreibweise "Wing Chun" ausgewichen sind?

Einfacher wäre es sicher gewesen, da die Bezeichnung "Wing Chun" aufgrund ihrer internationalen Verbreitung markenrechtlich nicht geschützt werden kann. Und schon gar nicht darf sie unrechtmäßig mit einem Schutzvermerk ® (registered trademark) versehen werden, wie z.B. im Stuttgarter Raum geschehen.

Tatsächlich ist der Schutzvermerk ® neben dem Wort "Wing Chun" sogar als "rechtswidrig" einzuordnen. Bezüglich so einer "widerrechtlichen Verwendung von Schutzvermerken" gibt es sogar ein Urteil des Bundesgerichtshofes vom 26.02.2009 (Aktenzeichen I ZR 219/06)

 
 
     

Wettbewerbswidriger Schutzvermerk ®
     
     

Dort heißt es:
" Wer ein Zeichen mit dem Zusatz ® verwendet, ohne Inhaber dieser Marke oder einer Lizenz an dieser Marke zu sein, führt den Verkehr regelmäßig in wettbewerblicher Weise irre."

Dass einige die Bezeichnung "Wing Chun" dennoch abgelehnt haben, liegt vermutlich und ohne Witz daran, dass man von "Wing Tsun" üblicherweise abgekürzt als "WT" spricht. Man sagt im Kreis der Trainierenden also weniger Wing Tsun, sondern spricht hauptsächlich von "WT".

Ich kann man immer wieder amüsieren, wenn Neuinteressenten mir Emails schreiben und dort um "Unterricht im Wing Chun" anfragen und im Text dann schreiben, sie würden gerne bei mir "WT" lernen. Da sieht man gut, wie schön sie durch die EWTO konditioniert wurden.

Wer erinnert sich als ehemaliger "Wing Tsun" Schüler nicht an Gespräche, in denen man sagte: "Ich gehe zum WT" oder "Selbstverteidigung buchstabiert man WT", oder oder oder.

Ich erinnere mich selbst noch an frühere WT-Lehrer, die sich über "Wing Chun" Stilisten dümmlich amüsiert haben und meinten, "Wir trainieren WT und die anderen sitzen auf dem WC" mit Hinblick auf die ebenso abgekürzte Toilette (WC). Dann fielen  Sprüche wie: "Wer will schon sagen, dass er WC macht?" bzw. "WC macht man nicht, da sitzt man drauf".

Das ist zwar jetzt lediglich eine Vermutung, aber solche Sprüche haben tatsächlich eine Art Wirkung entfaltet.
ich kann mir daher gut vorstellen, dass viele Leute Wing Chun als Bezeichnung nach EWTO-Austritt vermieden haben, um nicht mit "WC" abkürzen zu müssen. Wer sagt schon gerne als Wing Chun Trainierender: "Ich trainier WC"? :)

Aus Gründen der ganz oben geschilderten internationalen Schreibweise "Wing Chun" bzw. Vermeidung einer Markenverletzung von Kernspechts "Wing Tsun" wäre der Wechsel zu "Wing Chun" sicherlich am einfachsten gewesen.

Man wäre in der internationalen Wing Chun Familie aufgegangen, anstatt zu erleben, wie sich Außenstehende über mehr oder weniger merkwürdige Schreibweisen wie z.B. "Wink Zonk oder Fynk Tzonk" amüsieren.

Wem IQ-mäßig wirklich überhaupt nichts mehr einfällt, habe ich hier eine Liste mit immerhin 3000 möglichen Wing Chun Schreibweisen hinterlegt. Daraus kann man sich dann frei bedienen.

     
     

12 DIN A4 Seiten mit Wing Chun Schreibweisen für Gehirnamputierte!
     
     

Viel Spaß!

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    3. Abschließende Worte zur Kommerzialisierung und Markeneintragungen      
     

Bedauerlicherweise ist Wing Chun mittlerweile unaufhörlich mehr und mehr ein gutes aber auch reichlich dubioses Geschäft für viele geworden und dabei dermaßen verbogen worden, dass es massentauglich ist.

Denn besonders gut wird jedes Geschäft natürlich, wenn massenweise Kunden bzw. Mitglieder existieren und in die Schulen strömen.

Es verwundert also gar nicht, dass Werbesprüche wie z.B. "Jeder kann Wing Chun lernen - ob jung, alt, stark oder schwach" im Wing Chun üblich sind.

Wie das genau funktionieren soll, dass plötzlich "JEDER" (ob unfit, Bewegungslegastheniker, durchsetzungsschwach, etc.) zum Wing Chun Kämpfer mutieren kann, ist mir allerdings nach wie vor ein Rätsel.

Aus wirtschaftlicher Überlegung bzgl. Gewinnmaximierung leuchtet dieser Wandel aber total ein - Hauptsache, die Bude ist maximal voll und am Monatsende klingelt es in der Kasse!

Es wird mit "Training in angenehmer Atmosphäre" geworben, die Schulen blitzen und blinken mit schickem Parkettfussboden, Tresen mit Kaffeemaschine und Sitzecke zum Vertrag ausfüllen.
Bei all dem innenarchitektonischen Pomp merkt man gar nicht mehr, dass man den Vertrag ebenfalls "in angenehmer Atmosphäre" ausfüllt.

Was das Ganze allerdings noch mit dem ursprünglichen asiatischen Kampfkunstgedanken zu tun hat, ist mir schleierhaft. 

Selbst die meisten Wing Chun Lehrer vor hundert Jahren wussten, dass Wing Chun nicht massentauglich ist und haben dementsprechend nur "Kleinstgruppen" ausgebildet.

Wie man aber in übervollen Schulen mit wild zusammengesetzten Gruppen noch gewährleisten will, dass überhaupt noch irgendwer sinnvoll etwas lernen kann, wenn man zudem auch noch "jede Gurke" in die Schule stopft und versucht, sie in einer so komplexen Kampfkunst wie Wing Chun zu unterrichten, verstehe ich allein aus pädagogischer Sicht schon gar nicht.

 
 
     


Wing Chun mit Gurken ist nur noch Gurken Wing Chun - Wild zusammen gesetzte Gruppen in Wing Chun Schulen können bei einer komplexen Kampfkunst wie Wing Chun die Wissensvermittlung blockieren. Wer trotzdem sämtliche Gurken ins Training holt, macht höchstwahrscheinlich kein Wing Chun mehr sondern Gurken Wing Chun

     
     

Weiterhin finde ich es geradezu pervers, dass man eine Kampfkunst über eine Markeneintragung bzw. über einen Markenschutz vor Dritten abzuschotten versucht, weil es offensichtlich um einen starken Grad der Kommerzialisierung handeln muss. Ansonsten macht eine Markeneintragung bekanntlich überhaupt keinen Sinn.

Traurige Wing Chun Welt!

Ich könnte hier noch etliche Seiten weiterschreiben und weiter in die Details gehen, an welchen Ecken und Enden im Wing Chun ein extremer "Schiefstand" existiert oder welche weiteren Erklärungsmöglichkeiten es für das Bezeichnungschaos für Wing Chun Stilarten gibt, usw. - aber ich schätze mal, es ist jetzt schon ziemlich klar, wie der Hase läuft.

Man muss nur im Internet recherchieren oder mit erfahrenen Wing Chun Stilisten reden, die sich schon lange mit der Szene befassen - dann findet man eh alles heraus.

Das Internet vergisst bekanntlich nicht.

Anfänger oder Laien, die sich für Wing Chun interessieren und in die nächstbeste Schule mit beliebiger Wing Chun Schreibweise reinlaufen, sollten sich aber vorher informieren, welchen Werdegang der dortige Lehrer bzw. Verbandsleiter hinter sich hat.

Evtl. hat man stattdessen lediglich einen ehemaligen EWTO-Lehrer vor sich, der eine andere Wing Chun Schreibweise wählte, um Keith Kernspechts Markenschutz auszuweichen.

Gute Informationsquellen sind spezielle Wing Chun Internetforen (wie beispielsweise Frank Burczynskis  Kampfkunstboard (siehe Link hier), in denen Erfahrungen zu Wing Chun und seinen Stilarten ausgetauscht werden ... allein in diesem Forum sieht man kristallklar, welch schlechten Ruf einige Wing Chun Stile und Derivate höchst bedauerlicherweise aufgrund vorhandener Finanzstrukturen haben.

     
     


KKB - Das Kampfkunst Board - Das Kampfkunst Board ist ein Internetforum, in dem über etliche Kampfsportarten und Kampfkünste diskutiert wird. Es ist ein sehr interessanter Pool bzgl. sämtlicher Wing Chun Derivate. Dort findet man (wenn man richtig sucht) etliche Details, die ich hier gesammelt präsentiere (und noch viele mehr). Ein Blick hinein lohnt sich.

     
     

Es gibt selbstverständlich einige hervorragende und durchaus auch sehr faire Wing Chun Lehrer in Deutschland (Tipps gerne auf Anfrage per Mail) - diese sollte man aber auch für gutes Wing Chun Training aufsuchen, damit man eine gute Chance hat, ohne zu hohe Kosten gutes Wing Chun zu lernen.

Wichtig ist auf jeden Fall, dass man - egal welchen Stil mit welcher Schreibweise man letztendlich wählt - auf keinen Fall nach dem ersten Probetraining sofort einen Vertrag unterschreibt!

Hier gilt es, genauso kritisch zu sein, wie man z.B. beim Autokauf wäre, sämtliche Informationen einzuholen, sich umzuhören, Schulen zu vergleichen und generell überall Probetraining zu machen.

Immerhin will man mehrmals die Woche seine Lebenszeit in dieser Schule, mit den Leuten und mit dem Trainer im Training verbringen.

Zwei Wochen kostenloses Probetraining sollten also mindestens drin sein und man sollte sich unbedingt mit den Mitgliedern unterhalten - sowohl mit den Anfängern als auch mit den Fortgeschrittenen, um einen Erfahrungsquerschnitt zu erhalten.

Man sollte sich genau informieren, was für Kosten auf einen zukommen, wie hoch die Monatsbeiträge sind, ob es Gebühren für Lehrgänge, Prüfungen, Chi Sao Sektionen, Formen, Kleidung, Sparringskurse, Ausbilderschulungen, etc. gibt und wie hoch diese sind und ob andere Kosten wie Jahresbeiträge, Aufnahmegebühren, Dachverbandsbeiträge, etc. anfallen.

Ich habe dazu bereits einige Artikel verfasst und man kann zur Schulwahl den Artikel "Wing Chun Schulen wie Sand am Meer - wie findet man die richtige Schule?" und zu den Qualitäten eines guten Lehrers den Artikel "Welche Qualitäten zeichen einen guten Wing Chun Lehrer aus?" lesen, wenn man Lust hat.

Dann sollte man sich mal entspannt zuhause hinsetzen und in Ruhe durchrechnen, was das an Kosten für die ersten fünf Jahre Training sind, wie viel das pro Monat ist und wie viel eine Stunde Training im Endeffekt kostet.

Wenn man solche Preisauflistungen nicht bekommt, weil der Lehrer bzw. Trainer herumstammelt oder nicht mit der Sprache herausrückt und irgendwelche Ausflüchte bzw. Ausreden anführt, um die Preise und Gebühren nicht nennen zu müssen obwohl gerade er diese ganz sicher präzise kennt, würde ich persönlich woanders hingehen.

Wenn man hingegen die Preise erfahren kann, die Gesamtkosten für das bisschen Training aber schlichtweg übertrieben bzw. sogar unverschämt sind, sollte man vielleicht doch lieber in einen Boxverein, zum Brazilian Jiu Jitsu oder besser noch MMA gehen, wo das Training pro Monat nur ca. 40 Euro kostet und wo man auch Selbstverteidigung lernen kann.

Wing Chun ist eben auch nur eine von vielen Kampfkünsten bzw. Kampfsportarten ... zwar sehr schön, wenn man es preiswert lernen kann, aber es gibt auch viele andere sehr gute Alternativen!

Viel Glück!

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    4. Fragen, Anregungen, Hinweise oder Kommentare? - Schreib mir ...      
     

Du hast Fragen, Anregungen, Hinweise oder Kommentare zu der hier aufgelisteten Schilderung zum fünften Teil über Schreibweisen im Wing Chun?

Dann trau Dich und schreib mir an: info@wingchun-elsner.de

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